Was macht Ikea zur Lieblingsmarke?   

Wir haben Kreative aus verschiedenen Agenturen nach ihrer persönlichen Love Brand gefragt. Heute: Marjorieth Sanmartin, Chief Creative Officer bei Philipp und Keuntje.
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Menschen fühlen sich Möbelstücken, die sie selbst zusammengebaut haben, näher. Das macht sich Ikea zunutze. (© Montage: Marcus Weyerke)

Ikea ist mehr als ein Möbelhaus. Ikea begleitet durchs Leben – von der ersten eigenen Wohnung über das Zusammenziehen bis hin zur Familiengründung. Wann immer es große Veränderungen gibt, gehen die Menschen zu Ikea.  

Deswegen sind Billy, Malm und Pax auch nicht nur Regale, Betten oder Schränke. Sondern Begleiter, auf die man sich in jeder Lebensphase verlassen kann. Über den funktionalen Wert haben sie auch eine emotionale Bedeutung. Welche Marke schafft das schon?  

Marjorieth Sanmartin (© PUK)
Marjorieth Sanmartin ist seit Sommer 2023 Chief Creative Officer bei Philipp und Keuntje. (© PUK)

Smart und humorvoll  

Meine liebste Kampagne von Ikea ist „Proudly second best“. Ich war Teil der Jury bei den Cannes Lions Awards 2023, bei denen die Kampagne einen goldenen und vier silberne Löwen in verschiedenen Kategorien gewonnen hat.  

Die Kampagne ist ein brillantes Beispiel dafür, wie Ikea mit Selbstironie und Ehrlichkeit die Herzen der Menschen gewinnt. Ikea zeigt sich als Marke, die sich zurücknimmt, die bescheiden ist. Die es nicht nötig hat, wie andere, herauszubrüllen, wie großartig sie ist. Gleichzeitig ist unübersehbar, welche Relevanz sie für uns hat. Die Kampagne sagt: Ihr macht das schon. Aber, just in case, wir sind da, wenn ihr uns braucht.  

Eine weitere großartige Kampagne stammt aus 2022: „The Life Collection“, die den Secondhand-Service bewerben sollte. Mit starken Bildern und noch stärkeren Headlines, etwa „The divorce collection“ oder „The death collection“ – wenige Worte, die eine ganze Geschichte erzählen. Eine Geschichte aus dem Leben. Und genau das macht die meisten Kampagnen von Ikea einfach fantastisch. 

Ikea ist ein Gefühl 

 
Der Fußballspieler Zlatan Ibrahimovic hat in einem Interview davon erzählt, wie er in den USA ein Haus gekauft und zu seiner Frau gesagt hat, sie solle die Möbel bei Ikea kaufen. Der Makler, der dabei war, war erstaunt: Wer solche Häuser kauft, kauft doch nicht bei Ikea? Zlatans Antwort darauf: Doch, smarte Menschen kaufen bei Ikea.

Dass Möbel von Ikea selbst zusammengebaut werden, ist praktisch: Irgendwie bekommt man die flachen Verpackungen immer ins Auto. Aber es stärkt auch die Bindung. Natürlich fühlen wir uns Möbelstücken, die wir selbst zusammengebaut haben, näher. Und beim einfachen Aufbauen ist nicht Schluss: Ob Instagram, Pinterest oder TikTok, die sozialen Medien sind voll mit Ikea-Hacks. Ein Beweis für die tiefe Verankerung der Marke in der Alltagskultur. Ikea stellt die Basis für alles, was wir uns wünschen – lässt uns aber auch den Raum, selbst kreativ zu werden und die Produkte nach eigenen, individuellen Bedürfnissen anzupassen.  

Nicht nur der Hotdog macht unser Leben besser 

Vom Småland über Markthalle und Fundgrube bis zum Schwedenshop: All diese Begriffe wecken Emotionen und Erinnerungen. Natürlich kann ich mit meinen Kindern an einem Samstag in einen Indoor-Spielplatz gehen – aber ich gehe lieber zu Ikea. Dann haben alle was davon! Ikea ist Raum zum Erleben, Entdecken, Ausprobieren. Auf dem la­by­rinth­ar­tigen Weg durch die Abteilungen finde ich Inspiration und kreative Ideen. Wer kennt es nicht: Du fährst zu Ikea, weil du etwas Bestimmtes kaufen möchtest. Und kommst raus mit einer großen blauen Frakta-Tasche voller Sachen, von denen du gar nicht wusste, dass du sie brauchst.  

Dies gelingt, weil Ikea seine Überlegungen bei den Bedürfnissen der Kunden beginnt, nicht bei den Produkten selbst. Ikea verkauft uns nicht das „what“, Ikea verkauft uns das „why“. Und weil sie sich darauf konzentrieren, entwickeln sie Produkte, die unser Leben tatsächlich besser machen. In einer Qualität und Funktionalität, auf die wir uns verlassen können.   

Und klar, kein Besuch bei Ikea ohne den ikonischen Hotdog am Ausgang. Es soll ja Leute geben, die nur deswegen hinfahren. Ich komme auch nicht drumherum – obwohl ich das Softeis noch lieber esse.