Analoge Werbung digital umsetzen 

Print ist tot? Von wegen. Wer heute kanalübergreifend denkt, entdeckt im Analogen neue Stärken. Die Zukunft des Marketings liegt nicht im Entweder-oder, sondern im Sowohl-als-auch.
Karsten Zunke hat die Marketing-Tech-Welt genau im Blick, vom MarTech-Maschinenraum bis zu kreativ umgesetzten Kampagnen.
Karsten Zunke hat die Marketing-Tech-Welt genau im Blick, vom MarTech-Maschinenraum bis zu kreativ umgesetzten Kampagnen. (© privat; Montage: Katharina Höhner)

In einer Welt voller Daten, Dashboards und digitaler Dauerbeschallung wirkt ein vom Wetter gezeichnetes Papier-Plakat am Supermarktparkplatz fast romantisch. Und doch: Gerade hier beginnt moderne Mediaplanung. Denn das vermeintlich Alte ist nicht obsolet – es wird neu aufgeladen. Dank technologischer Innovationen lassen sich heute selbst analoge Kanäle nahtlos in digitale Strategien einbetten. Programmatic Print, automatisierte UKW-Planung, Smart TV-Ads oder dynamische Außenwerbung: Die Grenzen zwischen Offline und Online verwischen. Entscheidend ist nicht mehr der Kanal, sondern die Intelligenz dahinter. 

Ein besonders gelungenes Beispiel liefert derzeit die Kampagne „Deine Wahl. Ihr Wohl“ der Initiative Tierwohl. Die Digitalagentur Colorful Chairs hat gemeinsam mit Mobile Audience Solutions eine komplett analoge Out-of-Home-Kampagne (OOH) vollständig programmatisch geplant und gebucht. 750 klassische Werbeflächen auf Supermarktparkplätzen wurden über die Supply Side Platform SSP1 der One Tech Group in einen digitalen Buchungskanal integriert – inklusive Targeting, KPI-Messung und Dashboard-Reporting. Über eine Schnittstelle konnte nicht nur die programmatische Buchung, sondern auch das komplette Fulfillment – vom Druck bis zur Distribution der Werbemittel –sichergestellt werden. 

Ergänzt durch digitale Geofencing-Maßnahmen, Display Ads bei Google und QR-Codes, entstand schließlich eine durchgängig vernetzte Konsumentenreise mit messbarer Wirkung – digital orchestriert und physisch sichtbar. Neben den acht Millionen Kontakten über die klassische OOH-Kampagne wurden zehn Millionen Kontakte digital erzielt. 

Mehr Marketing Tech? Mehr in Mechanismen denken! 

Dieses Prinzip kann durchaus als Blaupause dienen: Klassische Umfelder werden digital verfügbar gemacht. Über Schnittstellen, Datenfeeds und SSP-Integration wird Print planbar wie Display, Außenwerbung so granular steuerbar wie Programmatic Video. Das schafft neue Relevanz für Kanäle, die lange als schwerfällig oder intransparent galten – insbesondere in ländlichen Regionen, wo digitale Reichweiten oft schwächeln. Und es zeigt: Wer als Marketer seine Mediastrategie nicht nach Kanal-Silos, sondern nach Wirkung ausrichtet, kommt zwangsläufig ins Crossthinking.  

Die Zukunft gehört denen, die nicht nur in Medien, sondern in Mechanismen denken. Wer hingegen „digital only“ denkt, verpasst die analogen Chancen – und damit die halbe Wirkung. Vielleicht ist genau das das nächste große Ding: analoge Werbung mit digitaler Präzision. Der Tech Tuesday wird diese Entwicklung weiter im Auge behalten. 

Schon gehört? 

Auf die Außenwerbung entfällt erstmals ein Zehntel der Brutto-Werbespendings in Deutschland. Es handelt sich um den kumulierten Bruttoumsatzes für das laufende Jahr 2025, den Nielsen Germany jetzt veröffentlicht hat. 

Weniger Jubelstimmung herrscht in den USA unter Search-Marketern: Seit Google im Mai 2024 AI Overviews eingeführt hat, ist laut einem aktuellen Report von Similarweb in den USA der Anteil der Zero-Click-Nachrichtensuchen (also der Anteil der Suchanfragen ohne Klicks) stetig gestiegen – von 56 Prozent auf fast 69 Prozent im Mai 2025. Auch hierzulande ist mit einer ähnlichen Entwicklung zu rechnen. 

In einem sind sich ohnehin alle Marktbeobachter einig: KI verändert alles. Und „alles“ bedeutet dann wohl auch „alles“: Elon Musk hat jetzt auf X angekündigt, Baby Grok zu entwickeln. Eine KI-App mit kinderfreundlichen Inhalten. 

Die KI-Lösungen für die „Großen“ werden indes immer leistungsstärker. OpenAI hat KI-Agenten für ChatGPT gelauncht – und warnt gleichzeitig vor ihnen. Die KI-Agenten können auch sehr komplexe Aufgaben in Eigenregie erledigen, aber man solle ihnen nicht zu viel Macht geben. Um das Risiko von „Prompt-Injektion-Angriffen“ zu minimieren, sollten Nutzer alle Konnektoren abschalten, die für eine Aufgabe nicht zwingend nötig sind. Beispielsweise könnte der selbstständig nach einem Restaurant recherchierende KI-Agent im Internet Anweisungen finden, die ihn die Passwörter seine Benutzers ausspähen lassen.  

Da den neuen KI-Agenten von OpenAI intern erstmals auch „hohe Fähigkeiten“ in den Natur-Wissenschaften Biologie und Chemie zugeschrieben werden, hat der KI-Anbieter für die neuen künstlichen Agenten jetzt die höchste Sicherheitsstufe aktiviert. Entwickelt sich KI für uns Menschen vielleicht doch etwas zu schnell? 

In diesem Sinne. Bleiben Sie inspiriert! 

(kaz) ist Fachjournalist für digitales Marketing. Seit Mitte der Nullerjahre begleitet er mit seinen Artikeln die rasanten Entwicklungen der Online-Werbebranche. Der Maschinenraum der Marketing-Technologien fasziniert ihn dabei ebenso wie kreativ umgesetzte Kampagnen. Der freie Autor lebt und arbeitet in Berlin.