Frau Paulsen, bitte fassen Sie Ihre ersten 99 Tage als Marketingchefin bei der BVG in einem Satz zusammen.
Meine ersten 99 Tage bei der BVG waren getragen von echter menschlicher Wärme, beeindruckendem Teamgeist und der Energie einer Organisation im Wandel, die mutig und datengetrieben ihre Zukunft gestaltet.
Welchen Eindruck haben Sie in den ersten Wochen aus der neuen Perspektive gewonnen?
Einen durchweg positiven Eindruck: Ich arbeite mit einem großartigen und vor allem sehr talentierten Team zusammen. Im Mittelpunkt steht dabei das gemeinsame Ziel der BVG, wieder ein stabiler und verlässlicher Partner für Berlin zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, befindet sich die gesamte Organisation aktuell in einer spannenden Transformation. Besonders beeindruckend ist das große Engagement der Menschen hier – genau das, was man von der starken Marke BVG erwartet, die für innovative Ideen im Markt steht und das auch durch ihre mutigen und authentischen Kampagnen nach außen trägt.
Was hat Sie dabei am meisten überrascht?
Für mich ist der ÖPNV neues Terrain. Und die BVG ist 24/7 für die Menschen in Berlin im Einsatz, deshalb bringt jeder Tag für mich aktuell neue Erkenntnisse und auch Überraschungen. Bemerkenswert ist die Dynamik, mit der die BVG unterschiedliche Themen vorantreibt, beispielsweise die enge Zusammenarbeit in Richtung gemeinsamer Plattform mit unseren Partnern in Hamburg und München und der Ambition, auch deutschlandweit Synergien und Effizienzen zu schaffen.
Mit welcher Hürde hatten Sie so nicht gerechnet?
Insbesondere die Strukturen eines großen Berliner Landesunternehmens sind für mich neu. Es gibt viel Gestaltungsfreiheit und das Mindset, groß zu denken, auch wenn der Kurs gerade „Stabilität vor Wachstum“ heißt. Auf der anderen Seite müssen zahlreiche Prozesse und Stakeholder innerhalb und außerhalb der BVG berücksichtigt werden. Wenn man rund eine Million Menschen pro Tag durch Berlin bewegt und in einem Unternehmen mit über 16.000 Mitarbeitenden arbeitet, muss man sich zu den wesentlichen Themen selbstverständlich eng abstimmen.
Überraschend war das nicht unbedingt, aber es ist eine Herausforderung, die ich bewusst annehme – und bei der ich jeden Tag dazulerne. Das Positive ist, dass an allen relevanten Stellen Menschen sitzen, die das gleiche Ziel verfolgen, und das ist sehr motivierend.
Wie unterscheidet sich die Unternehmenskultur bei der BVG von der in Ihren früheren Wirkungsstätten?
Ich habe auch in meinen früheren Stationen das Glück gehabt, sehr gute Unternehmenskulturen erleben zu dürfen. Was bei der BVG sofort auffällt, ist die Wärme und Menschlichkeit im Umgang miteinander. Viele Mitarbeitende sind der BVG über Jahrzehnte treu – das schafft eine besondere Loyalität. Bei Meta war das allein aufgrund der Firmengeschichte anders: Die Firma existiert ja erst seit 2004 und ist dann sehr schnell und dynamisch gewachsen – am Ende war ich aufgrund dieses exponentiellen Wachstums dann länger dort als 98 Prozent der Kolleginnen und Kollegen. Das werde ich bei der BVG sicher nicht mehr schaffen – außer ich finde das Elixier der ewigen Jugend.
Was waren Ihre ersten Veränderungsmaßnahmen?
Die erste Zeit gehört für mich unbedingt dem Zuhören und Lernen. Gleichzeitig befinden wir uns mitten in einer Neuorganisation, um noch näher an den Bedürfnissen unserer Fahrgäste zu sein und uns effizienter aufzustellen. Deswegen bin ich dankbar, viele Maßnahmen jetzt schon mitgestalten zu können, wie zum Beispiel unsere neue Organisationsstruktur. Außerdem fokussiere ich mich auf die Förderung von Talenten in unserem Team und auf eine gute bereichs- und funktionsübergreifende Zusammenarbeit.
Welche weiteren Pläne haben Sie für das Unternehmen?
Mein Fokus liegt auf Innovation und Effizienz in Vertrieb, Marketing und Kundenservice, und zwar datengetrieben und in Zusammenarbeit mit einem starken Team in meinem Geschäftsbereich sowie BVG-übergreifend. Wir wollen unseren Kundenservice sowie unsere Fahrgastinformationen kontinuierlich verbessern und die Marke BVG weiter stärken – mit kreativen Ideen, die die Herzen der Berliner Fahrgäste erreichen. Und sicher wird es auch künftig die eine oder andere mutige Aktion geben.
Was waren auf diesem Weg die ersten konkreten Schritte?
Unsere Neuorganisation ist ein wichtiger erster Schritt, jetzt gilt es, diesen Wandel aktiv zu gestalten und das gesamte Team auf diese Reise mitzunehmen. Für den Bereich Vertrieb und Marketing haben wir einen konkreten Plan für 2026 vor Augen. Unter dem Leitmotiv „besser, schneller, effizienter“ bündeln wir unsere Kräfte, erhöhen unsere Agilität und stärken die bereichsübergreifende Zusammenarbeit.
Wenn Sie sich etwas wünschen könnten: Was soll man einmal über die Kombination Ineke Paulsen und BVG sagen?
Wir dachten, die Marke BVG kann nicht cooler werden, und dann wurde sie es doch. Gleichzeitig hat die BVG ihre Rolle als stabile Partnerin unserer Stadt gestärkt und mit ihren Fahrgästen im Herzen spürbare Verbesserungen in Digitalisierung und Fahrgasterlebnis geschaffen. Heute gilt sie als Vorreiterin für ein neues Mobilitätsbild für ganz Europa.
Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

