Kinderbetreuung in den Schulferien: Ein Problem für Eltern – und Arbeitgeber

Die Osterferien stehen vor der Tür: Was nach Erholung klingt, ist für Eltern in der Arbeitswelt ein großes Problem. Manche brauchen für die Kinderbetreuung sogar unbezahlten Urlaub.
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Frederic M. Servatius schreibt an dieser Stelle über die moderne Arbeitswelt. (© privat; Montage: Katharina Höhner)

Was haben wir früher hingefiebert, auf das Klingeln der Schulglocke. Dieses Läuten der Freiheit, wenn die Ferien mal wieder begannen. Und jedes Mal kam es uns vor, als seien die letzten Ferien schon viel zu lange her. Dabei waren es meist keine drei Monate.

Genau diese Ferien sind der Horror für viele Eltern. Heute wohl noch stärker als damals. Denn in Zeiten, in denen fast selbstverständlich beide Elternteile arbeiten – oft auch in Vollzeit – werden die Schulferien zum Stresstest.

63 Tage Schulferien haben die Schülerinnen und Schüler in Deutschland – der ein oder andere Schließtag, zum Beispiel als Ausgleich für Wochenendveranstaltungen oder wegen mündlicher Abiturprüfungen kommt noch hinzu. 

63 Ferientage – 30 Tage Urlaubsanspruch

Dem stehen für viele Arbeitnehmende 30 Tage Urlaubsanspruch entgegen, für manche sogar weniger. Selbst wenn sich zwei Erziehungsberechtigte ihren gesamten Jahresurlaub aufteilen, sind also meist nicht alle Tage abgedeckt. An gemeinsamen Urlaub wäre dann nichtmal zu denken. Und über Alleinerziehende ist auch noch kein Wort verloren.

Es dürfte also kaum verwundern, dass 61 Prozent der Eltern Schulferien als Stress empfinden. Das hat eine Studie der International Workplace Group herausgefunden.

Die Möglichkeiten für arbeitende Eltern sind in der Tat begrenzt und nicht alle Elternteile haben das Glück, dass Großeltern vor Ort unterstützen können. Zumal diese oftmals selbst noch nicht in Rente sind und dann die Betreuung selbst erstmal mit ihrer Arbeit koordiniert bekommen müssen.

Fast die Hälfte der Eltern nutzt den Jahresurlaub für Kinderbetreuung. Wenn man sich so umschaut, stellt sich die Frage: Wie schafft es die andere Hälfte, so gänzlich ohne Urlaub für die Kinderbetreuung? Stolze 12 Prozent verwenden sogar ihren kompletten Jahresurlaub, damit sie das Thema Kinderbetreuung geregelt haben.

Sechs Prozent brauchen unbezahlten Urlaub zur Kinderbetreuung

Noch extremer verhält es sich bei sechs Prozent der Eltern: Sie benötigen zusätzlich zum regulären Urlaub sogar weitere unbezahlte Urlaubstage, damit ihre Kinder betreut sind. Die Arbeitgeber verlieren dann also eigentlich eingeplante Arbeitskraft – und den Arbeitnehmenden fehlt am Ende des Jahres Geld in der Tasche.

Dazu kommt: Die Situation ist ein Brandherd für Konflikte. 23 Prozent der Eltern berichten von Streit, der über die Betreuungssituation ausbricht. Fast ein Fünftel denkt, dass das Kind es dem Elternteil übel nimmt, wenn es neben der Betreuung arbeiten muss.

Es lässt sich nun leicht darauf zurückziehen, dass sich Eltern darüber Gedanken machen müssen, bevor sie sich für das Zeugen von Kindern entscheiden. Das ist nicht falsch, es ignoriert aber die Situation, in denen Arbeitgeber sind. Die können es sich kaum erlauben, auf Arbeitszeit von Fachkräften (oder im Extremfall die Personen in Gänze) zu verzichten, weil die Kinderbetreuung dem im Weg steht.

Wie lässt sich das Betreuungsproblem lösen?

Für Arbeitgeber wird es insofern immer stärker Thema werden, wie sie Mitarbeitende bei der Betreuung unterstützen können – auch weil Kita-Plätze weiterhin Mangelware sind. Natürlich wäre es ideal, wenn Arbeitgeber selbst häufiger direkt Kinderbetreuung anbieten. Die eigene Betriebskita wird aber realistischerweise die Ausnahme bleiben. Kooperationen mit privaten Kita-Trägern dürften aber weiter zunehmen. So können Arbeitgeber ihren Angestellten immerhin den Betreuungsplatz ermöglichen, den es für das Arbeitsmodell braucht. Eine Lösung für Schulkinder ist das aber eben noch nicht.

So wird es auch in Zukunft an möglichst flexiblen Arbeitsmodellen hängen. Das heißt – dort wo es möglich ist – auch möglichst flexible Möglichkeiten zur Arbeit im Home Office. 92 Prozent der Eltern würden einen lokalen Arbeitsplatz nutzen, wenn sie die Chance hätten. 78 Prozent tun es bereits.

Doch zur Wahrheit gehört auch: Als Arbeitgeber darf und muss man sich hier die Frage stellen, wie gut das funktioniert. Das Home Office darf nicht zur Kinderbetreuung mit optionaler Arbeitsmöglichkeit werden. In den meisten Fällen dürfte das durch offene Kommunikation zu regeln sein. Wenn es nicht spätestens mit Blick auf die Arbeitsergebnisse auffällt, gibt es ohnehin ein Problem.

Wenn aber die Arbeitsergebnisse am Ende stimmen: Ist dann wirklich entscheidend, ob Mama zwischendurch kurz nach Fynn geschaut hat oder ob Papa kurz mal rüber zu Linn ins Zimmer gelaufen ist? Wenn es den Horror vor den Ferien ein Stück weit löst, ist letztlich allen geholfen.

Auf eine produktive Woche – und erholsame Osterferien!

(fms, Jahrgang 1993) ist UX-Berater, Medien- und Wirtschaftsjournalist und Medien-Junkie. Er arbeitet als Content-Stratege für den Public Sector bei der Digitalagentur Digitas. Als freier Autor schreibt er über Medien und Marken und sehr unregelmäßig auch in seinem Blog weicher-tobak.de. Er hat Wirtschafts- und Technikjournalismus studiert, seinen dualen Bachelor im Verlag der F.A.Z. absolviert und seit mindestens 2011 keine 20-Uhr-Tagesschau verpasst.