Berlin, 25 Grad, Abendsonne über dem Kanzleramt. Das Tipi-Zelt im Berliner Tiergarten war am Montag die Bühne für 70 Jahre Marketinggeschichte – und für einen Abend, der zeigt, dass Marketing mehr ist als Werbung: Haltung, Verantwortung, Stadtentwicklung, Storytelling und manchmal auch einfach nur eine Bulette mit Cola. Der Marketing Club Berlin (MCB) feierte sein rundes Jubiläum am 14. Juli mit rund 250 Gästen und mit einem Programm, das die Vergangenheit des Clubs ehrte und die Zukunft der Stadt diskutierte.
Der Regierende Bürgermeister: Berlin als Haltung
Den Auftakt zum Jubiläumsabend übernahm Myriam Sztayn Aber, Präsidentin des Marketing Clubs Berlin, mit einer klaren Botschaft: Der MCB sei heute mehr denn je ein Ort für Dialog, Haltung und Wandel. Sie erinnerte daran, dass der Club seit 1955 nicht nur Wirtschaft und Kommunikation zusammenbringe, sondern auch Impulse für die Stadtentwicklung setze.
Dann übergab sie an Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin. Dieser hielt eine Rede, die sich nicht auf Grußworte beschränkte. Sie war eine Liebeserklärung an die Stadt, den Marketing Club Berlin und ein Appell an alle, die die Marke Berlin prägen: „Berlin ist Haltung. Berlin ist Widerspruch. Berlin ist Offenheit, Internationalität – und ja, auch Diversität.“
Wegner würdigte die Arbeit des MCB und stellte klar: Die Erfolgsgeschichte Berlins sei auch das Verdienst von Marketingexpertinnen, Kreativen, Agenturen, Unternehmen. Der Bürgermeister plädierte dafür, „nicht nur über das zu sprechen, was nicht klappt, sondern auch über das, was richtig gut läuft“.
Dass seine persönliche Lieblingsmarke „Berlin selbst“ sei, überrascht da kaum: „Berlin ist die Dachmarke – und das Brandenburger Tor eine Ikone der Freiheit.“
Frank Zander: Ein Berliner mit großem Herz
Ein emotionales Highlight des Abends war die Verleihung des Ehrenpreises des Berliner Marketingpreises 2025 an Entertainer Frank Zander. In seiner Laudatio nannte ihn Thomas E. Herrich, Ehrenpräsident des MCB, „mehr als einen Markenbotschafter Berlins – du bist Berlin“. Zander sei ein Mann, der mit Herz und Haltung über Jahrzehnte ein Vorbild geblieben ist.

Auch Kai Wegner würdigte Zander – ganz persönlich: „Uns verbindet die Leidenschaft für Hertha BSC und für die Nachtgastronomie.“ Er erinnerte sich an ein frühes Treffen mit dem Musiker: „In einer richtig schönen Altberliner Kneipe – mal schön Bulette und … eine Cola war sicher auch dabei.“ Ein Satz, der so schlicht wie treffend zusammenfasst, wofür Frank Zander in Berlin steht: Nahbarkeit, Authentizität, Herz.
Zander selbst – gewohnt schnoddrig und herzlich – nahm den Preis mit Demut an: „So viel Ehre haut mich echt vom Hocker.“ Er versprach, sein Engagement – insbesondere für Obdachlose – fortzuführen: „Solange ich lebe, werde ich diesen armen Gestalten helfen.“ Sohn Markus Zander rief dazu auf, die junge Stiftung Zander aktiv zu unterstützen: „Das ist eine Mitmach-Stiftung – keine mit Millionen Startkapital.“
Die Flying Steps: Breakdance trifft Hochkultur
Ein weiterer Höhepunkt des Abends: Der Auftritt der Flying Steps, angeführt von Gründer Vartan Bassil. Was einst mit Breakdance auf Berliner Gehwegen begann, ist heute eine internationale Marke, die weltweit über zwei Millionen Menschen begeistert hat.
„Breakdance ist nicht nur etwas für junge Menschen, sondern es ist eine Art Leben, dem man sich widmet“, erklärte Bassil im Bühneninterview. Mit der Show „Flying Bach“ verschmolzen die Flying Steps Klassik mit Streetdance – mit globalem Erfolg.
Bassil plädierte auch für die Olympiabewerbung Berlins – aus persönlicher wie gesellschaftlicher Überzeugung: „Wenn Athle*innen aus aller Welt zusammenkommen, um ihr Bestes zu geben, dann entsteht eine Energie, die eine Stadt langfristig verändert.“














Das Panel: Haltung trifft Wirtschaft trifft Storytelling
Im anschließenden Panel diskutierten Bestsellerautor Sebastian Fitzek, Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, Telekom-Managerin Antje Hundhausen und Bio-Company-Gründer Georg Kaiser über die Zukunft von Marketing, Stadtgesellschaft und Kreativwirtschaft.
Fitzek brachte es auf den Punkt: „Gutes Marketing ist gutes Storytelling. Aber ein Cliffhanger ist nur dann etwas wert, wenn der Payoff stimmt.“ Seine Botschaft: Authentizität ist das neue Kapital; auch im Marketing. „Menschen merken, ob etwas mit Leidenschaft gemacht ist oder aus Kalkül.“

Franziska Giffey betonte die Bedeutung von Führung mit Haltung: „Leadership in the world needs more kindness“, zitierte sie Jacinda Ardern. Es gehe darum, Möglichmacherinnen zusammenzubringen und mit Freundlichkeit zu führen – gerade in einer Stadt wie Berlin.
Telekom-Managerin Antje Hundhausen ergänzte: „KI kann Prozesse beschleunigen, aber der Mensch macht den Unterschied. Wenn alles gleich aussieht, wird es beliebig. Emotion und Bedeutung kommen aus echter Erfahrung.“ Sie setzt mit ihrer Marke auf Erlebnisse und sozialen Kontakt: „Wir müssen raus aus der Bubble, raus auf die Straße.“
Marketing Club Berlin: Auf die nächsten 70 Jahre
Georg Kaiser berichtete von der Gründung der Bio Company aus einer Haltung heraus: „Wir hatten nie viel Geld – aber wir hatten Überzeugung. Und mit der haben wir Bio in die Mitte der Gesellschaft gebracht.“ Sein Credo für nachhaltiges Marketing: „Marke ist Mensch. Alles andere ist Werkzeug.“
Durch den Abend führte energiegeladen und mit viel Fingerspitzengefühl Moderatorin Felina Schmitz von Radio Energy. Zwischen Generationenpanel, Politik, Showeinlagen und Standing Ovations für Frank Zander entstand das, was man sich in Berlin oft wünscht, aber nicht verordnen kann: echter Zusammenhalt. Oder wie es Fitzek sagte: „Es gibt keine andere Zeit und keinen anderen Ort, in dem ich lieber leben würde, als heute – in Berlin.“

