DAK-Studie: Hunderttausende mit Social-Media-Sucht

Seit Jahren hat eine große Krankenkasse die Nutzung von sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen im Blick. Neue Zahlen zeigen klare Trends. Ein Verbot allein ist aus Sicht des DAK-Chefs nicht ausreichend.
People using mobile phones outdoors in urban setting with digital addiction model released, Symbolfoto, WPEF10131
Durchschnittlich nutzen Kinder und Jugendliche an einem normalen Wochentag 2,7 Stunden Social Media, am Wochenende 3,3 Stunden. (© Imago / Westend61)

Mehr als ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen nutzen Social Media laut einer neuen Studie in riskanten oder sogar krankhaftem Ausmaß. Suchtverhalten nimmt nach neuen Zahlen der Krankenkasse DAK-Gesundheit zu, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegen. 

Im vergangenen Herbst wiesen demnach 21,5 Prozent eine riskante Nutzung sozialer Medien auf – nach 21,1 Prozent im September/Oktober 2024. Online-Videos konsumierten 21,4 Prozent riskant viel, nach 13,4 Prozent im Jahr zuvor. DAK-Chef Andreas Storm begrüßte vor diesem Hintergrund die Debatte über schärfere Jugendschutzregeln in den Koalitionsparteien.

Hunderttausende suchtkrank

Als pathologische Nutzerinnen und Nutzer – als suchtkrank – gelten demnach 6,6 Prozent bei Social Media und 4 Prozent bei Videos. Bei etwa 350.000 Kindern und Jugendlichen gibt es laut DAK-Gesundheit also eine pathologische Nutzung sozialer Medien.

Die Mediennutzung wird im Rahmen einer seit 2019 laufenden Studienreihe der Krankenkasse und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf untersucht. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte in der aktuellen Erhebungswelle insgesamt 1.005 (repräsentative Stichprobe) 10- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche in Deutschland sowie ein zugehöriges Elternteil.

Für ein krankhaftes Ausmaß müssen die Medien so stark genutzt werden, dass die Betroffenen dies länger machen als geplant oder vorgegeben und negative Folgen in anderen Bereichen auftreten. Beispielsweise kommen Schülerinnen und Schüler zu spät zum Unterricht, Noten werden schlechter. Schlafstörungen und andere Symptome können Kontrollverlust begleiten. Eine riskante Nutzung ist ausgiebig, aber noch nicht in so einem Ausmaß verstetigt.

Etwas weniger Minuten am Handy

Durchschnittlich nutzen Kinder und Jugendliche der Studie zufolge an einem normalen Wochentag 2,7 Stunden Social Media, am Wochenende 3,3 Stunden. Die Zeiten der Nutzungsdauer im Schnitt sind damit leicht gesunken. 

Der Vorsitzende der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, nannte die Entwicklung dennoch „alarmierend“. Immer mehr Mädchen und Jungen seien gefährdet, in die Abhängigkeit zu rutschen. „Jetzt muss schnell gehandelt werden, um unsere Kinder zu schützen und zu stärken.“ Die Einführung von Altersgrenzen allein reiche nicht aus, zusätzlich sei mehr Vermittlung von Medienkompetenz nötig.

Konkrete Vorschläge zur Umsetzung von Verbot

Aus der SPD war die Forderung eines Social-Media-Verbots für Kinder unter 14 Jahren bekanntgeworden. Führende Sozialdemokraten veröffentlichten am Wochenende ein Papier mit konkreten Vorschlägen zur Umsetzung eines Verbots. Darin schlagen sie vor, Altersbeschränkungen für den Zugang zu Social-Media-Plattformen technisch mit der sogenannten Wallet, der digitalen Brieftasche auf dem Smartphone, zu verknüpfen.

Zudem soll auf dem bevorstehenden CDU-Parteitag ein Antrag beraten werden, der ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram und Facebook fordert – samt verpflichtender Altersprüfung.

tht/dpa