Suche

Anzeige

Wie der Autobauer Geely seine Pläne in Deutschland vorantreibt

Zum Geely-Imperium gehört neben dem schwedischen Autobauer Volvo auch die Firma, die die berühmten Londoner Black Cabs baut. © Ferdinand Stöhr / Unsplash

Der chinesische Autobauer Geely ist hierzulande vor allem als größter Daimler-Aktionär bekannt. Seit dem vergangenen Jahr ist der Konzern von Milliardär Li Shufu aber auch selbst in Deutschland vertreten - still und leise, aber mit großen Ambitionen.

Anzeige

Von Nico Esch, dpa

Mit knalligen Shows und Ankündigungen im Stile von Tesla-Chef Elon Musk haben sie es bei Geely nicht so. Ohne viel Aufhebens und weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit hat sich der chinesische Autokonzern und Daimler-Großaktionär im vergangenen Jahr ein Standbein in Deutschland aufgebaut. Dass Geely Auto Technical Deutschland (GATD) sein Hauptquartier im hessischen Raunheim bei Frankfurt aufgeschlagen hat, erfuhr man eigentlich erst, als dort die ersten Mitarbeiter schon ihre Computer anwarfen.

300 Leute will Geely innerhalb von drei Jahren in sein von außen immer noch recht unscheinbares deutsches Entwicklungszentrum holen. Gut 70 seien mittlerweile da, heißt es, überwiegend Ingenieure, die von anderen Autoherstellern oder Zulieferern gekommen seien. “Wir haben hier bei null angefangen”, sagt Personalchefin Karen Wang, die auch erst Anfang 2019 zu Geely kam. Viele einstige Opel-Mitarbeiter seien aber schon zu Geely gewechselt, zudem einige von Porsche, VW oder Audi, zählt die Personalchefin auf.

Geely-Gründer ist der Milliardär Li Shufu

Von Schwierigkeiten, im stolzen Autoland Deutschland Personal für einen chinesischen Autobauer zu finden, will Wang nicht sprechen. “Aber es ist ganz klar, dass unterschiedliche Kulturen natürlich Herausforderungen sind”, sagt sie. “Man muss lernen, sich gegenseitig zu verstehen.” Damit das gelinge, schicke man regelmäßig Mitarbeiter nach China, um die dortige Unternehmenskultur kennenzulernen – und umgekehrt. Auch der Geely-Gründer, der Milliardär Li Shufu, soll schon in Raunheim zu Besuch gewesen sein.

Die Ingenieure dort arbeiten im Auftrag der und in Kooperation mit den verschiedenen Marken des Geely-Konzerns an neuen Technologien, wie Wang sagt. Schwerpunkt sind Elektroantriebe, vor allem im Premiumbereich. Alles läuft digital, ein Produktionsstandort ist Raunheim nicht.

In Europa hat noch kein chinesischer Hersteller Fuß fassen können.”

Branchenexperte Stefan Reindl

Dass das alles weitgehend im Stillen abläuft, hat Methode. Man baut ein Haus, und wenn es fertig ist, dann erst zeigt man es, sagen sie bei Geely. Lange Zeit war der Name deswegen auch höchstens Branchenkennern ein Begriff – obwohl es schon rund zehn Jahre her ist, dass der Konzern den schwedischen Autobauer Volvo übernahm.

Auch die Firma, die die berühmten Black Cabs, die Londoner Taxis, baut, gehört inzwischen dazu, außerdem die Mehrheit des Sportwagenbauers Lotus. Größere Bekanntheit hierzulande erlangte Geely aber erst Anfang 2018, als der Konzern auf einen Schlag knapp zehn Prozent der Daimler-Anteile übernahm und damit über Nacht zum größten Einzelaktionär des Stuttgarter Autobauers wurde.

Zwei Joint Ventures mit Daimler

Mittlerweile haben Daimler und Geely zwei Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Eines dreht sich um den Kleinwagen Smart, der künftig in China gebaut werden soll. Mit dem anderen sind die Partner schon ein Stück weiter: Der Limousinen-Fahrdienst “StarRides” hat Anfang Dezember den Betrieb aufgenommen. Von einer rundum positiven Zusammenarbeit sprach Daimlers China-Vorstand Hubertus Troska kürzlich – freilich ohne auf Gerüchte und Spekulationen über weitere Kooperationen einzugehen.

Dass Geely über seine Kooperationen hinaus nun selbst mit einer eigenen Firma in Deutschland aktiv ist, wenn auch erst einmal nur bei Forschung und Entwicklung, hält Branchenexperte Stefan Reindl für “strategisch bemerkenswert” – aber auch für durchaus konsequent. “In Europa hat noch kein chinesischer Hersteller Fuß fassen können”, sagt der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.

Zwar gehe China derzeit in Sachen Elektromobilität voran, aber: “Deutsche Autos gelten gerade im Premiumbereich weltweit immer noch als Maßstab”, sagt Reindl. Mit dem eigenen Standort in Deutschland sichere sich Geely nun das Wissen deutscher Ingenieure, um den Standard der eigenen Fahrzeuge anzuheben, und erfasse zugleich, wie die Branche hierzulande tickt. Womöglich auch mit dem Ziel, in einigen Jahren auch eine Produktion in Europa oder den USA aufzubauen. Auszuschließen sei das jedenfalls nicht, sagt Reindl.

Dass Geely auch in Deutschland noch einiges vor hat, lässt sich zumindest schon erahnen. In Raunheim, so hört man, arbeitet der Konzern schon jetzt an einer deutlich größeren Dependance.

absatzwirtschaft+

Sie wollen weitere relevante Informationen und spannende Hintergründe für Ihre tägliche Arbeit im Marketing? Dann abonnieren Sie jetzt hier unseren kostenfreien Newsletter.

Anzeige

Kommunikation

“Marke post Corona” – Serie über die Learnings aus der Krise

In unserer Serie "Marke post Corona: Learnings aus der Krise" berichten Marketingverantwortliche über ihre Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Zeit. Hier finden Sie alle acht Beiträge der Reihe im Überblick. mehr…



Newsticker

“Zero-Based Re-Habiting”: Wachstum im New Normal

In vielen Ländern hat der Lockdown mehrere Monate lang angehalten, in manchen hat…

GAFA mit Milliarden-Gewinnen in der Corona-Krise

38 Milliarden Dollar – so viel haben die vier Tech-Riesen Google, Amazon, Facebook…

Conti-Chef Degenhart legt Amt vorzeitig nieder

In den vergangenen Wochen kursierten Spekulationen über einen Wechsel an der Spitze von…

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige