Sie haben es wieder getan. Nein, nicht die Marke Tripadvisor, um die es hier geht, sondern Koto, das Londoner Branding-Studio. Dieses hat im Jahr 2025 wirklich einen Lauf. Erst das Rebranding von Amazon, nun Tripadvisor und dann noch Lyft. Der Uber-Konkurrent aus den USA wird der nächste Streich sein.
Von diesen hochkarätigen Kunden in einem einzigen Jahr können die meisten der hierzulande ansässigen Branding-Agenturen nur träumen. Ob es an der deutschen Wirtschaftsflaute oder dem mangelnden Mut liegt, lasse ich mal dahingestellt. Wir lassen uns lieber von der Welt da draußen inspirieren – und darum geht es beim Reisen ja auch.
Tripadvisor zündet nächste Stufe
Wir sprechen von Tripadvisor. 25 Jahre nachdem das Serviceportal den Reisemarkt aufgemischt hat, wird jetzt die nächste Stufe gezündet. Dabei konzentriert sich Tripadvisor auf das wichtigste Asset, das es groß gemacht hat: echte Bewertungen, Kommentare und Geschichten von echten Menschen. Über eine Milliarde sind es bereits. Sie stehen jetzt im Vordergrund des gesamten Auftritts, mit verrückten, einzigartigen und persönlichen Bildern – ganz ohne KI, dafür mit viel Humor (ebenfalls ohne KI, weil wirklich witzig).
System im kreativen Chaos
Entstanden ist dabei eine Bildsprache, die unterschiedlicher und unvorhersehbarer nicht sein könnte. Ein Graus für jeden Brand-Guideline-Gestalter – so sollte man meinen. Koto gelingt der Kunstgriff der Systematisierung dieses vermeintlichen Chaos’ durch die Farbpalette. Sie ist ebenso breit und divers wie die Bilder und im Layout farblich abgestimmt: entweder durch Komplementärkontrast oder die Auswahl einer vorherrschenden Farbe des Bildes für das Framing.













Gehalten wird der ganze Auftritt von einem koto-typisch stringenten, minimalistischen Layout, welches Bildern und Botschaften den maximalen Raum gibt. Apropos Botschaften: Genau wie die Bilder, sind auch die Texte echt und persönlich. Sie stammen aus Originalkommentaren der Nutzerinnen und Nutzer. Näher dran am Kunden geht nicht.
Ollie schaut genau hin
Habe ich etwas vergessen? Na klar, das Logo. Die bekannte Eule heißt übrigens Ollie. Sie wurde von ihrem Kreis befreit, neu animiert und nimmt jetzt einen besonderen Platz in der Kommunikation ein. Ollies Augen sind immer auf die zentrale Botschaft der jeweiligen Kommunikation gerichtet – ob animiert oder als Still. Ein charmantes Detail, welches die augenzwinkernde Haltung der Marke subtil beim Wort nimmt. Der Autor dieser Zeilen findet das großartig.
Trip sans & analoge Liebe
Und natürlich wäre es kein 2025er-Redesign, wenn wir nicht auch hier eine aus dem Schriftzug abgeleitete Custom-Type wiederfinden. Diese heißt Trip sans und wurde geschnitten von Mother und Colophon.
Das Beste aber zum Schluss. Tripadvisor hat einen nostalgischen Kult des Reisens wiederbelebt: die Postkarte – im Tripdadvisor-Look mit einem individualisierbaren Foto. Die gibt es jetzt als analoges Goodie. Meine Tochter würde sagen „wie cute!“ Und sowas kommt vom einem Digital-only-Portal. Ich darf dazu den Koto ECD Arthur Foliard zitieren: „In a time when everything’s being optimised or AI-generated, Tripadvisor’s advantage is that it’s real. And we made sure the brand wears that proudly.“
Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Gute Reise!
