Das Metaverse als neuer Handelsplatz 

Das Metaverse läutet eine neue Ära für Shops, Marken und Verbraucher*innen ein. Technologien und kommerzielle Anwendungen stecken noch in den Kinderschuhen, aber weltweit experimentieren Händler und Marken mit ersten Pilotprojekten. Ein Gastbeitrag.
Händler können im Umfeld mit immersiven und interaktiven Erlebnissen für Kund*innen neue Umsatzpotenziale erschließen. ©Unsplash/Martin Sanchez

Das Metaverse ist die nächste transformative Phase des Internets und damit eine weitere der zahlreichen Disruptionen, die die Digitalisierung in den vergangenen Jahren in Wirtschaft und Gesellschaft ausgelöst hat. Wir verstehen das Metaverse als eine Erweiterung der physischen Welt, die sowohl rein virtuell als auch hybrid in Erscheinung treten kann. Ein digitales Ökosystem, in dem verschiedene Akteur*innen gemeinsam Erlebnisse schaffen, verteilte Netzwerksysteme einen direkten Handel ermöglichen und Nutzer*innen auf eine neue Art und Weise interagieren.  

Marken wie Gucci, H&M oder Ikea gehen erste Schritte, indem sie in Kooperation mit Plattformen wie Sandbox oder Zepeto immersive Erlebnisse schaffen oder eigene Anwendungen mit Augmented Reality pilotieren. 


 

Lisa Babenko, Leitung Innovation in der Handelsindustrie bei Accenture DACH ©Accenture


Die größten Handlungsfelder liegen neben Brand, Marketing und Sales in Service und Beratung. Die Kund*innen sind bereit, die Händler positiv gestimmt: Wie aus einer Accenture-Studie hervorgeht, haben 83 Prozent der Befragten Interesse an Einkäufen im Metaverse. Fast jeder zweite Händler geht davon aus, dass die Veränderungen durch das Metaverse bahnbrechend und transformierend sein werden. 

Wie kann das aussehen? Man stelle sich beispielsweise einen 3D-Avatar („Digitaler Zwilling“) vor, der/die sich mit Markenkleidung von Designer*innen oder durch KI gesteuert stylt. Mit einem Click lassen sich diese Outfits im Original erwerben. Neben dem Verkauf von physischen Produkten können auch neue, digitale Produkte angeboten werden. 

Potenzial bei Home & Living und Elektronik 

Noch finden sich die meisten Initiativen in den erlebnisorientierten Bereichen Mode, Luxury und Beauty. Andere Segmente wie der Lebensmittelhandel stehen noch am Anfang. Großes Potenzial liegt in den Bereichen Home & Living und Elektronik. Hier ergeben sich Synergien mit Entertainment, Gaming und E-Sports und es lassen sich neue Wachstumsbereiche erschließen, insbesondere rund um die NFT-Ökonomie und neue Communities. Die Marke Adidas ist früh unterwegs und sponsert eine der NFT-Communities, gepaart mit limitierten Produkt-Editionen und zielgerichtetem Marketing über Discord.   

Für die Zukunft des Handels gilt: Eine simple Übertragung des physischen Point-of-Sale in die digitale Welt ist zu kurz gedacht. Wenn sich Händler mit dem Metaverse beschäftigen, sollten sie den Begriff „Store“ neu denken, losgelöst von der physischen Fläche. Die Kernfrage sollte lauten: Bin ich der „Store“ – oder der Betreiber des Marktplatzes? Mit diesem neuen Selbstverständnis können Händler ihre Geschäftsmodelle um neue Umsatzströme erweitern oder neu erfinden.  

Händler betreiben digitale Marktplätze 

Großes Potenzial bieten Marktplätze und Plattformen oder Retail-as-a-Service-Modelle. Händler können zum Betreiber eines Marktplatzes werden und es Partnern ermöglichen, ihre Angebote in Metaverse-Spaces zu verkaufen. Neben dem Marktplatz können sie weitere Software- und Service-Module wie Content oder Retail Media anbieten. Zur Skalierung sollten Effizienzen durch künstliche Intelligenz und Automatisierung gehoben werden. Um konkurrenzfähig zu bleiben, ist es für die Händler unerlässlich, hier entsprechende Skills aufzubauen. 

So wird eine Differenzierung am Markt möglich und lassen sich Wachstum wie Profitabilität verbessern. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil: Händler, die an innovativen Themen wie Metaverse arbeiten, sind auch für die neue Generation der Mitarbeiter*innen sehr attraktiv.

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