OpenAI hat eine erst kürzlich veröffentlichte Version seines KI-Chatbots ChatGPT wieder vom Netz genommen. Grund dafür war nicht etwa ein technischer Fehler, sondern die Persönlichkeit des Modells: Es sei „zu schmeichelhaft“ gewesen. Das teilte die Entwicklerfirma laut einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Die betroffene Variante beruhte auf dem neuen GPT-4o-Modell. OpenAI stoppte sie nach nur wenigen Tagen nach Veröffentlichung wieder.
Kritik kam aus der Nutzerschaft selbst. In sozialen Netzwerken kursierten Beispiele, in denen der Chatbot auch fragwürdige oder absurde Vorschläge mit Begeisterung unterstützte, etwa das Umarmen eines Kaktus. Zudem wurde berichtet, dass die Software Nutzer bei jeder noch so banalen Nachfrage zunächst mit übertriebenem Lob überschüttete. Dieses Verhalten wirkte auf viele nicht nur unpassend, sondern teilweise verstörend.
ChatGPT: nett oder unterwürfig?
OpenAI begründete den Rückzug damit, dass die sogenannte „Standard-Persönlichkeit“ eines Chatbots entscheidend für die Interaktion sei, und somit auch das Vertrauen in die Technologie beeinflusse. Die neue Version sei offensichtlich darauf programmiert worden, besonders gefallen zu wollen, was laut interner Auswertung zunächst tatsächlich gut bei den Nutzern ankam. Doch die Grenze zwischen Freundlichkeit und Unterwürfigkeit war offenbar schnell überschritten.
Für die Zukunft kündigte das Unternehmen an, mehr Anpassungsmöglichkeiten schaffen zu wollen. Bereits jetzt lässt sich der Tonfall mit konkreten Anweisungen verändern. Perspektivisch sollen Nutzer zwischen verschiedenen Persönlichkeiten wählen können, von sachlich bis enthusiastisch.
ChatGPT gilt als eines der zentralen Produkte im Bereich generativer KI und löste Ende 2022 eine weltweite Diskussion über die Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz aus. Mittlerweile verzeichnet der Dienst laut OpenAI rund 500 Millionen wöchentliche Nutzer. Eine enorme Reichweite, bei der der richtige Ton umso entscheidender ist.
OpenAI: KI mit Kaufberatung
Parallel zu diesen Entwicklungen erweitert OpenAI die Einsatzmöglichkeiten von ChatGPT. So testet das Unternehmen derzeit eine neue Funktion, bei der der Chatbot als digitaler Kaufberater agiert. Nutzer können beispielsweise nach der besten Espressomaschine unter 200 Dollar fragen und erhalten daraufhin Produktempfehlungen mit Bildern, Preisen und Links zu Händlern. OpenAI betont, dass diese Empfehlungen nicht auf bezahlten Anzeigen basieren, sondern auf Partnerschaften zur Aktualisierung von Preisinformationen.
Diese Erweiterung zeigt, dass OpenAI bestrebt ist, die KI nicht nur als Konversationspartner, sondern auch als praktisches Tool im Alltag zu etablieren. Mit der Einführung solcher Funktionen könnte ChatGPT zunehmend in Konkurrenz zu etablierten Suchmaschinen und spezialisierten Kaufberatungsseiten treten.
