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Sneakers hoch im Kurs – Der Turnschuh als Anlageobjekt

"The Ultimate Sneaker Collection" bei Sotheby's in New York © Imago

Jordan-Index statt Dax oder Dow Jones? Klingt skurril, doch begehrte Sportschuhe haben sich von Liebhaber- zu Anlageobjekten entwickelt. An Online-Börsen werden sie inzwischen wie Wertpapiere gehandelt. Der Hype spielt nicht nur Konzernen wie Nike und Adidas in die Karten.

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Von Hannes Breustedt, dpa

Kürzlich kam Nikes streng limitierter Basketballschuh “Air Jordan 1 High OG TS” heraus – mit 175 Dollar nicht eben günstig zu haben. Doch das Modell war sofort ausverkauft und kostete am Zweitmarkt zuletzt je nach Größe schon bis zu 2849 Dollar. Dass bestimmte Schuhe begehrte Sammlerobjekte sind, ist nichts Neues. Doch mittlerweile entwickeln sich sogenannte Sneakers wie Kunst, Oldtimer oder seltener Whisky in Richtung einer eigenen alternativen Anlageklasse – und die boomt derzeit gewaltig.

Dass der Handel mit rarer Streetwear eine lukrative Nische sein könnte, ahnten Josh Luber und Greg Schwartz schon vor Jahren. 2016 gründeten sie mit dem US-Unternehmer und Besitzer des Basketball-Teams Cleveland Cavaliers, Dan Gilbert, die Online-Börse StockX. Hier werden neben Kleidung angesagter Marken wie Supreme oder BAPE und raren Schuhen wie Jordans und Yeezys auch begehrte Handtaschen oder Uhren gehandelt. Die Geschäfte laufen offenbar sehr gut.

Im Juni schloss StockX eine Finanzierungsrunde mit mehreren Investoren ab, bei der das Detroiter Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wurde. Zeitgleich mit der Geldspritze wurde in Scott Cutler ein Top-Manager vom Internethandels-Riesen Ebay abgeworben, der künftig die Geschäfte führen soll. “StockX revolutioniert E-Commerce”, verspricht Cutler. Die Plattform sei eines der am schnellsten wachsenden Tech-Unternehmen weltweit.

Investoren wittern milliardenschweres Potenzial

Das lässt sich zwar schwer prüfen, da die Firma bislang keine Finanzberichte veröffentlicht. Doch dass es ein so junges Unternehmen auf eine Milliardenbewertung bringt, ist durchaus beachtlich und zeigt, welches enorme Potenzial Investoren wittern. Dabei gibt es die Kultur der Sneakerheads, wie die Liebhaber der speziellen Turnschuhe genannt werden, bereits seit Jahrzehnten. Die Obsession mit Kultmarken wie Air Jordan oder Converse Chuck Taylor war schon groß, lange bevor Rapstars wie Kanye West oder Travis Scott bei Sportartikel-Giganten wie Adidas und Nike ihre Kollektionen hatten.

Doch was sich früher auf eine überschaubare Szene von Sammlern beschränkte, erreicht mehr und mehr den Mainstream und wird damit auch für die Finanzwelt immer interessanter. Der Handel mit limitierter Streetwear ist vom Untergrund-Phänomen zu einer großen Kommerzveranstaltung geworden. In New Yorks Szenevierteln wie SoHo gehören die langen Schlangen vor den Sneaker-Läden längst zum gewohnten Bild. Heutzutage halten spezielle Apps und Websites die Szene über exklusive Veröffentlichungen auf dem Laufenden.

Sammler nicht gut auf Spekulanten zu sprechen

Auf “Re-Seller”, die bei raren Kollektionen rasch zuschlagen und dann zu höheren Preisen weiterverkaufen, sind Sammler traditionell nicht gut zu sprechen. Doch die Grenzen sind fließend, natürlich sind auch viele Sneakerheads dem Geld nicht abgeneigt, wenn sie sich mehr als ein Paar sichern und etwas dazuverdienen können. Angesichts der hohen Renditen wird das Geschäft aber ohnehin immer professioneller. Da der Verkauf zunehmend über das Internet abläuft, versuchen nun auch schon Hacker, sich mit programmierten Bots Vorsprünge zu verschaffen.

Wie viel Geld seltene Schuhe wert sein können, zeigte sich im Juli bei einer Auktion in New York. Insgesamt 437.500 Dollar blätterte ein kanadischer Unternehmer und Sammler für ein paar Moon Shoes von Nike hin – ein neuer Rekordwert. Angeblich soll Nike-Mitgründer Bill Bowerman auf der Suche nach einer ganz speziellen Sohle Gummi in das Waffeleisen seiner Frau gegossen haben. Nur etwa zwölf Paar des Modells wurden angefertigt, das nun versteigerte gilt als das einzige bekannte, dessen Zustand als ungetragen bezeichnet werden kann.

Diese Paar “Moon Shoes” von Nike, das um das Jahr 1972 gefertigt wurde, hat ein kanadischer Sammler bei Sotheby’s für 437.500 Dollar ersteigert. ©Imago

Online-Börsen wie StockX, an denen Sportschuhe wie Wertpapiere gehandelt werden, sind gewissermaßen die logische Konsequenz des Booms. Die Plattformen bieten nicht nur Zugang zu Artikeln, die sonst kaum zu bekommen wären, sie versprechen auch sorgfältige Prüfungen der Ware, die bei ihnen angeboten wird. Der Originalitäts-Check ist ein wichtiges Argument, denn es gibt viele Fälschungen, die teilweise sehr schwer zu erkennen sind. Im Netz präsentiert sich StockX im Stil einer Investment-Plattform – wie hoch welcher Schuh gerade im Kurs steht, wird anhand von Angebot und Nachfrage laufend ermittelt.

Geschäft auch für Nike, Adidas und Puma attraktiv

Jordan- oder Yeezy-Index statt Dax oder Dow Jones? Das mag auf den ersten Blick etwas skurril wirken, doch klein ist der Markt nicht. Die Investmentbank Cowen & Co schätzt, dass das Volumen alleine bei Sneakern und Streetwear in Nordamerika bis 2025 von derzeit zwei Milliarden auf rund sechs Milliarden Dollar steigt. Hierbei geht es wohlgemerkt nur um den Zweitmarkt, also wiederverkaufte Artikel. Kein Wunder also, dass das Segment auch für Branchengrößen wie Nike, Adidas oder Puma längst große Attraktivität gewonnen hat.

Der Rummel um die raren Kultobjekte verleiht den Marken mehr Strahlkraft und kommt besonders beim Buhlen um die jüngeren Käufergruppen gelegen. Zu den Gewinnspannen limitierter Kollektionen halten sich Nike, Adidas und Co. zwar bedeckt, doch die Kooperationen mit hochkarätigen Musikern und Sportlern würden sich die Unternehmen wohl sparen, wenn sie nicht lukrativ wären. Anleger sollten sich indes im Klaren sein, dass nicht jeder Sneaker ein Renditebringer ist und die Kurse auch an der Turnschuh-Börse kräftig fallen können.

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