Löst die Boys Clubs auf den Event-Bühnen auf!  

Frauen brauchen Verbündete, um eine gleichberechtigtere Welt zu schaffen. Wir Männer können das sein. Zum Beispiel, indem wir mehr Kolleginnen als Speakerinnen und Expertinnen gewinnen. Ein einfacher Gleichberechtigungs-Hack.
Gerald Hensel ist Managing Partner der Marketingberatung Superspring.
Gerald Hensel ist Managing Partner der Marketingberatung Superspring. (© Saskia Uppenkamp/ Montage: Olaf Heß)

Kein Zweifel, die Welt war in Sachen Inklusion schon mal weiter. Deutsche Konzerne machten unbürokratisch mit, als Trump die Diversity-Handbremse anzog und „Diversity, Equity und Inclusion“-Programme einstampfen half. Inklusion verschwindet leise durch Budgetkürzungen und das Auslaufen von Diversity-Rollen. 

Das Zurückfahren von DEI-Strukturen ist eigentlich ein Codewort für den Rückbau vieler Maßnahmen, auch zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Boys Clubs erleben eine Renaissance.  

Deshalb schreibe ich diesen Text für Männer: Wir sind Teil des Problems und oft vermeintliche Nutznießer zurückgefahrener Programme. Es ist an uns, von einer ungerechten Logik zu profitieren oder dagegenzuhalten, wo es geht. Auch in unserem Sinne. 

Frauen auf die Bühne 

Steve Jobs wird der Satz zugeschrieben: „The most powerful person in the room is the storyteller.“ Corporate-Bühnen haben Macht. Sie definieren, wer die Geschichte des eigenen Unternehmens erzählen darf. Wer Expertise zugesprochen bekommt. Wer die Branche prägt. Wenn das auf Panels und Events immer nur mehrheitlich Männer sind, ändern wir nichts. 

Für alle, die über die Besetzung von Panels und Konferenzen entscheiden: Wenn wir Events planen oder freigeben, besetzen wir sie gleichberechtigt mit Frauen. Der Trick ist nicht neu, aber ganz einfach. Mit Frauen auf Bühnen zeigen Unternehmen, wie ernst sie es in Sachen Gleichberechtigung meinen. Frauen auf Bühnen sind Vorbilder, sie erweitern Netzwerke und machen für alle sichtbar, dass Frauen ebenso wie Männer führen und Richtung vorgeben. 

Ich muss zugeben: Wenn ich Events besetzen helfe, fällt auch mir das nicht immer leicht. Als Teil der Gen X bin ich in Zeiten aufgewachsen, als sich meine Netzwerke eher männlich bildeten. Es ist einfacher für mich, mehr Männer für Bühnen anzufragen, weil ich mehr davon im Adressbuch habe. Aber genau deshalb sollte ich diesem Impuls widerstehen. 

Es funktioniert sofort 

Das Beste an diesem Hack: Er funktioniert sofort. Politik ist keine Ausrede für all die Dinge, die wir selbst besser machen können. Nicht jeder von uns besetzt Panels und Kongresse. Alle, die es tun oder die das Line-up freigeben, können mit meinem gar nicht mal so neuen Gedanken einen sichtbaren Unterschied machen.  

Von annähernder Gleichberechtigung profitieren übrigens vor allem wir Männer. Mit neuen Rollen im Familienalltag, Frauen, die uns auch mal den Hintern retten, wenn etwas nicht funktioniert und generell einer Welt, die uns nicht so einsam macht. 

Deshalb ist es an uns, die Boys Clubs aufzulösen. Sie machen unser Leben nicht besser. Bühnen und Panels sind neben anderen Dingen ein guter Weg dahin. 

Gerald Hensel ist Managing Partner der Marketingberatung Superspring. Der Kolumnist hat die NGO HateAid mitgegründet und setzt sich seit vielen Jahren aktiv gegen Gewalt und Desinformation im Netz ein.