Crocs und ich – das war keine Liebe auf den ersten Blick. Ich kann mich nicht einmal erinnern, wann ich sie zum ersten Mal gesehen habe, wahrscheinlich an Kinderfüßen am Strand. Dieser klobige Kunststoffschuh, der aussieht, als gehöre er einer Comicfigur, wurde als Funktionsschuh für den Bootssport entworfen: rutschfest, leicht und wasserfest.
Der eigentliche Normbruch begann, als der Schuh in den Alltag wanderte. Das erste Mal, dass ich mir wegen Crocs halb den Hals verrenkte, war in Berlin-Mitte: eine elegant gekleidete ältere Person in Trenchcoat – an den Füßen strahlend weiße Crocs.
Während die Reaktionen auf Crocs meist gegensätzlich sind – Spott oder Begeisterung – gibt es dazwischen eine spannende Zone: Irritation und Neugier. Dort habe ich mich lange aufgehalten. Wie schafften es Crocs vom „Ugliest Shoe Ever“ zum Symbol für Individualität?
Vom Spotobjekt zur Stilikone
Crocs sind eine Masterclass im Reframing. Sie zeigen, wie man das Prinzip „Sei nicht alles für jeden“ lebt. Ursprünglich umfasste das Sortiment über 250 Modelle – von Ballerinas bis Keilabsätzen. Dann kam die radikale Rückbesinnung auf den klobigen Clog. Gleichzeitig machte Crocs den Schuh zur Plattform für Individualisierung mit Jibbitz-Ansteckern als persönliche Statements.

2017 schickte Balenciaga plötzlich Zehn-Zentimeter-Plateau-Crocs über den Laufsteg in Paris. Ironische Luxusmode traf auf Meme-Kultur – und High Fashion adelte den „hässlichsten Schuh der Welt“.
Crocs nutzte den Hype klug: mit limitierten Kollaborationen und einem klaren Bekenntnis zu ihrem ikonischen Clog. So wurde aus dem Funktionsschuh ein kulturelles Symbol für Selbstbewusstsein. Die Lehre? Starke Marken kennen sich selbst und scheuen keine Reibung.
Wie ich Crocs lieben lernte
Bei mir kam der Wendepunkt mit einem Campingtrip nach Norwegen. Laut Recherche der beste Schuh fürs Camp. Ich haderte, wählte dann aber ein Modell mit Plateau. Wenn schon, dann richtig. Seitdem gibt es ein Paar für zu Hause und eins für draußen. Ich trage sie bei der Arbeit, beim Spazieren, bei Events.
Warum ich so lange gezögert habe? Vielleicht fehlte mir anfangs der Mut. Heute trage ich sie so gerne, weil sie bequem sind, Spaß machen – und weil jeder Schritt ein kleiner Akt der Selbstbefreiung bleibt. Befreiung von Erwartungen und Normen.
Mut zur Marke – und zur Reibung
Auch 2025, mitten in Berlin, werde ich oft angesprochen: „An dir sieht das gut aus, aber ich würde mich das nicht trauen.“ Meine Gegenfrage: „Warum?“ Und plötzlich geht es um Mut, Freiheit und Individualität.
Am Ende sind Crocs vielleicht nur Gummischuhe mit einer schlauen Marketingstrategie. Für mich sind sie ein Reminder, dass jeder Normbruch Raum schafft – für sich selbst und für andere.




