Sechs individuelle Wege zu mehr Klimaschutz

Darfs ein bisschen weniger Plastik sein? Gerne, aber nur, wenn es nicht zu viel abverlangt. Wir stellen sechs Methoden zur Entlastung der Umwelt vor, die auch mal unkomfortabel sind.
Was können wir tun, was unserem Planeten wirklich hilft? ©Unsplash/Mika Baumeister

Was tun, wenn es zu spät ist, wenn der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten ist und wir nur noch den Untergang managen können? Das Centre for Climate Repair an der Cambridge Universität will hier nicht aufhören, sondern erst richtig loslegen. Das 2019 gegründete Institut untersucht radikale Methoden, um den Klimawandel zu stoppen. Was wir vielleicht aus dystopischen Science Fiction Filmen kennen, könnte im schlimmsten Fall Realität werden: den Himmel künstlich verdunkeln, um die Erwärmung zu verringern, gigantische Mengen Meerwasser über der Antarktis zerstäuben, um die Neubildung des ewigen Eises zu fördern oder Eisen ins Meer geben, um die Algenproduktion anzukurbeln und damit CO2 aus der Atmosphäre zu binden.

Die meisten dieser Methoden haben jedoch drastische Nebenwirkungen. Nicht immer übernimmt dabei eine Roboterarmee die Weltherrschaft. Die Ergebnisse sind aber ähnlich katastrophal. Bis die Wissenschaft einen guten Weg gefunden hat, das Klima zu reparieren, ist es vielleicht an uns, noch eine Schippe draufzulegen. Wir sollten uns nicht darauf verlassen müssen. Hier sind sechs Methoden, an die Sie bisher vielleicht noch nicht gedacht haben.

1. Sei keine Flasche, sei eine Bar!

Und zwar ein Shampoobar. Nachfüllpackungen sind schon mal besser als jedes Mal eine neue Flasche zu kaufen. Doch die gibt es nur für wenige Marken. Mit einer “Shampoobar”, festem Shampoo in der Pappschachtel oder lose, können bis zu drei Flaschen ersetzt werden. Der Grund: Flüssige Shampoos bestehen bis zu 90 Prozent aus Wasser. Schöner Nebeneffekt: Feste Shampoo-Produkte enthalten meist weniger problematische Substanzen, lösen dadurch weniger Allergien aus und werden seltener überdosiert, nehmen beim Transport weniger Platz weg, wiegen weniger und reduzieren dadurch den Verbrauch insgesamt. Huch, das sind ganz schön viele positive Nebeneffekte. Also: Probiert mal eine Shampoobar aus!

2. Bewegungsmelder statt Dauerlicht

Supermärkte gehören laut einer Studie des EHI zu den energieintensivsten Betrieben des Einzelhandels. Mit 334 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter stehen sie an der Spitze. Im Vergleich verbraucht ein Baumarkt gerade einmal 58 kWh. Klar, dass es hier die größten Einsparmöglichkeiten gibt. Und es gibt gute Nachrichten: Trotz gestiegenem Umsatz in den Corona-Jahren sank der Verbrauch um 1,2 Prozent. Interessant: 60 Prozent des von Supermärkten verbrauchten Stroms entfällt auf die Kühlgeräte, 18 Prozent auf die Beleuchtung.

Die explodierenden Energiekosten werden den Druck hier erhöhen. Abhilfe könnten zum Beispiel eine geschlossene Warenkühlung oder die Rückgewinnung von Abwärme schaffen. Ganz einfach umzusetzen wäre: Licht aus, wenn keine Kund*innen da sind. Ein Bewegungsmelder kann dafür sorgen, dass im Notfall das Licht angeht. Bewegungsmelder statt Dauerlicht ist auch bei Bürogebäuden eine sehr gute Idee.

3. Weniger Verpackungsmüll beim Essen

Es ist so leicht: App auf, aussuchen, bestellen und nur wenig später hat man eine leckere Mahlzeit für die Mittagspause. Grundsätzlich ist es energetisch besser Essen zu konsumieren, das in großen Portionen gekocht wurde. Dieser Vorteil wird allerdings leicht wieder aus der Hand gegeben, wenn Restaurants dann auf Einwegverpackungen zurückgreifen. Vytal ist Anbieter einer Plattform, die es Restaurants ermöglicht, auf Mehrweg-Takeaway-Geschirr zurückzugreifen, ohne die Kund*innen mit Pfand zu belasten. Nur wenn sie das Geschirr nicht innerhalb einer Woche zurückbringen oder bringen lassen, zahlten sie. So lassen sich die 800.000 stündlich in Deutschland verbrauchten Einwegeinheiten verringern. 2021 konnte Vytal 1,25 Millionen Einheiten einsparen, so der CEO Tim Breker. Und noch ein Tipp bei der Bestellung von Essen: Öfter mal selber und zu Fuß abholen. Ja, das schränkt eventuell die Auswahl an Speisen ein. Aber mal ehrlich: Wir müssen es mit dem Wohlstand ja auch nicht übertreiben, oder?

Schon gewusst? Die entwickelten Länder des globalen Nordens sind für 92 Prozent aller Emissionen verantwortlich, wohingegen es der globale Süden ist, der vor allem darunter leidet, so eine Studie, die in The Lancet Planetary Health erschienen ist.

4. In Systemen denken

Spätestens seit der Corona-Pandemie denken wir an systemrelevante Berufe. Seit dem Ukraine-Krieg an systemrelevante Energie. Aber schon seit Jahrzehnten wissen wir, dass unser Ökosystem bedroht ist. Menschen denken immer mehr in Systemen, von denen sie abhängig sind. Gut! Denn das birgt die Chance zu verstehen, warum etwas sinnvoll ist. Beispiel: Weniger Fleisch zu essen bedeutet weniger Anbau von Futtermitteln und mehr Platz für ökologische Grünflächen, auf denen gar kein Anbau stattfindet. Unser System der Energieversorgung und die politischen Verstrickungen zu verstehen, hilft, eine bessere Entscheidung zu fällen, wenn es darum geht, welche Dämmmaterialien ich für das Haus auswähle, welches Auto ich kaufe, oder ob ich nicht gleich aufs Rad umsteige. Eine gute Methode dauerhaft einen Unterschied zu machen? In Systemen denken und Zusammenhänge verstehen. Das wirkt sich dann vielleicht auch an der Wahlurne aus.

5. Drei Tage Homeoffice

Laut Statistischem Bundesamt nutzen 68 Prozent der Pendler das Auto, das sind 19,6 Millionen Menschen, die hauptsächlich in Städten für die Arbeit ihr Zuhause verlassen müssen. In der Corona-Zeit haben wir es geübt, vielleicht, um es jetzt gut einsetzen zu können: das Homeoffice. Würden wir drei Tage die Woche vo arbeiten, könnten wir täglich 400.000 Barrel Öl einsparen. Statista hat das herausgefunden, als es darum ging, wie wir im Zuge des Ukraine-Krieges den Verbrauch reduzieren können. Jetzt hilft das nicht nur unabhängig von russischer Energie zu werden, sondern auch die Umwelt zu schonen. Genauso viel würden wir übrigens mit autofreien Sonntagen sparen, oder wenn wir das Tempolimit verschärften. Manchmal geht Homeoffice nicht, manchmal aber schon.

6. Pulli statt Putin

Und wenn wir schon dabei sind: Der Wille, Energie einzusparen, scheint aufgrund der aktuellen Notwendigkeit sich energetisch unabhängig zu machen, größer denn je zu sein. Andreas Schug von Naturstrom hat dafür die Heizung ausgeschaltet und einen Pulli angezogen, wie er im Firmenblog erzählt. Suffizienz-Strategie heißt die Methode, also den Verbrauch nur auf das zu reduzieren, was man wirklich braucht. Und wenn es auch mit Pulli geht, dann kann die Heizung wirklich aus bleiben. Das geht mit erstaunlich vielen Dingen, denn wir leiden eher an Überkonsum und kaufen Dinge, die wir eigentlich gar nicht bräuchten. Denkt darüber mal nach! Andreas Schug kann mit seiner Aktion, bei der er nicht nur auf die Heizung geachtet hat, übrigens 600 Euro im Jahr sparen, wie er berechnet hat.

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