Zwischen Hype und Skepsis: Was Marketer beim KI-Einsatz beachten sollten

Während deutsche Marketer generative KI mehrheitlich positiv sehen, bleiben Verbraucherinnen und Verbraucher skeptisch. Globale Erkenntnisse belegen: KI kann Kreativität fördern – aber nur, wenn Marken die Kontrolle behalten.
Yulia Kalner ist Head of Media and Creative bei Kantar Deutschland.
Yulia Kalner ist Head of Media and Creative bei Kantar Deutschland. (© Kantar, Montage: absatzwirtschaft)

Generative KI schreibt die Regeln der Kreativität neu. Für Marketer wirkt sie wie die perfekte Assistenz: schnell, effizient, grenzenlos kreativ. Und in Deutschland ist die Stimmung optimistisch. Laut Kantar Media Reactions 2025 sehen 90 Prozent der Marketing-Entscheider*innen in Deutschland generative KI positiv, fast drei Viertel sind begeistert von ihrem Einsatz in der Werbung. Das Versprechen ist klar: Tempo, Skalierung und frische Ideen.  

Doch die Konsumentinnen in Deutschland sind zurückhaltender. Neugier ist da – nur 4 Prozent sagen, sie hätten noch nie von generativer KI gehört –, aber die Begeisterung bleibt aus. Lediglich 31 Prozent stehen ihrem Einsatz in der Werbung positiv gegenüber, mehr als die Hälfte gibt zu, KI-generierten Anzeigen nicht zu vertrauen. 60 Prozent fürchten Fake Ads. Authentizität ist die Währung, die Marken nicht verlieren dürfen.  

Generative KI garantiert keinen Erfolg 

Die Kluft zwischen Optimismus der Marketer und Vorsicht der Verbraucher*innen ist deutlich. Marketer glauben, dass KI ihnen hilft, kreativer zu arbeiten (68 Prozent stimmen zu), doch nur 10 Prozent machen sie zum Kern ihrer Kreativstrategie. Viele sind noch in der Lernphase – 20 Prozent geben an, nicht über die nötigen Skills zu verfügen. Gleichzeitig schauen Konsumentinnen genau hin: 40 Prozent behaupten, KI-Anzeigen erkennen zu können, und wenn sie das tun, sinkt das Vertrauen. Nur 30 Prozent mögen KI-generierte Bilder in Werbung.  

Und wie steht es um die tatsächliche Wirksamkeit? Hier liefert Kantar globale Meta-Learnings aus der Link+-Datenbank eine wichtige Erkenntnis: Generative KI garantiert keinen Erfolg. Weltweit schneiden KI-gestützte Anzeigen beim Gesamtimpact leicht schlechter ab. Sie lösen stärkere emotionale Reaktionen aus – aber oft negative. Wenn der KI-Einsatz offensichtlich ist, macht das die Werbung weniger angenehm. Und das Branding leidet: KI trägt Ihre Marke nicht im Herzen, es sei denn, Sie platzieren sie dort. Die effektivsten Anzeigen integrieren Marken-Cues in die emotional stärksten Momente – egal ob KI im Spiel ist oder nicht.  

Weder Held noch Bösewicht – mächtiges Werkzeug

Was bedeutet das für Marketer in Deutschland? Generative KI ist weder Held noch Bösewicht. Sie ist ein mächtiges Werkzeug – aber nur, wenn Sie die Kontrolle behalten. Nutzen Sie KI, um Kreativität zu verstärken, nicht um sie zu ersetzen. Sorgen Sie für nahtlose, emotionale Visuals. Verankern Sie Markenwerte und Tonalität konsequent. Und testen Sie, bevor Sie live gehen – Vertrauen ist fragil, und die Wahrnehmung der Konsument*innen kann Ihre Kampagne erfolgreich machen oder brechen.  

Die Herausforderung lautet: KI wird Ihre Marke nicht retten. Das ist Ihre Aufgabe. Die Gewinner sind jene Marken, die KI mutig einsetzen – ohne ihre Seele zu verlieren. Sind Sie bereit, die Führung zu übernehmen, oder überlassen Sie das Steuer dem Algorithmus?