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Warum China so viel Angst vor Kryptowährungen hat

Blockchain kommt bei chinesischen Politikern gut an, verspricht es doch noch bessere Kontrolle über Unternehmen und Menschen. © Imago

Der chinesische Staat akzeptiert Blockchain. Kryptowährungen will er aber so weit wie möglich einschränken. Das scheint ein Widerspruch zu sein. Aus der Sicht der Volksrepublik ergibt es aber Sinn. Nun plant Peking eine eigene Digitalwährung.

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Blockchain ja, Kryptowährung nein. Der chinesische Bürger soll zu Letzterem möglichst keinen Zugang erhalten. Das wollen staatliche Aufsichtsbehörden mit aller Kraft sicherstellen. Zunächst scheint dies ein merkwürdiger Widerspruch zu sein. Schließlich bauen Kryptowährungen auf Blockchain auf. Für China ergibt es aber Sinn. Die Grundsätze der Blockchain entsprechen Chinas Politik von Kontrolle, End-to-End-Verfolgung und Digitalisierung.

Der Staat kann so unzählige Finanzdaten erstellen, die Aufschluss darüber geben, welche Lebensmittel konsumiert und welche Spielzeuge gekauft werden. Zudem erhalten die Politiker aber auch Informationen darüber, welche Buchhandlungen frequentiert werden, welche Reisepläne vorliegen und wer welche politisch kritischen Magazine unterstützt. Für Staaten, die zwischen staatseigenen, staatlich finanzierten und staatlich kontrollierten Unternehmen einheitliche Interessen stärken und die wichtigste Rolle spielen wollen, ist Blockchain ein unbezahlbares Kontrollinstrument.

Perfektes Schlupfloch, um strikte Kapitalkontrollen zu umgehen

Kryptowährungen zu fördern bedeutet aber, Kontrolle und Macht zu dezentralisieren. China hat schlichtweg Angst vor den individuellen Freiheiten, die Kryptowährungen darstellen. In der Praxis untergraben sie chinesische Staatsziele. Das wichtigste unter ihnen ist die Kontrolle der Kapitalzu- und -abflüsse, ein wesentlicher Bestandteil der chinesischen Wirtschaft. Der chinesische Yuan wird von der chinesischen Zentralbank reguliert und soll sich gegenüber den wichtigsten ausländischen Devisen in einer festen Bandbreite bewegen. Kryptowährungen können dazu beitragen, diesen Fluss zu stören, da digitale Währungen eine Alternative zur staatlichen Währung darstellen.

Mit Hilfe digitaler Währungen können Chinesen Geld viel leichter ins Ausland schaffen. Sie sind ein perfektes Schlupfloch, um die strikten Kapitalkontrollen zu umgehen. Die Volksrepublik hat sich deshalb zur Hochburg des Kryptohandels gemausert. In China wurden zwischenzeitlich bis zu 98 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen abgewickelt. Zudem ist der Staat besorgt, weil Kryptowährungen zu spekulativen Investitionsmöglichkeiten für Privatkunden geworden sind. Das führt zu einem Anstieg von Geschäften, die der chinesische Staat nicht tolerieren will.

Bargeld spielt keine Rolle in Ballungszentren

Der Handel mit nicht-staatlichen Kryptowährungen wie dem Bitcoin ist in China seit rund zwei Jahren offiziell verboten. Nun will die Volksrepublik das erste Land der Welt sein, das eine echte staatliche Digitalwährung einführt. Wie genau sie funktionieren wird, ist noch unklar. Mit dem dezentral organisierten Bitcoin oder mit dem von Facebook geplanten Libra wird es nichts zu tun haben. Entsprechend dürfte es bei der geplanten staatlichen chinesischen Digitalwährung möglich sein, dass Zahlungen komplett nachverfolgt werden können. Dennoch dürfte sie schnell von der Bevölkerung akzeptiert werden.

In den chinesischen Ballungszentren spielt Bargeld schon heute keine Rolle mehr im Leben der meisten Menschen. Sie bezahlen alles per Smartphone-App. Somit dürfte es für Chinas Regierung und Zentralbank ein Leichtes sein, die existierenden App-Bezahlsysteme von der normalen Währung Yuan auf die neue chinesische Digitalwährung umzustellen. Das wird für die meisten Bürger wahrscheinlich unsichtbar und nahtlos ablaufen. Es regelt dann nicht – wie von Adam Smith beschrieben – die unsichtbare Hand des Marktes, sondern der lange Arm der Partei.

absatzwirtschaft+

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