Studie: Soziale Medien stärken Jugendliche – trotz psychischer Risiken

Wie sehr leiden Teenager wirklich unter sozialen Medien? Eine neue Studie des Pew Research Center gibt neue Erkenntnisse in der Debatte um Likes und Lebenskrisen.
Hands of teens holding smartphones outdoors
Laut der Studie sind Soziale Medien nicht unbedingt schädlich für die psychische Gesundheit von Teenagern. (© Imago)

Die Diskussion um soziale Medien und ihre Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen ist hitzig – und oft von Extremen geprägt. Eine aktuelle Befragung des Pew Research Centers unter US-Jugendlichen bringt nun neue Erkenntnisse für die Debatte. So fühlen sich laut Umfrage drei von vier Teenagern (74 Prozent) durch Plattformen wie TikTok oder Instagram enger mit ihren Freund*innen verbunden. 63 Prozent sagen, sie nutzen soziale Medien, um kreativ zu sein und sich auszudrücken – das sind wichtige Ressourcen in einer Phase, in der Identitätssuche und soziale Zugehörigkeit zentrale Rollen spielen.

Aber: Auch die kritischen Stimmen unter Jugendlichen nehmen zu. Fast die Hälfte (48 Prozent) glaubt, dass soziale Medien Gleichaltrigen eher schaden – ein signifikanter Anstieg gegenüber 2022. Paradox dabei: Nur 14 Prozent sehen eine direkte negative Auswirkung auf sich selbst. Gleichzeitig gibt fast die Hälfte (45 Prozent) an, zu viel Zeit online zu verbringen – mit Folgen für Schlaf, Konzentration und Selbstwahrnehmung.

Mädchen besonders betroffen – Eltern besonders besorgt

Die Studie zeigt: Mädchen erleben soziale Medien häufiger als Belastung. 25 Prozent der Teenager-Mädchen sagen, dass sie ihrer psychischen Gesundheit schaden – Jungen äußern das nur halb so oft. Auch beim Thema Schlaf (50 vs. 40 Prozent) und Selbstbewusstsein (20 vs. 10 Prozent) zeigen sich deutliche Unterschiede.

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(© Pew Research Centre)

Und während Teenager selbst viele Ursachen für psychische Belastung nennen – von Mobbing bis Leistungsdruck –, fokussieren sich Eltern stärker auf die sozialen Medien. 55 Prozent der befragten Eltern geben an, sehr besorgt um die psychische Gesundheit ihrer Kinder zu sein. Bei Müttern (61 Prozent) und Eltern von Töchtern (ebenfalls 61 Prozent) liegt die Sorge besonders hoch. Auffällig: Schwarze Eltern und Jugendliche äußern häufiger starke Besorgnis als weiße oder hispanische Familien.

Sprechen hilft – aber nicht mit allen

Wenn es um psychische Gesundheit geht, sind Eltern oft bereit zu reden – doch die Kinder nicht immer. Während 80 Prozent der Eltern sagen, dass sie sich sehr wohl dabei fühlen, solche Gespräche zu führen, sagen das nur 52 Prozent der Teenager. Viele sprechen lieber mit Freundinnen (48 Prozent) oder, seltener, mit Therapeutinnen (31 Prozent). Lehrer*innen hingegen spielen kaum eine Rolle – nur 12 Prozent der Jugendlichen sagen, dass sie sich mit ihnen offen über ihre psychische Gesundheit unterhalten würden.

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(© Pew Research Centre)

Die Studie macht deutlich: Soziale Medien sind kein einseitiges Risiko, aber auch kein harmloser Raum. Sie bieten Chancen für Austausch, Unterstützung und Ausdruck – bringen aber auch Risiken mit sich, die Jugendlichen, Eltern und Politik bewusst sein sollten. Was es braucht, sind kluge Regeln, digitale Aufklärung und vor allem: mehr echte Gespräche.

Anna Lena Hartmann (alh, Jahrgang 1997) ist seit August 2023 Werkstudentin bei der absatzwirtschaft. Im grünen Herzen Deutschlands aufgewachsen, lebt sie nun aufgrund ihres Germanistikstudiums in Leipzig. Zuvor verbrachte sie einige Jahre an der juristischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Ihr breites Wissens- und Interessenspektrum betrifft Themen wie Sport, Wirtschaft und Gesundheit.