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Chefetagen werden weiblicher – aber nur im Schneckentempo

Typisches Bild in deutschen Vorständen: Frauen - wie hier die Deutsche-Post-Finanzchefin Melanie Kreis - sind in der Unterzahl. © Imago

Die Zahl der weiblichen Vorstände in deutschen börsennotierten Unternehmen hat einen neuen Rekordwert erreicht. Von Geschlechtergleichgewicht kann allerdings keine Rede sein. Beim derzeitigen Tempo würde es bis zum Jahr 2048 dauern, bis wenigstens jeder dritte Vorstandsposten mit einer Frau besetzt ist.

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Der Rückzug von Siemens-Personalchefin Janina Kugel hat zwar in den letzten Tagen für Schlagzeilen gesorgt. Er dürfte statistisch gesehen allerdings kaum ins Gewicht fallen, immerhin sind aktuell 61 von 701 Vorstandsmitgliedern in den 160 am Dax, M-Dax und S-Dax gelisteten Unternehmen weiblich.

Das Beratungsunternehmen EY nimmt seit 2014 halbjährlich die Geschlechterstruktur in den Vorstandsetagen unter die Lupe. Im “Mixed Leadership-Barometer Juli 2019” zeigen sich erneut leichte Fortschritte: So ist die Zahl weiblicher Vorstände in börsennotierten Unternehmen im ersten Halbjahr 2019 zum achten Mal in Folge angestiegen – von 58 auf 61. Damit sind mittlerweile 8,7 Prozent aller Vorstandsmitglieder Frauen – ein neuer Rekord.

Allerdings gab es auch Rückschritte. So steht nur noch bei drei Unternehmen eine Frau an der Spitze: DIC Asset, Hamburger Hafen und Logistik sowie Grenke Leasing. Vor einem halben Jahr waren es noch vier – allerdings ist das von einer Frau geführte Biotech-Unternehmen Medigene im Frühjahr aus dem S-Dax ausgeschieden.

Auch die Gesamtschau zeigt nur zaghafte Fortschritte. Immer noch zwei von drei Vorstandsetagen sind reine Männerdomänen. Nur in jedem dritten Vorstand ist wenigstens eine Frau vertreten, sogar nur in sechs Prozent der Vorstände sind es zwei Frauen.

„Die Vorstände in den börsennotierten Unternehmen in Deutschland bleiben zum Großteil reine Männerclubs. Die Unternehmen befördern seit Jahren zwar immer mehr Frauen auf Vorstandsposten. Dennoch scheint kaum etwas voranzugehen: Noch immer werden zwei von drei Unternehmen ausschließlich von Männern gelenkt”, sagt Markus Heinen, Leiter des EY-Geschäftsbereiches People Advisory Services in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im ersten Halbjahr dieses Jahres, wird es bis zum Jahr 2048 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist.

23 von 30 Dax-Konzerne mit Frauen im Vorstand

Mit gutem Beispiel voran gehen die Dax-Konzerne. Hier ist in 23 von 30 Unternehmen mindestens eine Frau im Vorstand. Weil sich zuletzt auch die Zahl der männlichen Vorstände erhöht hat, ist die Quote leicht um 0,3 Prozentpunkte auf 14,1 Prozent gesunken.

Deutlich schlechter sieht es dagegen bei den M-Dax-Unternehmen. Hier wurde zwar ein neuer Rekordwert erreicht, dieser liegt mit 8,6 Prozent allerdings weit hinter dem Wert im Dax. Ein erschreckendes Bild zeigt sich beim Blick auf die S-Dax-Unternehmen: Dort sind gerade einmal 12 von 258 Vorständen (4,7 Prozent) weiblich.

Als Gründe für die nur schleppende Verbesserung der Situation führt EY-Experte Heinen die fehlende gesetzliche Frauenquote und die zu geringe Zahl an ausreichend geeigneten Kandidatinnen auf.  “Weil in der Vergangenheit zu wenig für die Förderung weiblicher Managementtalente getan wurde, gibt es derzeit nicht übermäßig viele weibliche Führungskräfte mit der Erfahrung und Qualifikation, um einen weltweit operierenden Konzern zu führen.”

Die Erfahrung im Dax stimmt Heinen aber positiv: “Es ist möglich, den Frauenanteil deutlich zu erhöhen.” Mittlerweile habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass gemischte Teams besser arbeiten und auch die wirtschaftliche Performance eines Unternehmens positiv beeinflussen.

Den höchsten Frauenanteil in den Führungsetagen besitzen Unternehmen aus dem Telekommunikationssektor. Hier ist etwa jedes sechste Vorstandsmitglied (16 Prozent) eine Frau. Dahinter folgen die Finanzbranche (14 Prozent) und der Bereich Transport & Logistik (13 Prozent). Am geringsten ist der Frauenanteil mit lediglich fünf Prozent dagegen im Bereich Pharma, Biotech & Life Science.

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