Studie: KI verdrängt junge Talente aus Tech-Jobs

Der Einstieg in die Tech-Branche wird für Talente immer schwieriger. Eine Analyse zeigt: KI könnte bereits erste Jobs für Berufseinsteiger überflüssig machen.
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KI könnte bereits Einstiegsjobs in der US-Tech-Branche verdrängen, wie neue Forschungsergebnisse nahelegen. (© Unsplash)

Die Diskussion um den Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt ist nicht neu. Doch nun gibt es erste konkrete Hinweise darauf, dass vor allem Berufseinsteiger in der US-Tech-Branche betroffen sind. Wie TechCrunch berichtet, zeigen aktuelle Daten des Analyseunternehmens SignalFire einen deutlichen Rückgang bei der Einstellung von US-Hochschulabsolventen im Jahr 2024. Die Ursache: Automatisierung durch KI.

SignalFire, das Karrieredaten von über 600 Millionen Beschäftigten und 80 Millionen Unternehmen auf LinkedIn analysiert, stellt fest: Die 15 größten Tech-Konzerne haben 2024 rund 25 Prozent weniger Absolventen eingestellt als im Vorjahr. Auch bei Start-ups ging die Zahl der Berufseinsteiger um 11 Prozent zurück. Der Hauptgrund: Viele dieser Jobs bestehen aus einfachen, wiederholbaren Aufgaben. Und genau diese übernimmt KI inzwischen effizient.

Bürojob-Einstiegsrollen sind besonders gefährdet

Zwar lässt sich noch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob KI bereits systematisch menschliche Arbeitskraft ersetzt. Doch eine aktuelle Umfrage des Weltwirtschaftsforums (WEF) zeigt, wohin die Reise geht: 40 Prozent der befragten Unternehmen weltweit planen, ihre Belegschaft zu verkleinern, wenn Aufgaben durch KI automatisiert werden können. Besonders betroffen sind laut WEF-Bericht klassische Bürojob-Einstiegsrollen wie Marktforscher oder Vertriebsmitarbeiter – bei Letzteren könnten bis zu 67 Prozent der Aufgaben durch KI ersetzt werden.

Das WEF rechnet mit 170 Millionen neuen Stellen bis 2030, doch der Nettoeffekt bleibt unklar. Denn viele dieser neuen Rollen setzen bereits spezialisierte Fähigkeiten voraus, die Berufseinsteiger oft noch nicht mitbringen. Das könnte langfristig zu einem Problem für soziale Mobilität und Chancengleichheit werden.

Warum KI gerade Einstiegsjobs ersetzt

„Es gibt überzeugende Hinweise darauf, dass KI ein wesentlicher Faktor für diesen Rückgang ist“, sagt Asher Bantock, Forschungsleiter bei SignalFire. Der Grund: Viele Einstiegsjobs bestehen aus repetitiven, risikoarmen Aufgaben und damit aus genau der Art von Arbeit, die generative KI inzwischen effizient übernehmen kann.

Auch wenn große Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley bislang keine offiziellen Kürzungen bei Junior-Analysten vorgenommen haben, diskutieren sie laut New York Times bereits über eine Reduzierung der Einstiegsstellen um bis zu zwei Drittel – inklusive Gehaltskürzungen.

Damit zeigt sich ein frustrierendes Paradoxon für Berufseinsteiger: Sie werden nicht eingestellt, weil sie keine Erfahrung haben – aber sie können keine Erfahrung sammeln, wenn sie nicht eingestellt werden. Dieses Dilemma ist zwar nicht neu, doch laut Heather Doshay, Talent-Partnerin bei SignalFire, verschärft es der Einsatz von KI deutlich. Ihr Rat an Absolventen: Beherrscht KI-Tools. „KI wird dir deinen Job nicht wegnehmen, wenn du der oder die Beste darin bist, sie zu nutzen“, sagt sie.

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.