Ein ganz und gar globales Phänomen

Nachhaltigkeit ist unteilbar, zumindest wenn es um den Klimawandel geht. Spannungen in Ländern des globalen Südens wirken zurück auf den reichen Norden. Impact Investment ist daher dringend geboten – und möglich.
Die Probleme, die der Klimawandel im globalen Süden verursacht, strahlen bis hinauf in den Norden. ©Unsplash/Jonatan Pie

Mit seiner Warnung vor den Folgen weltweit steigender Ungleichheit hat der legendäre Club of Rome in der vergangenen Woche Schlagzeilen gemacht. Wenn nichts passiert, so sagen es die Wissenschaftler*innen in ihrem Bericht „Earth for all“ voraus, ist ein Teufelskreis unabwendbar: Der Klimawandel verstärkt soziale Spannungen, die wiederum das Vertrauen in die Politik beeinträchtigen. „Dies kann zu einer explosiven Mischung aus politischer Destabilisierung und ökonomischer Stagnation führen, ausgerechnet in einer Zeit, in der wir alle Kräfte bündeln müssen, um die Klimakatastrophe zu verhindern.“ Armutskehrtwende, Umstellung der Ernährung, Elektrifizierung auf Basis erneuerbarer Energien – das sind nur einige der Gegenmaßnahmen, die der Club fordert.

„Und, was habe ich als Marketer damit zu tun?“, mögen Sie nun fragen. In der Tat ist die Diskussion ja ziemlich abstrakt. Sie wird aber schnell sehr konkret, wenn man sich überlegt, welche Produkte und Projekte zum Erreichen solcher Ziele beitragen können – die damit auch im gesellschaftlichen Trend liegen, wie beispielsweise Fleisch-Alternativen, Klimakompensation oder Green Buildings zeigen. Wirtschaftlicher Erfolg hilft dann bei der Transformation zur grünen Gesellschaft, so einfach ist das. Zu den Unternehmen, die das begriffen haben, zählt etwa Duracell, beim diesjährigen Marken-Award der absatzwirtschaft nominiert in der Kategorie „Gesellschaftliches Engagement“. Der Konzern macht seine Batterien langlebiger und die Produktion bis 2024 komplett plastikfrei.

Ex-Werber gründet Pionierfarm in Benin

Es passiert selten, dass die absatzwirtschaft Post aus Benin bekommt – doch auch in Westafrika gibt es Leser*innen. In diesem Fall heißt der Leser Matthias Hoelkeskamp und arbeitete früher als Texter und Fotograf in Düsseldorf. Jetzt baut er in dem Dorf Wore nahe Benins größter Stadt Parakou eine Pionier- und Lernfarm namens Et Voici auf. Sie soll jungen Gründer*innen demonstrieren, wie nachhaltige Tierhaltung geht. „Vom Werber zum Geflügelwirt“, beschreibt Hoelkeskamp seinen Werdegang. „Es geht grob gesagt um Hühner, Nachhaltigkeit, Bildung, Tierwohl und Entwicklung.“ Also um ziemlich viel auf einmal, weshalb er dringend Kooperations- und Förderpartner sucht: „Uns fehlen vor allen Dingen Energie und Baustoffe, vernünftige Brutautomaten und eine Pelletpresse. Aber auch Kompetenzen und zielführende Kontakte sind willkommen.“ Vielleicht hat der eine oder die andere Leser*in des Green Wednesday Drähte nach Westafrika.

Schon ein ganzes Stück weiter ist das Projekt Vegbox in Äthiopien, gegründet von dem deutschen Anwalt Lutz Hartmann, der viele Jahre dem Vorstand des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft angehörte. Auf einer 300 Hektar großen Farm bauen lokale Mitarbeiter*innen Obst und Gemüse an – von Paprika, Blumenkohl und Auberginen bis zu Papayas und neuerdings Passionsfrüchten. Kein Zuschussgeschäft, sondern das, was man Impact Investment nennt – gewinnorientiertes Unternehmertum, aber mit sozialer Verantwortung und dem Ziel, Strukturen zu verbessern. (Mehr über Impact Investment ist etwa am 5. und 6. Oktober auf dem Impact Festival in Offenbach zu erfahren, nach eigenen Angaben Europas größtes B2B-Event für nachhaltige Innovation.)

Afrika hat viele Probleme – aber vielleicht auch die Lösungen?

Man wünscht sich solchen Pioniergeist von möglichst vielen Unternehmen. Der Afrika-Verein meldet immerhin, dass die Investitionen der deutschen Wirtschaft auf dem Kontinent während der Corona-Krise stabil geblieben sind. Gut so. Afrika verursacht weniger als drei Prozent der globalen Emissionen, ist aber überproportional von Klimakrisen betroffen. Zugleich sei der Kontinent „wegen seines enormen Reichtums an erneuerbaren Energien und seines massiv wachsenden Energiebedarfs ein zentraler Akteur der internationalen Energie- und Klimapolitik“, sagt Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrika-Vereins. Deutsche Unternehmen könnten dabei helfen, umweltfreundliche Energiequellen zu erschließen. Das wäre, verantwortungsvoll umgesetzt, eine Win-Win-Situation.

Wie schnell Entwicklungsländer zu geschätzten Wirtschaftspartnern werden können, zeigte sich Ende August auch am Besuch von Außenministerin Annalena Baerbock in Marokko. Die vor zwei Jahren verkündete deutsch-marokkanische Wasserstoffpartnerschaft, die damals ziemlich unter dem Radar lief, steht seit Putins Überfall auf die Ukraine weit oben auf der Prioritätenliste. Nach Schätzungen der marokkanischen Regierung könnten in dem Land bis 2050 zwischen 82 und 110 Milliarden Dollar in eine grüne Wasserstoffproduktion investiert werden, berichtet die GTAI und sieht „lukrative Geschäftschancen für deutsche Branchenunternehmen entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette des Sektors“.

Eine gute Woche noch, und behalten Sie die Zukunft im Blick!

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