Sprechen wir über Koffer. In meiner Kindheit sind wir nie in den Urlaub geflogen. Mit einem himmelblauen Opel Ascona ging’s entweder nach Südtirol oder nach Friesland. Ich war also selten am Flughafen – und noch seltener in der Nähe von Dingen, die nach „First Class“ rochen. Koffer waren bei uns eher funktional.
Eines Tages brachten wir meine Tante zum Flughafen nach Frankfurt. Und plötzlich kreuzten uns diese silberfarbenen Koffer: Rimowa – Aluminium, Rillen, Aufkleber aus aller Welt. Ein Glanz, der wie ein „Upgrade“ aussah. Ab diesem Zeitpunkt stand die Marke für mich unmissverständlich für die Entdeckung der Welt und die Geschichten auf diesen Reisen. Rimowa würde sagen: „No one builds a legacy by standing still.“
Und das gilt bis heute: Sehe ich einen Koffer von Rimowa, bekomme ich direkt Fernweh. Kein Wunder, denn die Formästhetik der Koffer suggeriert schon im Kern Bewegung. Abgeleitet von den Rumpfstrukturen erster Passagiermaschinen wie der Junkers F13, wurden die heute oft kopierten Rillen früh zum Markenzeichen von Rimowa und sind bis heute unverändert. Abgesehen vom ikonischen Design, erfindet sich die Marke immer wieder neu. Kollaborationen mit Supreme, Off-White oder Dior sorgen für eine Mischung aus Understatement und Statement zugleich.
Eine Marke, die man sich verdient
Jahrelang habe ich diese Koffer also aus der Ferne bewundert – wie man einen Oldtimer anschaut, den man sich nie leisten wird. Was macht diese Marke also zur Love Brand in meinem Leben? Vielleicht genau der Umstand, dass ich sie erst nach Jahrzehnten zum ersten Mal mein Eigen nennen durfte. Zum 40. Geburtstag war es so weit: Meine Frau schenkte mir meinen ersten Rimowa mit den Worten: „Den hast du dir verdient.“ Einen Koffer, den man sich verdienen muss. Gibt es einen schöneren Liebesbeweis für eine Marke?

Genau hier beginnt allerdings die seltsame Psychologie eines Rimowa-Besitzers. Bloß keine Kratzer! Rimowa selbst sieht das gelassen und gibt dir als Besitzer ein gutes Gefühl: „Every case tells a story.“ Jede Delle, jeder Kratzer ist ein Stück Reisegeschichte. Der Koffer wird nicht älter – er wird erfahrener. Und falls doch mal etwas kaputtgeht, gibt es lebenslangen Service. „Wir machen es wieder ganz.“ Das ist nicht nur ein Versprechen, das ist eine Haltung.
Wenn aus einem Markenerlebnis deine Geschichte wird
Vielleicht ist das der Grund, warum ich Rimowa so mag: Es ist kein Produkt, das man alle paar Jahre austauscht. Es ist etwas, das mit einem älter wird, Spuren sammelt und Geschichten mitschreibt. Ein Reisebegleiter, der dich durch Flughäfen, Bahnhöfe und Hotellobbys begleitet, als wäre er Teil deiner Persönlichkeit. Er macht aus „Reisen“ ein Ritual. Man rollt ihn nicht, man führt ihn. Packt ihn nicht, man kuratiert seinen Inhalt.
Übrigens, letztes Jahr sind wir mit unseren Kindern zum ersten Mal als Familie nach Südtirol gereist. Mit dem Auto, so wie in meiner Kindheit. Mit dabei ein besonderer Reisebegleiter. Auch ganz ohne „Business Class“ und einfach nur im Kofferraum.



