Das Rebranding von Adobe im Check: Neues aus Los Altos

Was passiert, wenn eine Ikone der Kreativindustrie ihr Design auffrischt? Unser Kolumnist Heinrich Paravicini hat sich dieses Mal den neuen Markenauftritt von Adobe angeschaut – und wurde ganz nostalgisch.
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High-End-Software setzt auf Oldschool-Look: Bei unserem Kolumnisten weckt das neue Adobe-Design Erinnerungen an die 80er Jahre. (© Adobe, Montage: Marcus Weyerke)

Big Tech goes rebrand. Nach Amazon jetzt also auch Adobe. Seit meinem Grafikdesignstudium vor über 30 Jahren begleitet mich diese Marke – bis heute, jeden Tag. Auch wenn sich Software, Anwendungen, Use-Cases, Interfaces und einfach alles immer wieder ändert: Adobe war da und wird gefühlt immer da sein. 

Silicon-Valley-Nostalgie statt AI-Zukunft 

Und genau so wirkt auch der neue Markenauftritt auf mich. Ein Hauch der 80er durchweht den Raum beim Anblick des Looks, den Adobe mit den Designern von Mother lanciert hat. Seit der Gründung durch John Warnock im Jahr 1982 in Los Altos, Kalifornien, ist viel passiert. Allerdings denkt man bei der dicken roten Schrift und den roten Rahmen (der heißt übrigens Adobe Lens) weniger an die Künstliche Intelligenz von Firelfly oder das Next Level für kreative Gestaltungssoftware in der Gen-Alpha-Ära.  

 
Nein, das Redesign versetzt einen unweigerlich in alte Zeiten des Silicon Valley Goldrushs der ersten Stunde: Desktop-Publishing war gerade neu, Apple läuft Compaq und Atari den Rang ab, im Kino läuft “War Games”, auf MTV Cindy Lauper und Don Johnson parkt seinen weißen Ferrari Testarossa vor der verspiegelten Fassade des Adobe-Firmengebäudes. Ich hatte kurz überlegt, ob ich schnell noch im Keller schauen soll, ob ich eine alte Photoshop-Box von 1993 finde – da muss das ja auch schon so ausgesehen haben. Ist natürlich nicht so. 

Technisch sauber 

Das Logo wurde über die Jahre mehrfach überarbeitet und jetzt mit dem ikonischen „A“-Brand-Symbol harmonisiert. Die komplexe Markenarchitektur mit ihren zahllosen Sub-Brands und Services wurde aufgeräumt, die Typografie modernisiert und für digitale Anwendungen optimiert – inklusive Motion-Prinzipien und einem konsistenten Layout-System. Na klar, so macht man das heute. 

Absicht, Ironie oder Zufall? 

Erstaunlich, dass sich ein Player, der für High-End-Softwaretechnologie stehen will, so oldschool präsentiert. Die Frage ist: Absicht, Ironie oder Zufall? 

Ich hätte mir jedenfalls gewünscht, dass ich bei Adobe im Jahr 2025 nicht an 8-Zoll-Disketten oder Grateful-Dead-Plattencover denken muss. Allerdings ist beides der neuen Kreativen-Generation ja unbekannt. Von daher macht das vielleicht auch gar nichts.  

Heinrich Paravicini ist Co-Gründer und Chief Creative Officer von Mutabor, Designagentur und Markenberatung mit Sitz in Hamburg, München und Berlin. Mit mehr als 180 Mitarbeiter*innen gehört Mutabor heute zu den größten unabhängigen Agenturen der Kreativbranche in Deutschland. Paravicini lebt und arbeitet in Hamburg und überall dort, wo Mutabor-Projekte entstehen.