Trustpilot unter Druck: Wettbewerbszentrale deckt Schwächen bei Bewertungs-Echtheit auf

Der Wirtschaftsverband wirft Trustpilot irreführende Angaben vor. Nicht alle Bewertungen auf der Website seien authentisch.
Person holding cellphone with webpage of review platform company Trustpilot Group plc on screen. Stuttgart, Germany – 01
Erweckt die dänische Bewertungsplattform Trustpilot unrealistische Erwartungen? (© Imago)

Die deutsche Wettbewerbszentrale wirft der Bewertungsplattform Trustpilot vor, mit irreführenden Aussagen zur Echtheit von Nutzerbewertungen zu werben. Das geht aus einem Schreiben hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuerst hatte der Spiegel über den Fall berichtet.

Konkret kritisiert der Verband, Trustpilot erwecke mit Slogans wie „Echte Bewertungen von echten Menschen“ den Eindruck, alle veröffentlichten Rezensionen seien authentisch. Ein gezielter Test zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 sollte diese Aussage überprüfen: 86 absichtlich gefälschte Bewertungen wurden eingereicht, 31 davon erschienen auf der Plattform, 55 wurden gelöscht. Auffällig sei laut Wettbewerbszentrale, dass vor allem positive Bewertungen entfernt wurden, was das Gesamtbild verzerren könne.

Trustpilot habe unrealistische Erwartungen geweckt

Die Organisation sieht darin einen möglichen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). In dem Schreiben an Trustpilot heißt es: „Nach den Regeln der Mathematik suggerieren Sie folglich eine 100-Prozent-Authentizität der publizierten Bewertungen.“ Das sei weder angemessen noch verhältnismäßig.

Die Wettbewerbszentrale ist eine gemeinnützige Selbstkontrolleinrichtung der deutschen Wirtschaft mit Sitz in Bad Homburg. Sie wurde durch ein Mitgliedsunternehmen auf mögliche Missstände bei Trustpilot aufmerksam gemacht und forderte das Unternehmen zur Stellungnahme auf. Eine formale Abmahnung steht im Raum.

Trustpilot reagierte auf Anfrage des Spiegel zurückhaltend, bestätigte aber den Eingang des Schreibens. Man prüfe die Vorwürfe und nehme sie „sehr ernst“. Das Unternehmen betont, über Jahre hinweg Technologien zur Betrugserkennung entwickelt zu haben. Laut dem Transparenzbericht 2024 seien 82 Prozent der gefälschten Bewertungen automatisch erkannt und gelöscht worden, weitere 18 Prozent manuell durch interne Spezialisten.

Bewertungen im Netz sind für viele Unternehmen ein zentraler Erfolgsfaktor. Sie beeinflussen Kaufentscheidungen, prägen das Markenimage und können wirtschaftliche Folgen haben. Umso wichtiger ist die Frage, wie verlässlich Plattformen wie Trustpilot tatsächlich sind.

Mit Material der dpa.

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.