Der Einzelhandel in Deutschland startet auch 2025 mit gebremstem Optimismus. Die Konsumzurückhaltung bleibt hoch, das Kaufverhalten vieler Menschen ist von Sparsamkeit und Unsicherheit geprägt. Während in den Innenstädten die Kundenfrequenz sinkt, erlebt der Onlinehandel leichten Aufwind. Doch die Gewinner sitzen oft im Ausland.
Wie die dpa berichtet, setzen steigende Lebenshaltungskosten, geopolitische Krisen und anhaltende Preissteigerungen dem Konsum weiter zu. Eine repräsentative Umfrage des IFH Köln zeigt: Rund die Hälfte der Verbraucher fühlt sich durch die wirtschaftliche Lage verunsichert, 42 Prozent verschieben geplante Anschaffungen. Viele Händler reagieren ernüchtert – nur ein Viertel rechnet für 2025 mit steigenden Umsätzen. Besonders schwer trifft es Anbieter von Mode, Haushaltswaren und Fahrrädern.
Deutsche schieben größere Ausgaben auf
Nach wie vor dominieren Vorsicht und Sparzwang das Einkaufsverhalten, berichtet die Presseagentur dpa. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), spricht von einem Klima der Verunsicherung: „Die Haushalte sparen aus Vorsicht und Vorsorge“, sagt er. Die Angst vor globalen Krisen, gepaart mit hohen Lebenshaltungskosten, sorge dafür, dass viele Menschen beim Einkaufen den Rotstift ansetzen.
Wie sehr sich das auf den Handel auswirkt, zeigt eine aktuelle IFH-Studie. Rund die Hälfte der Befragten gibt an, größere Ausgaben aufgeschoben zu haben. Genauso viele sorgen sich, ihren Lebensstandard nicht halten zu können. Besonders betroffen sind Händler von Haushaltswaren, Fahrrädern und Mode. In diesen Branchen ist die Erwartung an 2025 besonders negativ.
Einzelhandel in Deutschland 2025: Zwischen Hoffnung und Realität
Laut einer HDE-Umfrage unter 650 Handelsunternehmen rechnen nur rund 25 Prozent mit besseren Umsätzen im kommenden Jahr. In drei Vierteln der Geschäfte ist die Kundenfrequenz in den vergangenen zwei Jahren gesunken. Ein Alarmzeichen für den stationären Handel. Hoffnung? Kaum. Handelsexperte Johannes Berentzen sieht die Lage weiter angespannt: „Das ist nur denkbar, wenn sich die Weltpolitik beruhigt und der Handel es schafft, mehr Erlebnis zu bieten.“
Auch die Inflation spielt weiter eine Rolle. Zwar hat sich der Preisanstieg etwas abgeschwächt, aber einzelne Produkte schlagen weiterhin deutlich zu Buche: Schokolade ist laut Statistischem Bundesamt im Jahresvergleich um 28 Prozent teurer, Bohnenkaffee um knapp 20 Prozent. Kein Wunder, dass laut IFH rund 80 Prozent der Konsumenten inzwischen stärker auf Angebote achten – nicht nur im Supermarkt. Impulskäufe sind selten geworden, viele greifen nur noch zur günstigen Einstiegsware. Besonders gespart wird laut dem Vergleichsportal Idealo bei Kleidung und Accessoires.
Temu, Shein und Co. mit hohen Wachstumsanteilen
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen hält der HDE an seiner Jahresprognose fest. Für 2025 wird ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent erwartet. Inflationsbereinigt bleibt davon real allerdings nur ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent übrig. Einen kleinen Hoffnungsschimmer liefert immerhin das aktuelle Konsumbarometer des HDE: Es erreicht im Juli den höchsten Stand seit einem Jahr.
Etwas mehr Dynamik zeigt sich im Onlinehandel. Der HDE rechnet hier mit einem Plus von vier Prozent. Das Konsumverhalten verlagert sich – nicht zuletzt in Bereichen wie Wohnen, Mode oder Heimwerken – zunehmend ins Digitale.
Martin Groß-Albenhausen vom E-Commerce-Verband BEVH beschreibt es so: „Die Shoppinglaune der Deutschen kommt langsam, aber stetig zurück. Davon profitiert vor allem der Onlinehandel.“ Allerdings profitieren nicht nur deutsche Anbieter: Gut ein Drittel des Umsatzwachstums, dass der Onlinehandel im ersten Halbjahr hierzulande verzeichnen konnte, erzielten laut BEVH asiatische Shoppingportale wie Temu, Shein und AliExpress. Allein im Modesegment liegt deren Anteil an den Bestellungen bereits bei 14 Prozent, bei Modeschmuck sogar bei mehr als 28 Prozent.
Mit Material der dpa.
