Studie: Innovationstätigkeit im Mittelstand stagniert

Mittelständische Firmen gelten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Von ihren Neuerungen und Ideen kann die Volkswirtschaft insgesamt profitieren.
Beamer
Hohe Kosten für Innovationen und der Fachkräftemangel bremsen Neuerungen bei Produkten, internen Prozessen oder im Marketing. (© Unsplash/Joshua Sortino)

Der Fachkräftemangel bremst eine Studie zufolge zunehmend die Innovationskraft im Mittelstand. In den Jahren 2020 bis 2022 brachten vier von zehn kleinen und mittleren Unternehmen mindestens eine Innovation hervor, wie aus einer Untersuchung der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht. Das waren rund 1,5 Millionen der insgesamt etwa 3,8 Millionen Mittelständler. Die Quote der innovativen Firmen blieb mit 40 Prozent gegenüber der Vorperiode 2019-2021 unverändert.

„Eine besondere Bedeutung kommt der Linderung des Fachkräftemangels für die Innovationstätigkeit zu“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib am Mittwoch. Hinzu kam im Auswertungszeitraum ein Sonderfaktor: Während der Corona-Jahre wurden den Angaben zufolge nur wenige neue Ideen entwickelt. Entscheidungen über Innovationen wurden verschoben.

Der Studie zufolge bremsen vor allem hohe Kosten für Innovationen und der Mangel an Fachkräften Neuerungen bei Produkten, internen Prozessen oder im Marketing. Bei einer KfW-Umfrage 2022 bei insgesamt 5000 Mittelständlern gab jedes zweite innovative Unternehmen an, mit Problemen bei der Personalrekrutierung zu rechnen. Vor zehn Jahren lag der Anteil bei 35 Prozent.

Innovativer Unterbau droht wegzubrechen

Köhler-Geib sieht die Entwicklung mit Sorge. Der seit Jahren anhaltende Trend, dass Innovationen im Mittelstand auf niedrigem Niveau verharrten und sich immer stärker auf eine kleine Gruppe von Unternehmen konzentrierten, sei in mehrfacher Hinsicht problematisch. Die Nachzügler drohten den Anschluss zu verlieren und so auf mittlere und längere Frist ihre Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen. „Gesamtwirtschaftlich droht das Wegbrechen des innovativen Unterbaus.“

Mittelständische Firmen mit einem Umsatz von maximal 500 Millionen Euro jährlich gelten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Deutschland sei immer noch ein innovationsstarkes Land. „Es ist jetzt aber höchste Zeit, die Herausforderung auch mit Blick auf den Fachkräftemangel beherzt anzugehen“, sagte die Expertin.

Besonders groß ist der Anteil innovativer Firmen mit 71 Prozent bei größeren Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten, wie aus einer KfW-Umfrage im Frühjahr 2023 unter mehr als 11.000 Firmen hervorgeht. Ein wichtiger Grund dafür ist der hohe Fixkostenanteil bei Innovationen. Kleinunternehmen werden durch die Kosten relativ gesehen stärker belastet.

tht/dpa