Agenten im Marketing? Nur mit Plan! 

Der Begriff „Agentic AI“ geistert derzeit durch jedes zweite LinkedIn-Posting und jede dritte Konferenz. Marketingabteilungen fragen sich: Schnell ein KI-Agentensystem aufsetzen? Prozesse übergeben? Meine Antwort: Jein.
Jens Polomski KI Design Agentic AI
Jens Polomski unterstützt Unternehmen dabei, generative KI effektiv einzusetzen. (© privat/ Montage: Olaf Heß)

Natürlich sind agentische Systeme ein spannender Fortschritt. Sie versprechen Autonomie, Entscheidungskraft und Effizienz, gerade bei repetitiven Aufgaben oder komplexen Recherchen. Und ja, es gibt inzwischen Tools, die nicht nur reagieren, sondern eigenständig entscheiden können, wie sie ein Ziel erreichen. Für viele klingt das nach einem Traum. 

Aber Hand aufs Herz: Wie viele Marketingabteilungen haben ihre Hausaufgaben gemacht? 

Vielen Teams fehlen saubere Datenstrukturen 

Agenten setzen Struktur voraus. Und genau hier liegt das Problem. In vielen Teams fehlen noch immer saubere Datenstrukturen, konsistente Prozesse oder ein klares Verständnis davon, welche Aufgaben überhaupt automatisierbar sind. Statt in Richtung Agenten zu rennen, sollten viele erst einmal bei der Basis anfangen: Datenpflege. Tool-Stack. Workflows. Verantwortlichkeiten. 

Ein agentisches System ist kein Plug-and-Play-Zaubertrick. Es braucht Kontext, Ziele, Monitoring. Es braucht Klarheit darüber, was delegierbar ist und was nicht. Und es braucht Teams, die bereit sind, Verantwortung auch mal abzugeben, an eine Maschine, die sich anders verhält als gewohnt. 

Verständnis für Automatisierung im Alltag entwickeln 

Was sollen Marketingteams also tun? Erstmal klein starten. Automatisierungen mit KI-Elementen, etwa via Make, Zapier oder n8n. Dann bestehende Prozesse analysieren, entlasten, verschlanken. Ohne Programmierkenntnisse. Im Team. Mit Pilotprojekten. So entsteht nicht nur Vertrauen, sondern auch ein realistisches Verständnis dafür, was Automatisierung im Alltag bedeutet. 

Denn genau das ist der Hebel: Nicht der Hype um Agenten, sondern die Erkenntnis, dass KI uns heute schon helfen kann – ganz ohne vollautonome Systeme. Agenten sind keine Pflicht, sondern ein möglicher nächster Schritt. Und wer ihn geht, sollte wissen, wohin. 

Erst Strategie, dann Tool 

Lasst uns Agentic AI als Weckruf sehen, aber nicht als Schnellschuss. Wenn die Grundlagen stehen, lohnt sich der Sprung in echte Autonomie noch viel mehr. Denn am Ende ist es wie immer im Marketing: erst die Strategie, dann das Tool. 

Jens Polomski ist KI-Stratege. Der Kolumnist unterstützt Unternehmen dabei, generative KI einzusetzen und zu verstehen.