Agenturen: GWA richtet „Hilfetelefon“ für Betroffene von Diskriminierung ein

Wie steht es um Diversität und Gleichberechtigung in der Agenturbranche? Der jüngste Fall "Odaline" wirft einen Schatten auf bereits erzielte Fortschritte. Nun reagiert der GWA und beruft eine Ombudsfrau.
Der GWA veranstaltet jährlich den Früjahrsmonitor als Umfrage unter seinen Mitgliedern zur aktuellen Stimmung in der Branche.
Der GWA ist die Branchenstimme für mehr als 160 Mitglieder, darunter die führenden Kommunikationsagenturen in Deutschland. (© GWA)

Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) reagiert auf die jüngste Debatte über Diskriminierung und sexuelle Gewalt in der Agenturbranche. In der Vorwoche hatte der Abgang von mehreren Mitarbeiterinnen bei der Agentur Odaline, über den verschiedene Branchenmedien berichteten, für Aufregung gesorgt. Die Agentur, seit 2024 GWA-Mitglied, hat mittlerweile einen Fall von Fehlverhalten eingeräumt.

Nun reagierte der Branchenverband mit einem Statement, das Bezug auf die Verfehlungen in der Mitgliedsagentur nimmt: „Die Diskussion und die Erfahrungen im Zusammenhang mit einem aktuellen Fall zeigen, dass wir als Branche einen ehrlichen und professionellen Umgang mit den bestehenden Missständen brauchen. Dazu gehören Prävention, Betroffenenberatung (Schutzmaßnahmen und Meldestellen) sowie die Einbindung unabhängiger Expert*innen.“

Online-Seminar und persönliche Beratung

Letzteres setzt der GWA unmittelbar um, indem er Christine Lüders zur Ombudsfrau beruft. Die ehemalige Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes werde in ihrer neuen Funktion bereits in der kommenden Woche ein Online-Seminar abhalten, mit Informationen, Beratung und Aufklärung zu Rechten und Möglichkeiten für betroffene Frauen. Die Beratung stehe auch Nicht-GWA-Mitgliedsagenturen offen, heißt es in der Mitteilung. Darüber hinaus könnten Betroffene künftig über ein „Hilfetelefon“ direkt und streng vertraulich persönlich mit Christine Lüders sprechen.

„Es ist wichtig, gerade bei diesen Themen auch die menschliche Dimension zu berücksichtigen, nicht nur die rechtliche. Und es ist wichtig, die Themen mit der gebotenen Sachlichkeit anzugehen“, wird die GWA-Präsidentin Larissa Pohl in dem Statement zitiert.

Jede Vierte mit negativen Erfahrungen im Agenturumfeld

Zahlreiche Maßnahmen für Diversität und Gleichberechtigung verfolge der GWA seit vielen Jahren. Dazu gehören neben Schulungen zum Gleichbehandlungsgesetz auch regelmäßige Umfragen zur Umsetzung von DEI-Standards bei den Mitgliedern. Die Ergebnisse der jüngsten Befragung sind für Ende Oktober geplant. In der Pressemitteilung nennt der Verband bereits erste Ergebnisse vorab.

Demnach ist Großteil der 1024 Befragten mit der Art und Weise, wie DEI in ihrer Agentur umgesetzt wird, zufrieden: So geben 85 Prozent der befragten Frauen an, dass sie sich bei der Arbeit authentisch zeigen können, ohne Angst vor Diskriminierung. Knapp 89 Prozent geben an, sich grundsätzlich wertgeschätzt und respektiert zu fühlen. Die Datenlage zeige jedoch auch: Jede vierte Person hat bereits negative Erfahrungen aufgrund eigener Diversitätsmerkmale in ihrem Agenturumfeld erlebt. Frauen geben mehrheitlich an, aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt zu sein. Dies meint jegliche Form von erlebter Benachteiligung, also nicht ausschließlich explizit sexuelles Fehlverhalten.

Das Ziel des GWA sei es, gleichberechtigte Teilhabe zu stärken und insbesondere Frauen zu ermutigen, die Branche auf allen Karriereebenen aktiv mitzugestalten, heißt es in der Mitteilung. „Das tun wir – trotz gesellschaftlicher Gegenbewegungen –, denn unsere Branche lebt von Diversität, in allen Facetten.“ Die Botschaft scheint allerdings noch nicht bei allen Agenturen angekommen zu sein.

(tht, Jahrgang 1980) ist seit 2019 Redakteur bei der absatzwirtschaft. Davor war er zehn Jahre lang Politik- bzw. Wirtschaftsredakteur bei der Stuttgarter Zeitung. Der Familienvater hat eine Leidenschaft für Krimis aller Art, vom Tatort über den True-Crime-Podcast bis zum Pokalfinale.