Für Patrick Secker ist Markenführung kein theoretisches Konzept, sondern gelebte Haltung. Beim Hessischen Rundfunk (hr) zeigt der Redaktionsleiter von „Deutschrap ideal“, wie sich (auch) ein öffentlich-rechtlicher Sender zu einer relevanten Kulturmarke entwickeln kann. Sein Credo: „Content ist Marketing und Marketing ist Content.“
Patrick Secker ist kein klassischer Marketingmanager, sondern vielmehr ein Stratege mit Storytelling-DNA. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton führte ihn der Weg über die privaten Radiosender RPR1 und BigFM zum Hessischen Rundfunk, wo er als Social-Media-Teamleiter für hr3 und You FM die Brücke zwischen linearem und digitalem Content geschlagen hat. Früh erkannte er, dass junge Zielgruppen weniger über Formate, sondern mehr über Haltungen erreichbar sind – und dass Authentizität der neue Markenwert ist.
Größtes Hip-Hop-Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Mit „Deutschrap ideal“ hat Secker eine Plattform geschaffen, die weit über das klassische Musikangebot hinausreicht. Ursprünglich als Radiosendung gestartet, wurde daraus innerhalb weniger Jahre ein multimediales Ökosystem mit Podcasts, Videoformaten, Events, Social Media und Kooperationen innerhalb der ARD. Heute ist „Deutschrap ideal“ das größte Hip-Hop-Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – und ein Best Case für das sogenannte Audience-Centric-Branding, bei dem sich die Markenführung konsequent an den Bedürfnissen, Werten und Lebenswelten der Zielgruppe ausrichtet.
„Kreativität kann sich nur entfalten, wenn sie auf Struktur und Strategie aufbaut“, davon ist der 37-Jährige überzeugt. Ein Schlüsselmoment war die nationale Hip-Hop-Imagekampagne der ARD, die Secker mitentwickelte. Der Ansatz: Hip-Hop nicht vereinnahmen, sondern die ARD glaubwürdig als Teil der Szene zu positionieren. Neben Trailern im Ersten und Social-Media-Clips entstand die bundesweite Festival-Tour mit über 200.000 direkten Kontakten und mehr als fünf Millionen digitalen Interaktionen. „Wichtiger als die Reichweite war es, dass die Community spürte: Die ARD ist authentischer Teil der Hip-Hop-Kultur“, sagt Secker.
Kooperation mit der Hip-Hop-Academy Hamburg
Um diesen Dialog zu vertiefen, entwickelte Secker gemeinsam mit der Hip-Hop-Academy Hamburg die Workshop-Reihe „The Sessions“. Dabei berichten Künstler hautnah über ihre Arbeit und lassen Jugendliche in die kreative Welt des Hip-Hop eintauchen. „Ohne gemeinsame Leidenschaft und mein tolles Team wäre das alles nicht möglich gewesen“, betont er.
Aktuell unterstützt der Subkultur-Experte seine Kolleginnen und Kollegen in den ARD-Redaktionen bei Kultur- und Musikprojekten, entwickelt crossmediale Formate und Distributionsstrategien. Sein Ziel ist klar: den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Plattform für urbane Kultur zu etablieren – relevant, glaubwürdig und auf Augenhöhe mit der Szene.
Von der urbanen Kultur Frankfurts inspiriert
Dass Transformation nicht ohne Widerstände gelingt, weiß er aus Erfahrung. Sein erster Arbeitgeber musste während seiner Ausbildung Insolvenz anmelden; ein Rückschlag, den er als Antrieb nutzte. „In jeder Krise steckt auch eine Chance“, sagt Patrick Secker.
Privat entspannt er sich auf dem Basketballplatz, beim Squash oder auf Reisen. Bewegung, sagt er, halte seinen Kopf frei. Seine Heimat hat der gebürtige Mainzer in Frankfurt gefunden – mitten in der urbanen Kultur, die ihn inspiriert und seine Arbeit prägt.
Lieblingsmarke?
Marken, die aus ihrer Welt ausbrechen und authentisch neue Bereiche erschließen, beispielsweise Red Bull oder die Fashion-Marke 6PM.
Tollste Werbung?
Die am besten auf mich und meine Bedürfnisse zugeschnittenste.
Persönliches Vorbild?
Kein konkretes Vorbild; ich ziehe ganz viel Motivation aus unterschiedlichsten Menschen und ihren Lebenswerken und Geschichten.
Bester Rat?
Wer gut vorbereitet ist, ist schon einen Schritt voraus.
Was treibt dich an?
Die Leidenschaft, gemeinsam ambitionierte Ziele zu erreichen.

