Mental Health: Nicht mehr weggucken! 

Agenturen lassen sich vieles einfallen, um Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten. Manchmal nur auf dem Papier – und manchmal mit echtem Mehrwert und Substanz. So wie bei Publicis. Folge 3 unserer Serie.
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Mit der Kampagne #WeCareWeThrive will die Agentur Publicis für ein gesünderes, stressfreies und positiveres Leben sorgen.

Lisa Robben ist Chief Operating Officer (COO) bei Saatchi & Saatchi Germany und Leo Burnett – und hat seit etwa zwei Jahren noch einen weiteren wichtigen Job: Als Mental-Health-Botschafterin der Publicis Groupe in der DACH-Region ist sie das Gesicht der Kampagne #WeCareWeThrive, mit der die Agentur für ein gesünderes, stressfreies und positiveres Leben sorgen will.  

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das heute wichtiger ist, denn je: So gaben 32 Prozent der Deutschen im aktuellen Mental Health Report von Axa an, derzeit unter einer mentalen Erkrankung zu leiden, 41 Prozent der Frauen zwischen 18 und 34 haben Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Zwangsneurosen oder anderen psychische Erkrankungen. Das sind mehr als vier von zehn Frauen! Immerhin: 24 Prozent der Befragten finden, dass das Stigma in Bezug auf mentale Erkrankungen abgenommen habe – und das ist ein wichtiger Schritt.  

So funktioniert Mental Health bei Publicis 

Ein Schritt, auf den auch Arbeitgeber*innen einen großen Einfluss haben – schließlich verbringen wir rund ein Drittel unserer Lebenszeit in Büro und Homeoffice. Das weiß auch die Publicis Group. Seit 2021 gibt es in der Agenturgruppe auf globaler Ebene eine Kooperation mit dem Mental-Healthcare-Service Thrive, über die auf der internen E-Learning Plattform Impulse zum Thema angeboten werden.  

Ein Jahr später wurde in der DACH-Region in Zusammenarbeit mit dem Partner Detoxrebels (bekannt aus der Höhle der Löwen!) ein entsprechendes Programm gestartet. Es gibt Newsletter, (digitale) Keynotes in der Mittagspause von externen Speaker*innen zu Themen wie Stressbewältigung, Schlaf, Resilienz & Co. und begleitend den „WeCare“-Club, wo sich die Mitarbeitenden austauschen können und selbst Lösungen erarbeiten.  

Zwischenfazit von Lisa Robben: „Unser Programm wurde gut angenommen, wir hatten bislang mehr als 800 Teilnehmende in unseren Sessions, der WeCare-Club hat 350 Mitglieder und das Interesse steigt.“ Immer mehr Menschen, sagt die Expertin, würden auch am Arbeitsplatz offen über mentale Probleme sprechen – und das ist auch gewünscht: „Niemand soll Angst haben zuzugeben, wenn er oder sie Hilfe braucht.“ 

Dinge selbstbestimmt integrieren 

Doch im Idealfall kommt es gar nicht erst so weit. Denn durch Programme wie dieses sollen Arbeitnehmende lernen, auf sich zu achten, auf erste Signale des Körpers zu reagieren und sich trauen, auch mal „Nein“, zu sagen. „Mental Health findet auf ganz vielen Ebenen statt“, sagt Lisa Robben. „Gesunde Ernährung, Sport, Pausen, mal ein Call im Grünen. Unsere Teams sollen dazu befähigt werden, diese Dinge ganz selbstbestimmt in ihr Leben zu integrieren und Schlafstörungen oder übermäßigen Stress nicht einfach so in Kauf zu nehmen.“  

Das lohnt sich am Ende nicht nur für die Mitarbeitenden selbst. „Wenn unsere Teams gesund und glücklich sind, haben alle mehr davon. Ob es die Führungskraft ist, die Kollegen – und natürlich auch der Kunde“, erklärt Robben. Als Arbeitgeber sei man schließlich in der Pflicht, sich um seine Leute gut zu kümmern, wachsam zu sein und den kulturellen Shift hin zu mehr Offenheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen auch mitzugehen.   

Gesunde Mitarbeitende sind motivierter, haben weniger Fehlzeiten und eine geringere Wechselbereitschaft – und sind resilienter für die Herausforderungen, die das Arbeitsleben nun mal mit sich bringt. Und natürlich ist ein Mental Health-Programm wie dieses auch hilfreich in Sachen Recruiting. „Nicht jedes Unternehmen hat eine solche Kampagne, das macht uns auch bei der Gewinnung neuer Mitarbeitender attraktiv. Vor allem, weil das bei uns nicht nur auf der Homepage steht, sondern es mit konkreten Angeboten hinterlegt ist“, so die Mental Health-Botschafterin. Doch auch wenn nicht alle Agenturen ein spezielles Programm für die psychische Gesundheit haben, ist Robben überzeugt, dass das Thema mittlerweile jeden betrifft: „Die anderen können nicht mehr weggucken.“ 

Gerade in der Werbebranche wichtig 

„Gerade die Werbebranche hat einen hohen Speed, steht ständig unter Zeit- und Ideendruck. Da gibt es immer wieder stressige Situationen. Wir als gesamte Branche müssen ein Auge darauf haben.“  Robben ist sich sicher: Ein Programm wie #WeCareWeThrive ist wichtig und bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Doch langfristig, meint sie, müsse sich in der Branche auch strukturell was ändern: mehr Freiheiten, weniger Druck.  

Lisa Robben ist bei jeder Keynote vor Ort, moderiert – und spricht auch selbst über ihre eigenen, ganz persönlichen Herausforderungen. „Denn wenn ich offen darüber rede, trauen sich andere das auch.“ 


Alle bisher erschienenen Folgen dieser Serie lesen Sie hier:  

Folge 1: Mental Health bei Shitshow: Gegen die Scheißgefühle 
Folge 2: Mental Health bei Accenture: Last von den Schultern nehmen

(jag, Jahrgang 1980) ist freie Autorin und in der Marketingwelt zuhause. Seit ihrem Studium begeistert sie das Thema, denn es steht einfach nie still! Was heute ein Trend ist, kann übermorgen Standard sein – oder wieder weg vom Fenster. Als waschechte Münchnerin ist sie ihrer Heimat natürlich (mit Ausnahmen in Frankreich und Regensburg) treu geblieben: #schönstestadtderwelt!