Zölle, Krieg und unsichere Energiebeschaffung: Die Welt bleibt im Krisenmodus, die wirtschaftlichen Aussichten mäßig. Die unsichere Lage für Unternehmen führt dazu, dass sie vorsichtig bleiben. Und Kosten sparen.
Doch dass die Weltlage großartige Auswirkungen auf die Homeoffice-Diskussionen hat, ist nicht unbedingt zu erwarten. Während man das Gefühl bekommt, dass alle Argumente um die häufigere Rückkehr ins Büro ausgetauscht sind, müsste es in dieser Situation jedoch ein echter Faktor sein. Und so ist es auch; zumindest wenn man einer Befragung von CFOs und CEOs in UK und USA der International Workplace Group Glauben schenken darf.
67 Prozent von ihnen geben an, dass ihre Unternehmen die Betriebskosten wegen der Zölle oder Zoll-Erwartungen senken. Und 83 Prozent nutzen hybride Arbeitsmodelle zur Kostensenkung. Das Einsparen von Büroflächen dürfte hier der Hauptfaktor sein – wenn die Mitarbeitenden die Miete für Ihren Arbeitsplatz selbst zahlen, klingelt es eben in der Firmenkasse. Reine Remote-Arbeit verstärkt den Effekt sogar.
Recruiting schneller und kostengünstiger
Dabei kommunizieren doch allzu viele Unternehmen, dass sie Menschen wieder stärker zusammenbringen wollen – und dass sie höhere Erwartungen an die Produktivität in Präsenz haben. Allein: Wenn die Regeln bei der nächstbesten Möglichkeit wieder über den Haufen geworfen werden, dann darf man sich schon fragen, wie glaubwürdig diese Positionierung ist.
Tatsächlich geben die CEOs und CFOs aber auch an, dass Hybrid-Arbeit Vorteile für sie bietet. 74 Prozent sagen, dass sie dadurch neue Möglichkeiten bekommen: Sie haben höhere Flexibilität bei der Erschließung von Geschäftsstandorten und Wachstumspotenzialen. Letztlich wird auch die Einstellung von Menschen leichter, weil der Auswahlradius steigt. Im besten Fall wird das Recruiting dadurch schneller und kostengünstiger. So könnten die Krisen vielleicht doch etwas Gutes für sich haben.
KI zum Trotz: Menschen werden wichtiger
Positivere Schlagzeilen gibt es aus der Welt der Agenturen: Denn während die große Angst der Arbeitsplatzverluste wegen KI vorherrscht, sieht die Realität anders aus. Das zeigt eine Befragung des Project Management Institutes, deren Ergebnisse heute veröffentlicht werden: Demnach gaben 98 Prozent der befragten Agentur-Mitarbeitenden an, dass ihre Arbeitgeber die Projektmanagementfähigkeiten sogar ausbauen. In erster Linie durch Menschen, nicht durch KI-Tools oder sonstige Software. 28 Prozent sagen, dass ihre Agenturen sogar neue Menschen einstellen.
Was sich wenig überraschend ändert, sind aber die konkreten Skills der Mitarbeitenden. 32 Prozent der Befragten geben deshalb an, dass bestehende Mitarbeitende für bessere Projektmanagementfähigkeiten geschult werden. Besonders wichtige Skills dabei: Innovatives Denken, Wachstumsstrategie und Anpassungsfähigkeit.
KI verändert Anforderungen an menschliche Skills
Letzteres halten dabei interessanterweise „nur“ 57 Prozent für entscheidend. Durchaus überraschend ist also eher, dass 43 Prozent Anpassungsfähigkeit nicht für so wichtig halten. Denn mit der Angst vor der Übernahme durch KI mag das nicht so recht zusammenpassen: Gerade, weil die KI immer mehr Dinge übernehmen kann, wird sie immer wichtiger. Die geforderten Skills ändern sich eben.
Menschliche Kompetenz wird aber weiter benötigt. Die Erkenntnis dürfte nicht allzu überraschend kommen. Wer in den vergangenen Tagen und Wochen auch lautes Klagen über LinkedIn-Feeds voller ChatGPT-Content gelesen hat, den dürfte das erst recht nicht überraschen. Während die Diskussionen über Jobverluste wegen KI immer lauter werden, dürfte diese faktische Untermauerung für etwas Beruhigung sorgen: Der Mensch bleibt wichtig. Wer das erkennt und gute Arbeit leistet, braucht künftig sogar noch mehr Personal. Trotz Zöllen. Und immer öfter hybrid.
Auf eine krisenfreie Woche!
