KI im Marketing: Kreativitäts-Killer oder Ideen-Booster?  

Künstliche Intelligenz schickt sich an, kreative Prozesse im Marketing grundlegend zu verändern. Doch wer denkt, dass Kreativität und KI Gegensätze sind, unterschätzt das Potenzial der Technologie. 
Karsten Zunke hat die Marketing-Tech-Welt genau im Blick, vom MarTech-Maschinenraum bis zu kreativ umgesetzten Kampagnen.
Karsten Zunke hat die Marketing-Tech-Welt genau im Blick, vom MarTech-Maschinenraum bis zu kreativ umgesetzten Kampagnen. (© privat; Montage: Katharina Höhner)

KI und Kreativität – passt das zusammen? Viele in der Branche stellen sich genau diese Frage. Falls auch Sie zu den Skeptikern gehören: Sie sind nicht allein. Doch es lohnt sich, einen differenzierten Blick zu wagen. Eine globale Studie von Monotype zeigt, dass Designer und Kreative die Künstliche Intelligenz nicht als Bedrohung, sondern als wertvolles Marketing Tech-Tool begreifen. Die Mehrheit will KI gezielt einsetzen – als Partner im kreativen Prozess, nicht als Ersatz für menschliches Gespür.  

Nur 21 Prozent der befragten Markenverantwortlichen und Designer äußerten sich in der Studie pessimistisch über die Auswirkungen von KI auf das Design, während 75 Prozent entweder optimistisch (34 Prozent), neutral (23 Prozent) oder unentschlossen (18 Prozent) sind.  

Kreative Prozesse leben von Ideen, Experimenten und einem Gespür für das Außergewöhnliche. Doch sie beginnen selten im luftleeren Raum. Brainstormings, Routine-Tasks und Recherchen kosten Zeit – und genau hier kann KI punkten. 91 Prozent der befragten Kreativen geben an, dass KI und KI-gestützte Tools ihre Arbeit unterstützen.  

Algorithmen als Sparringspartner  

Laut Studie nutzen Kreative weltweit im Durchschnitt mehr als vier Design-Abos – darunter Plattformen wie Adobe Creative Cloud, Canva oder Monotype Fonts. Das zeigt: Kreative im Marketing arbeiten längst hybrid. Sie kombinieren ihr Know-how mit smarten Tools, um schneller, skalierbarer und zielgerichteter zu gestalten. Und sie tun das mit einem klaren Ziel: Marken visuell zu stärken und ihre Botschaften emotional aufzuladen. 

Bereits bei der Ideen-Findung erweist sich KI als wertvolle Unterstützung. Sie kann soziale Medien, Foren und andere Online-Plattformen durchforsten, um Themen, Trends und innovative Ansätze zu identifizieren. Selbst Wettbewerber und Markt-Reaktionen können mit den intelligenten Tools analysiert werden. Sollen innovative Werbe-Inhalte produziert werden, hat das Marketing ohnehin die Qual der Wahl: Texte erzeugen, Bilder generieren, Videos erstellen: Das Spektrum der KI-Tools ist groß und die Entwicklung verläuft rasant. Ein paar Prompts genügen. 

Natürlich gibt es auch Bedenken: Viele kreative Köpfe fürchten, dass maschinell generierte Inhalte generisch wirken, oder dass eigene Kompetenzen auf lange Sicht verkümmern könnten. Diese Sorgen sind durchaus berechtigt – und zugleich ein Plädoyer dafür, KI bewusst zu nutzen. Nicht als Autopilot, sondern als Co-Pilot.  

Es geht um das optimale Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Jede Marketing-Organisation muss daher für sich entscheiden, ob sie die kreativen Möglichkeiten von KI in das Team holt – und wie viel menschliche Handschrift ihre Arbeit behalten soll. Die Technologie ist da. Die Verantwortung liegt bei uns. 

Schon gehört? 

Via Chat GPT können kreative Markenverantwortliche und Content-Manager jetzt fotorealistische Bilder mit lesbarer Schrift generieren. Ebenso lassen sich Symbole mit Bildern vermischen. Darüber hinaus ist es nun möglich, Fotos auf die ChatGPT-Plattform hochzuladen. Die KI nutzt sie dann als Vorlage oder Inspiration für ihre Foto-Kreationen.  

Die Designplattform Canva hat vergangene Woche die größte Transformation seit ihrer Gründung vorgestellt. Neben zahlreichen neuen Funktionen, mit denen sich Kampagnen erstellen, Daten visualisieren und Inhalte anpassen lassen, wurde auch ein sprachgesteuertes KI-Tool gelauncht. Texte, Folien, Bilder und Fotos können damit wahlweise per Stimme oder Prompt bearbeitet werden. Die neue KI-Funktion wird zunächst in den USA und UK angeboten, Europa soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen. 

Apple ist bereits einen Schritt weiter. Der iPhone-Konzern rollte sein KI-System nun auch auf dem deutschen Markt aus. In den USA ist Apple Intelligence bereits seit Sommer 2024 verfügbar. Mit so genannten Schreibwerkzeugen können Nutzer Texte umformulieren, Korrektur lesen und zusammenfassen oder mit einem Fingertipp auf Anfragen antworten. Auch Fotos lassen sich mit KI retuschieren. ChatGPT ist in Siri und die Schreib-Tools integriert. 

Übrigens: Würden Sie lieber eine „GenAI made in Europe“ nutzen? Auch damit wären Sie nicht allein. Laut einer Studie des IT-Dienstleister Adesso ist es für 71 Prozent der Befragten wichtig oder sehr wichtig, dass die GenAI-Anwendungen, die das eigene Unternehmen nutzt oder nutzen könnte, in der EU entwickelt werden. Die Realität ist leider eine andere: 85 Prozent nutzen ChatGPT, 66 Prozent Gemini und 25 Prozent DALL-E. Erst auf dem achten Platz findet sich mit Luminous von Aleph Alpha eine deutsche Entwicklung. Sie wird von fünf Prozent der befragten Firmen genutzt. Die gute Nachricht: Für europäisches KI-Wachstum gibt es somit reichlich Luft nach oben. 

In diesem Sinne. Bleiben Sie inspiriert! 

(kaz) ist Fachjournalist für digitales Marketing. Seit Mitte der Nullerjahre begleitet er mit seinen Artikeln die rasanten Entwicklungen der Online-Werbebranche. Der Maschinenraum der Marketing-Technologien fasziniert ihn dabei ebenso wie kreativ umgesetzte Kampagnen. Der freie Autor lebt und arbeitet in Berlin.