Green Wednesday: Alte Schläuche, neue Ziele

Ab sofort immer mittwochs: Informationen und Denkanstöße rund ums Thema Nachhaltigkeit. In der ersten Ausgabe geht es um Professionalität – und um Preisgestaltung.
Von heute an jeden Mittwoch in Ihrer Mailbox: Die wichtigsten News zum Thema Nachhaltigkeit. ©Unsplash

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen ökologisch orientierte Gründer*innen als Naivlinge belächelt wurden. Heute gehört Nachhaltigkeit zum Pflichtprogramm – auch etablierte Unternehmen kommen kaum umhin, diese Dimension im Marketing zu berücksichtigen. Deshalb erweitert die absatzwirtschaft ihr Newsletter-Angebot um den Green Wednesday: Abwechselnd werden meine Kollegin Vera Hermes und ich marketingrelevante News, Tipps und Hintergrundinfos zu einer – wie wir hoffen – unterhaltsamen und informativen Lektüre verdichten. Wir freuen uns auf Ihr Feedback und auf inhaltliche Anregungen.

Erwartungsmarketing wie die Feuerwear

Manchmal signalisieren auch kleine Ereignisse große Veränderungen. Am heutigen Mittwoch präsentiert die Kölner Firma Feuerwear eine Taschenkollektion in der Farbe Neongelb. Interessant daran ist nicht nur das Material – die Produkte werden aus alten Feuerwehrschläuchen gefertigt. Bemerkenswert auch die Professionalität, mit der das Start-up, ganz oben auf der Nachhaltigkeitswelle reitend, den Launch inszeniert. Die leuchtstarken Beutel gibt es nur einmal im Jahr und in streng limitierter Auflage; jeweils um 8, 12 und 17 Uhr werden die Unikate zur Online-Bestellung freigeschaltet. Mag ja sein, dass neongelbe Schläuche wirklich so selten sind, wie Feuerwear behauptet. Ganz sicher aber versteht da jemand etwas von Erwartungsmarketing.

CO2-Emissionshandel: Einigung steht kurz bevor

Weil zurzeit alle über Preise reden: Zu Wochenbeginn sorgte die Nachricht für Aufsehen, dass das Europäische Parlament bei der Reform des CO2-Emissionshandels kurz vor einer Einigung steht. Mit anderen Worten, der Ausstoß von Treibhausgasen wird teurer, vielen klimaschädlichen Geschäftsmodellen droht mittelfristig das Aus. Doch die Reform gibt auch Perspektiven: Ein großer Innovationsfonds soll umweltfreundliche Investitionen unterstützen. Der Umbau der Wirtschaft wird dauern. Doch wer wüsste besser um die Lenkungswirkung von Preisen als Marketer.

Studie: Gerne mehr zahlen für Nachhaltigkeit

Nicht wenige beschäftigt derweil die Frage, ob Nachhaltigkeit ein Schutz vor inflationsbedingten Ausweichreaktionen ins Billigsegment sein kann. Die Expert*innen sind sich da noch nicht ganz sicher. Immerhin gilt Nachhaltigkeit als Hygienefaktor, um im relevanten Set von Kund*innen zu bleiben, wie in der aktuellen absatzwirtschaft zu lesen ist. Fest steht auch: Wer dem Thema einen hohen Stellenwert beimisst, ist bereit, für Produkte mehr zu zahlen. Das gilt nicht zuletzt für die Generation Z: Immerhin 27 Prozent der 16- bis 26-Jährigen kaufen gezielt nachhaltig, zeigt eine neue Studie des ECC Clubs. Wer es nicht tut, nennt als Grund meist ein begrenztes Budget. Ein Umstand, der sich bei vielen ändert, wenn die Karriere an Fahrt aufnimmt.

Marketingkopf 2022

„Umweltschutz, soziale Verantwortung und wirtschaftlich erfolgreich zu sein, widersprechen sich nicht“, sagt Manfred Meindl, Marketingchef des Outdoorherstellers Vaude. Das Magazin „Der Versandhausberater“ hat ihn gerade zum „Marketingkopf 2022“ gekürt. Aus diesem Anlass hat er ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert. Unter seinen praktischen Hinweisen, wie sich Nachhaltigkeit im Marketing umsetzen lässt, findet sich der Verzicht auf Give Aways, die ohnehin im Müll landen. Kopieren ist in diesem Fall unbedingt empfehlenswert.

Meindl sagt auch, er könne sich „gar nicht mehr vorstellen, für ein Unternehmen zu arbeiten, in dem diese gesellschaftlichen Themen nicht auf der Tagesordnung stehen“. Die Haltung ist, nicht zuletzt unter jungen Leuten, durchaus verbreitet, weshalb Nachhaltigkeit zunehmend auch ein Thema fürs Personalmarketing wird. Dazu ein anderes Mal mehr.

Eine gute Woche noch, und behalten Sie die Zukunft im Blick!


Über die Autorin

Zu Umweltthemen recherchierte Christine Mattauch schon an der Journalistenschule – es war die Zeit der ersten großen „Bio“-Welle. Heute beschäftigt sie sich mit grünen Marketingstrategien und der Frage, wie sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit verbinden lassen. Die freie Wirtschaftsjournalistin lebt und arbeitet in München.


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