36 Märkte, 50.000 Befragte, davon 19.000 in Europa und 2500 in Deutschland – das sind die Zahlen zur „Talent-Trends„-Befragung 2025 von der Personalberatung und -vermittlung Michael Page. Die Befragung soll vor allem Arbeitgebern dienen und ihnen zeigen, was für (potenzielle) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig ist. Auf diese fünf Fragen wollen Arbeitnehmende überzeugende Antworten:
1. Kann der Arbeitgeber mein aktuelles Gehalt übertreffen?
Auch wenn dauernd über Sinnhaftigkeit und Purpose diskutiert wird: Die Gehaltsfrage bleibt relevant. In Zeiten von Inflation wird es für viele Menschen sogar noch wichtiger, auch auf den Geldbeutel zu achten. Michael Page beobachtet allerdings, dass Fachkräfte eine abwartende Haltung eingenommen haben, was den nächsten Karriereschritt anbelangt. Weltweit sinkt die Wechselbereitschaft. Klar, die politische Lage ist unsicher und auch wirtschaftlich waren die Aussichten schon rosiger. Der Markt für Arbeitnehmende wird dementsprechend nicht besser.
Doch in Deutschland zeigen sich die Befragten weiter offen: 36 Prozent sind aktiv auf Jobsuche (keine Veränderung zu 2023). Gleichzeitig ist fast die Hälfte 2025 schon in Gehaltsverhandlungen gewesen – ein Viertel aller Befragten war in diesem Jahr sogar schon erfolgreich. Es scheint fast so, als hätten Arbeitgeber erkannt, dass Gehaltserhöhungen günstiger sind, als ständig neu zu rekrutieren.
2. Wird sich die Arbeitssituation (hybrid/flexibel) in diesem Jahr ändern?
Flexibilität und Arbeit von zu Hause aus wird für Arbeitnehmende immer wichtiger – erst recht für solche mit Familie. Noch wichtiger als die Regeln zum Arbeitsort ist aber Sicherheit: Wenn ich jederzeit damit rechnen kann, dass sich mein Arbeitgeber ein neues Modell überlegt, sorgt das bei Arbeitnehmenden für große Verunsicherung. Schließlich hängt daran ganz viel Planung; oft sogar die Möglichkeit, Stunden aufzustocken (oder eben reduzieren zu müssen). Wer Mitarbeitenden hier Sicherheit geben kann, hat einen großen Vorteil, weil sich die Menschen nicht auf den Nebenschauplatz Arbeitsorganisation konzentrieren müssen. So bleibt mehr Zeit für den eigentlichen Job.
Die Befragung zeigt aber auch eine Lücke auf: Während 38 Prozent der Mitarbeitenden glauben, dass sie selbst im Homeoffice produktiver seien, denken das nur 19 Prozent der Arbeitgeber. Beidseitiges Vertrauen wäre also wichtig für eine erfolgreiche Beziehung.
3. Gibt es klare Regeln für den Einsatz von KI?
Wer KI im Arbeitskontext nutzen will, der wird das ohnehin tun. Egal, ob der Arbeitgeber ein entsprechendes Framework zur Verfügung stellt oder nicht. 45 Prozent der Mitarbeitenden tun das 2025, so die Befragung. Im Vorjahr waren es nur 27 Prozent. 70 Prozent glauben, dass sie dadurch produktiver werden. 61 Prozent glauben an steigende Arbeitsqualität.
Wo also ist das Problem? Tatsächlich nutzen 29 Prozent KI, die nicht vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird. Der Arbeitgeber hat also keinerlei Kontrolle darüber, welche Tools genutzt werden oder wie der Umgang mit sensiblen Daten aussieht. Kein Wunder: 60 Prozent geben an, dass sie vom Arbeitgeber nicht oder nur unterdurchschnittlich auf die Arbeit mit KI vorbereitet sind. Arbeitgeber müssen ein Toolset definieren und am besten eine Sandbox bereitstellen, in der Mitarbeitende beruhigt arbeiten können. Sensible Daten dürfen aber natürlich trotzdem nicht leichtfertig den Weg in die KI finden.
4. Ist die Unternehmenskultur transparent und werden Versprechen eingehalten?
47 Prozent der Mitarbeitenden haben volles oder großes Vertrauen in die Unternehmensführung. Zusätzliche 29 Prozent haben immerhin mittelmäßiges Vertrauen. Für Arbeitgeber ist das eine wichtige Nachricht: Fehlendes Vertrauen ist einer der stärksten Wechselgründe für Arbeitnehmende. Die 20 Prozent, bei denen Mitarbeitende kein oder geringes Vertrauen haben, müssen also umgehend handeln.
Ein zentraler Faktor für das Vertrauen ist – wenig überraschend – eine transparente Unternehmenskultur. 57 Prozent sagen, dass ihr Arbeitgeber Herausforderungen transparent kommuniziert. Transparenz zu Finanzen sehen nur noch 47 Prozent. Bei schwierigen Entscheidungen sogar nur 39 Prozent. Der Verbesserungsbedarf ist offensichtlich.
5. Wie wichtig ist Inklusion?
Bei der Frage nach Inklusion ist der Fokus individuell: Können sich Menschen ganz persönlich ausleben? 40 Prozent geben an, sich authentisch ausleben zu können. 60 Prozent geben ihre authentische Persönlichkeit also am Empfang ab, um sie nach Feierabend wieder einzusammeln. Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene gibt es große Probleme: Gerade mal 13 Prozent sehen ihr Führungsteam als divers an. Noch schlimmer: Nur elf Prozent halten ihren Arbeitsplatz für inklusiv.
Für Arbeitgeber und Führungskräfte sollte das ein Warnsignal sein: Die wenigsten Unternehmen liefern die optimalen Antworten auf die fünf zentralen Fragen. Zumindest wissen sie nun, welche Antworten sie finden müssen. Die richtigen Strategien daraus abzuleiten, das ist und bleibt Führungsaufgabe. Wer es verschläft, der wird es im Recruiting allerdings in Zukunft noch schwerer haben.
Auf eine Woche voller Antworten!
