OpenAI plant Angriff auf Musks X und Metas KI-Pläne

OpenAI tüftelt laut Insidern an einer Social-Media-Plattform, die X ähneln soll. Damit würde das KI-Unternehmen nicht nur Elon Musk, sondern auch Meta frontal herausfordern.
: Turin, Italy. 26th September 2024. American entrepreneur Sam Altman CEO of OpenAI at Italian Tech Week 2024 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAp169 20240926_zea_p169_249 Copyright: xMarcoxDestefanisx
ChatGPT wurde von OpenAI entwickelt, einem KI-Forschungsunternehmen, das 2019 von gemeinnützig auf gewinnorientiert umgestellt wurde. CEO und Mitgründer ist Sam Altman. (© Imago)

Das KI-Unternehmen OpenAI entwickelt einem Bericht von The Verge zufolge derzeit ein eigenes soziales Netzwerk – mit Strukturen, die stark an X (vormals Twitter) erinnern. Laut mehreren mit dem Projekt vertrauten Personen befindet sich ein Prototyp bereits in der internen Testphase. Dieser soll insbesondere auf die Bildfunktionen von ChatGPT fokussiert sein und einen „sozialen Feed“ enthalten.

Unklar ist bisher, ob das neue Angebot als separate App geplant ist oder als Erweiterung von ChatGPT integriert werden soll – der weltweit meist geladenen App des vergangenen Monats. OpenAI-Chef Sam Altman hat laut The Verge externes Feedback zum Konzept eingeholt. Eine Sprecherin des Unternehmens lehnte eine Stellungnahme ab.

Musk und Altman im Clinch

Ein potenzieller Start einer Social-App würde die Spannungen zwischen Altman und Elon Musk weiter verschärfen. Musk, einst Mitgründer von OpenAI, hatte im Februar versucht, das Unternehmen gemeinsam mit Investoren für rund 97,4 Milliarden Dollar zu übernehmen – vergeblich. Altman konterte damals öffentlich auf X: „Nein danke, aber wir würden Twitter für 9,74 Milliarden kaufen, wenn du willst.“

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Musk und OpenAI liegen schon seit Jahren im Clinch. So versucht der Tech-Milliardär, die Umwandlung von OpenAI zu einem auf Profit ausgerichteten Unternehmen vor Gericht zu verhindern. Aktuell wird der ChatGPT-Erfinder von einer Non-Profit-Organisation kontrolliert. Musk machte zusammen mit anderen Investoren ein Kaufangebot, das OpenAI ausschlug.

Auch mit Facebook-Mutter Meta könnte es zu neuen Reibungspunkten kommen: Der Konzern arbeitet Medienberichten zufolge an einer eigenen App für den KI-Dienst Meta AI – samt integriertem sozialen Feed. Altman reagierte darauf im Februar süffisant auf X: „Okay, vielleicht bauen wir dann eben auch eine Social App.“

Social Media bietet strategischen Nutzen für OpenAI

Der strategische Nutzen eines eigenen Netzwerks liegt auf der Hand: OpenAI bekäme Zugriff auf Echtzeitdaten der Nutzer – ein entscheidender Vorteil beim Training seiner KI-Modelle. X und Meta greifen bereits auf gewaltige Datenmengen aus ihren Netzwerken zurück. Musks KI-Chatbot „Grok“ etwa ist eng mit X verzahnt und wird von Usern gezielt genutzt, um virale Inhalte zu produzieren. Ein anonymer Mitarbeiter eines konkurrierenden KI-Labors sagte gegenüber The Verge, Groks Integration in X habe viele „neidisch gemacht“.

Die Konkurrenz im KI-Markt nimmt rasant zu. Während OpenAI weiter expandiert – zuletzt mit der Ankündigung eines deutschen Standorts – versuchen auch andere Tech-Giganten, ihre KI-Modelle durch Daten aus sozialen Netzwerken zu verbessern. Meta gab erst kürzlich bekannt, künftig öffentliche Beiträge europäischer Nutzer für das Training von Meta AI zu verwenden.

Ob OpenAIs Social-Media-Projekt tatsächlich veröffentlicht wird, ist noch offen. Dass es existiert, zeigt jedoch deutlich, wie weit die Ambitionen des Unternehmens inzwischen reichen.

Mit Material der dpa.

(amx, Jahrgang 1989) ist seit Juli 2025 Chefredakteur der absatzwirtschaft. Er ist weder Native noch Immigrant, doch auf jeden Fall Digital. Der Wahlberliner mit einem Faible für Nischenthemen verfügt über ein breites Interessenspektrum, was sich bei ihm auch beruflich niederschlägt: So hat er bereits beim Playboy, in der Agentur C3 sowie beim Branchendienst Meedia gearbeitet.