Wenn man mit Annabelle Jenisch über ihren Werdegang spricht, fällt ein Begriff immer wieder: Veränderung. „Ich wollte schon früh die technologischen Veränderungen und ihre gesellschaftlichen Folgen verstehen, die ihren Ursprung im Silicon Valley hatten“, sagt sie und erinnert sich: „Mir war klar, dass ich dieses Verständnis brauche, ganz egal, wo ich einmal landen werde.“ Dass dieses Ziel ein Kreuzberger Hinterhof sein würde, war nicht abzusehen, ist aus ihrer Sicht aber folgerichtig. Doch dazu später mehr.
Jenisch stammt aus einer Unternehmerfamilie im Südschwarzwald, ist heute auch Gesellschafterin im elterlichen Betrieb, hat sich aber dafür entschieden, ihren beruflichen Weg unabhängig davon einzuschlagen. Nach dem Wirtschaftsstudium wurde eine Gründung zur ersten prägenden Erfahrung: „Hier habe ich gelernt, was es bedeutet, unternehmerisch zu handeln, den Wert von Umsetzungsstärke erkannt und die Freude erlebt, die es bereitet, etwas Neues zu schaffen“, sagt die 35-Jährige.
Handwerk im Umgang mit Transformation gelernt
Als zweite prägende Erfahrung nennt sie ihre Jahre als Strategieberaterin. „Mich ganz grundsätzlich mit digitalen Geschäftsmodellen zu beschäftigen, hat mich das Handwerk im Umgang mit transformatorischen Technologien, Geschäftsmodellen und Innovationen im Allgemeinen gelehrt.“ Diese Denkweise und Erfahrungen im Verstehen, Interpretieren und Nutzbarmachen von solchen Veränderungen, kann sie jeden Tag auf die eigene Organisation sowie auf die ihrer Kunden anwenden.
Dieser Organisation hält sie seit fast einem Jahrzehnt die Treue. „Gefunden“ hat sie sie im bereits erwähnten Berliner Kiez: „Ich habe mich gegen den klassischen Weg über eine globale Unternehmensberatung und ganz bewusst für den ‚Kreuzberger Hinterhof‘ entschieden“, begründet sie ihren Schritt, 2017 zu TLGG zu gehen. Seit diesem Einstieg ist viel passiert – in Jenischs Karriere wie in der Agentur, die mittlerweile zum US-Werbekonzern Omnicom gehört und keinen der einstigen Gründerinnen und Gründer mehr an Bord hat.
Verantwortung für rund 250 Mitarbeitende
Diese kulturelle und strategische Transformation vom Start-up zur Netzwerkagentur zu steuern, wurde spätestens ab 2022 zum Kern ihrer Arbeit: Seitdem führt Annabelle Jenisch gemeinsam mit Max Orgeldinger als Geschäftsführungs-Duo die Agentur. Zur TLGG-Familie gehören heute die Agentur für digitale Markenentwicklung TLGG Agency und die Unternehmensberatung TLGG Consulting. „Wir haben das Unternehmen in den vergangenen Jahren strategisch auf den Kopf gestellt“, sagt sie.
Sie nennt diese aktuelle Station, als Geschäftsführerin mit Verantwortung für rund 250 Mitarbeitende, ihre „dritte größte berufliche Lehrmeisterin“. Dabei ist ihr eines besonders wichtig: „Ich hatte immer die Erwartung, selbstwirksam zu sein; mit Menschen, mit denen ich gerne zusammen bin und von denen ich lernen kann, zusammenzuarbeiten; und mich und meine Rolle zu verändern, wenn es sich nach der Zeit danach fühlte. Darin wurde ich nicht enttäuscht, weil ich die Umstände dafür ja selbst schaffen oder bei Bedarf verändern kann.“
50/50-Aufteilung der familiären Aufgaben
Jenisch profitiert vom Perspektivwechsel, den ihr ihre verschiedenen Rollen ermöglichen: „Bis heute genieße ich die Bandbreite von Mittelstand im familiären Hintergrund, selbst Teil der Digital-Szene zu sein und Großkonzerne als Kunden zu betreuen“, sagt sie. Alle Seiten würden von den Erfahrungen profitieren, die sie durch Einblicke in die jeweils andere gewinnt.
Einen Perspektivwechsel in Sachen faire „Work-Life-Aufteilung“ vollziehen Jenisch und ihr Mann, ebenfalls Geschäftsführer. Das Paar lebt gemeinsam mit den beiden Kindern in Berlin. Sie sagt: „Wir teilen uns die Verantwortung 50/50. Das ist nicht immer einfach, aber wir haben für uns einen Weg gefunden, der funktioniert.“ Trotzdem sieht sie sich nicht als Verfechterin des ‚You can have it all‘-Mantras, das unter arbeitenden Frauen oft kursiere: „Die Wahrheit ist, dass man immer Abstriche machen und Kompromisse eingehen muss.“ Die Bereitschaft zur Veränderung hilft ihr sicher auch dabei.
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Lieblingsmarke?
Loewe
Tollste Werbung?
Selbstverständlich eine aus unserer Feder: „250 Reasons“ für Mercedes-Benz
Persönliches Vorbild?
Jacinda Ardern
Bester Rat?
Dance the dance.
Was treibt dich an?
Etwas bewirken zu können.




