- „Berlin braucht Erziehung“ (GUD für Kindergärten City) gewinnt in der Kategorie Kommerziell. Die Kampagne nutzt provokanten Humor, um auf den Fachkräftemangel in Berliner Kitas aufmerksam zu machen.
- „Dreh den Hass ab“ (Fivekit für HateAid) wird in der Kategorie Gemeinwohl ausgezeichnet – und erhält zusätzlich den Publikumspreis. Die Arbeit thematisiert digitale Gewalt und fordert Verantwortung von Plattformen ein.
- Der Ehrenpreis geht an das Gründerinnenteam des FC Viktoria Berlin Frauen. Gewürdigt werden unternehmerische Weitsicht, professionelle Markenführung und gesellschaftliches Engagement für Gleichstellung im Sport.
Ein Abend für Ideen und Haltung
Das Brandenburger Tor leuchtet im Festival of Lights, im Axica-Kongresszentrum wird gefeiert. Der Marketing Club Berlin hat am 13. Oktober den Berliner Marketingpreis 2025 verliehen – zum vierten Mal und im 70. Jubiläumsjahr des Clubs.

Durch den Abend führten Gregor C. Blach (We Do) und Natalia Bahancova (Cambridge Innovation Center Berlin). Sie kombinierten Witz und Professionalität – typisch für die Hauptstadt. „Es geht um kreative Kampagnen, die die Stadt prägen, und um die Menschen, die Berlin lebendig halten“, betonte Blach. Bahancova ergänzte, der Abend solle auch dem Austausch dienen: „Reden, anstoßen, Ideen teilen – so funktioniert Berlin.“
Die Cases: Vielfalt und Wirkung
In der Kategorie Kommerziell zeigten die Nominierten, wie unterschiedlich Berliner Marketing sein kann – relevant, frech und mit Haltung.
Connex Berlin startete mit „Berlin macht Schule“, einer Recruiting-Kampagne für Lehrkräfte im Auftrag der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege. Mit rund 700 Touchpoints, von TikTok bis City-Light-Säulen, wurde sie omnipräsent. Das Ergebnis: über 16 Millionen Kontakte und mehr als eine Million Klicks auf die Website. Humorvoll, zielgruppennah und messbar erfolgreich – ein Lehrstück für datenbasiertes Storytelling.

Danach folgte GUD Berlin mit „Berlin braucht Erziehung“ für Kindergärten City. Die Kampagne kommentierte den Alltag der Hauptstadt mit pointiertem Humor. „Berlin, die Stadt, in der nichts fehlt – außer hier und da ein bisschen Erziehung“, hieß es auf den Plakaten. Der provokante Tonfall zahlte sich aus: 550 Prozent mehr Bewerbungen, bundesweite Berichterstattung und eine lebhafte Diskussion über die Botschaft.
Heldisch präsentierte für die Berliner Sparkasse das Konzept „Berliner Freiheit“. Die Bank verknüpfte ihr digitales Girokonto mit lokalem Selbstbewusstsein. „Du musst nicht, du kannst aber“ – ein Satz, den man in Berlin versteht. Mit Online-Spots, Tinder-Anzeigen und Außenwerbung zeigte die Sparkasse, dass auch Traditionsmarken modern auftreten können. Jury und Publikum lobten den Mix aus Klarheit und Selbstironie.
Marketing und Haltung – Worte der Präsidentin
Nach den Präsentationen sprach Myriam Sztayn Aber, Präsidentin des Marketing Clubs Berlin. Sie gab dem Abend den zentralen Gedanken: „Wir feiern Projekte, die nicht nur laut, sondern relevant sind.“ Marketing, so sagte sie, bedeute heute Verantwortung. Kampagnen müssten Haltung zeigen, ohne ihre Leichtigkeit zu verlieren.
Sztayn Aber dankte Jury, Sponsoren und Partnern – und betonte die Bedeutung des Ehrenpreises: Er stehe für Leadership, Gleichstellung und den Mut, Neues zu wagen.
Auch Michael Biel, Staatssekretär für Wirtschaft, Energie und Betriebe, richtete ein Grußwort an die Gäste. Er hob die Bedeutung der Kreativwirtschaft hervor: „1200 Unternehmen, 12.000 Beschäftigte, 1,6 Milliarden Euro Umsatz – Marketing ist Teil der Berliner DNA.“
Biel sprach jedoch nicht nur über Zahlen. Er appellierte an den gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Diese Stadt lebt vom Miteinander. Menschen brauchen Menschen – nicht alles funktioniert digital.“ Berlin, sagte er, stehe für Offenheit, Vielfalt und Frieden. Seine Worte fanden im Saal breite Zustimmung.
Kategorie Gemeinwohl: Kampagnen mit Haltung
In der zweiten Wettbewerbskategorie, Gemeinwohl, wurden Projekte ausgezeichnet, die Verantwortung sichtbar machen. Heldisch überzeugte erneut – diesmal mit „Signal for Help“ für das Berliner Queere Bündnis. Die Kampagne erklärt eine einfache, aber lebenswichtige Geste: die Handbewegung, mit der Menschen in Not unauffällig um Hilfe bitten können. Das Motiv – eine offene Hand, der Claim „Eine Hand sagt mehr als tausend Worte“ – prangte auf über 4000 Flächen in der Stadt. „Wir wollten Sichtbarkeit für ein stilles Signal schaffen“, sagte Geschäftsführer Jörn Kriebel, „damit Betroffene wissen: Du bist nicht allein.“
Eindringlich auch der Auftritt von Fivekit mit „Dreh den Hass ab“ für HateAid. Die Kampagne thematisiert digitale Gewalt – in Form von handgeschriebenen Hassbotschaften, die sich im Film zu einer Lawine auswachsen. Das starke Konzept, das Emotionalität mit visueller Wucht verbindet, wurde von der Jury als „verstörend ehrlich und gesellschaftlich notwendig“ bezeichnet.
Das Medienlabor Berlin wiederum zeigte, dass Wissenschaftskommunikation populär und pointiert sein kann. Ihr Beitrag machte Forschung für die Stadt erlebbar – anschaulich, verständlich, nahbar. In Zeiten wachsender Polarisierung ein dringend nötiger Gegenentwurf.
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Abends
Die Spannung im Saal war spürbar, als die Jury-Vorsitzende Kerstin Stenkat, Leiterin Marketing-Kommunikation Pkw Deutschland bei Mercedes-Benz, die Entscheidung verkündete. Der Berliner Marketingpreis 2025 in der Kategorie Kommerziell ging an „Berlin braucht Erziehung“ von GUD Berlin für Kindergärten City. Die Laudatio lobte die Kampagne als „mutig, relevant und typisch Berlin – eine Kommunikationsarbeit, die Haltung beweist und trotzdem zum Schmunzeln bringt“.








In der Kategorie Gemeinwohl siegte „Dreh den Hass ab“ von Fivekit für HateAid – eine Arbeit, die, so Stenkat, „die Macht der Kommunikation nutzt, um Verletzlichkeit sichtbar zu machen und Zivilcourage zu fördern“.
Das Publikum stimmte zu: Der Publikumspreis 2025, präsentiert vom Digital-Out-of-Home-Partner Framen, ging ebenfalls an HateAid. Die Auszeichnung ist mit einer Mediakampagne verbunden, die der Initiative zusätzliche Reichweite schenkt.
Ehrenpreis: Sechs Frauen verändern den Fußball
Der emotionale Höhepunkt des Abends: der Ehrenpreis für das Gründerinnen-Team des FC Viktoria Berlin Frauen. Die Olympiasiegerin im 3×3 Basketball Svenja Brunckhorst hielt die Laudatio – persönlich, sportlich, mit spürbarem Respekt: „Diese Frauen haben nicht nur ein Team gegründet, sondern eine Marke mit Haltung – für Gleichstellung, Innovation und Wandel.“
Die Preisträgerinnen – Ariane Hingst, Katharina Kurz, Felicia Mutterer, Verena Pausder, Lisa Währer und Tanja Wielgoß – hatten 2022 das Frauenteam übernommen und in eine eigenständige GmbH überführt.
Ihr Ziel: den Frauenfußball wirtschaftlich und kommunikativ auf ein neues Level heben. Mit klarer Markenidentität, professioneller PR, einem Investorinnenmodell und sportlichem Erfolg – dem Meistertitel in der Regionalliga Nordost und dem Aufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga – wurde daraus ein Leuchtturmprojekt.
Berliner Marketingpreis: Berlin zeigt, was Haltung kann
Als der Applaus verhallt und die Gäste sich zum Feiern an die Bar begeben, bleibt ein roter Faden: Berlin kann Marke – und Haltung. Die Siegerinnen und Sieger des Abends bewiesen, dass Marketing mehr sein kann als Reichweite: Es kann Relevanz schaffen.








Oder, wie Juryvorsitzende Kerstin Stenkat es zusammenfasste: „Großartige Kampagnen entstehen da, wo Mut, Kreativität und gesellschaftliches Bewusstsein zusammentreffen. Genau das haben wir heute gesehen.“ Berlin hat es wieder einmal gezeigt – auf seine Art: laut, klar, und voller Herz.

