Mental Health: Last von den Schultern nehmen 

Bei Accenture gehört Mental Health fest zur Unternehmenskultur. Gerade die Kreativbranche steht vor besonderen Herausforderungen. Folge 2 unserer Serie.
Mental Health
Auch für den weltweit agierenden Dienstleister Accenture ist Mental Health wichtig.

„Es gab Momente, wo ich auf meinem Teppich zu Hause im Wohnzimmer saß und geweint habe, weil ich gedachte habe, ich schaffe es nicht mehr. Es wird mir einfach zu viel.“ So persönlich und emotional erzählt Leonie, Innovationsmanagerin und Creative Director bei Accenture, in einem Video von ihrer Auszeit vom Job. Zeit, in der sie ganz bewusst auf ihren Körper gehört hat – und in der Mental Health zu ihrem Herzensthema wurde.  

Das Video ist Teil der „Voices of Change“-Reihe, mit der Accenture Mitarbeitende zu Wort kommen lässt, die einen persönlichen Einblick in ihren individuellen Alltag teilen und ihre Geschichte erzählen. Seit ihrer Auszeit begleitet Leonie das Thema Mental Health neben ihrem eigentlichen Job auch als Coach.  

Awareness und Akzeptanz 

Leonie ist nicht die Einzige, die sich bei Accenture das Thema psychische Gesundheit auf die Fahnen geschrieben hat. Verschiedene Initiativen und Maßnahmen sollen Awareness und eine höhere Akzeptanz für das Thema schaffen – nach dem Motto: Better together. Schon viele Jahre vor der Corona-Pandemie wurden Programme eingeführt, die die Mitarbeitenden ermutigen sollen, über ihre mentale Gesundheit zu sprechen, zu entschleunigen und auch mal Hilfe anzunehmen. 

„Arbeit und Führung sind ein signifikanter Teil unseres Lebens“, erklärt Thomas Knüwer. Und deshalb, so der Creative Managing Director bei Accenture Song, hätten Arbeitgeber eine Verantwortung für das Leben der Menschen – auch abseits vom Schreibtisch.

Bei Accenture geht man diese Verantwortung auf mehreren Ebenen an: präventiv, situativ und begleitend im Nachgang. Ziel ist es, dass psychologische Sicherheit im Arbeitsleben zur Selbstverständlichkeit wird. „Mentale Gesundheit bedeutet nicht immer gleich Überlastung. Es wird oft unterschätzt, dass das Thema mit jedem einzelnen Arbeitstag anfängt“, so Knüwer. Mental Health ist Normalität.  

Informationsangebote zu allen Lebensbereichen 

Konkret heißt das: Es gibt zahlreiche Informationsangebote zu unterschiedlichen Lebensbereichen. Etwa für frisch gebackene Eltern, die sich über Themen wie Elternzeit, Work Life Balance in der neuen Familiensituation oder Ehevertrag informieren können. Ehevertrag? „Ja, alles, was eine Last auf den Schultern sein kann, gehört zu Mental Health“, sagt Thomas Knüwer. Dazu kommen Gesundheitsangebote, Sportkooperationen, Gratiszugänge zu einer Meditationsapp, Coachings und eine eigene Lernmethode für mehr Achtsamkeit. 

Kooperationen mit psychotherapeutischen Spezialist*innen ermöglichen es, dass sich Mitarbeitende rund um die Uhr im Notfall an jemanden wenden können und sofort Hilfe bekommen, auch anonym. Geschulte systemische Coaches stehen genauso zur Verfügung wie Stressmentor*innen in den einzelnen Teams. Ähnlich wie Ersthelfer*innen in Organisationen kann sich hierfür jeder oder jede melden, die andere unterstützen möchte. Ziel ist es, in möglichst vielen Teams Leuchttürme für Mental Health zu installieren.

Knüwer ist sich sicher: Selbst die reine Möglichkeit solcher Angebote nimmt den Mitarbeitenden eine Last von den Schultern, auch wenn diese sie vielleicht gar nicht in Anspruch nehmen. „Die Angebote sind ein Zeichen, dass unsere Organisation das Thema priorisiert und es eine Offenheit gibt. Und Offenheit erzeugt Offenheit.“  

Mental Health: Empathische Teamführung  

Das heißt: Je offener mit der psychischen Gesundheit umgegangen wird, desto mehr Menschen trauen sich, über ihre Probleme zu sprechen. So wie Thomas Knüwer, der selbst Erfahrungen mit Burn-out hat – und Hilfe brauchte. Heute weiß er: „Auch als Führungskraft darf man verletzlich sein und es ist wichtig, dass man ansprechbar ist. Empathische Teamführung und psychologische Sicherheit sind Kern moderner Führung.“ 

Gerade in der Kreativbranche ist Mental Health ein Thema – eine „überlastungsnahe“ Branche, nennt es Knüwer. Die Dichte und Geschwindigkeit der Arbeit haben zugenommen, eine Kampagne, die früher aus 30 Assets bestand, hat heute 500. „Unser Arbeitstag gleicht mittlerweile einer Zip-Datei. Dicht gepackt, eng getaktet“, sagt der Managing Director treffend. Damit umzugehen, sei eine Verantwortung, der sich alle Arbeitgeber stellen müssen, um nicht noch mehr Fachkräfte zu verlieren.  

Ideen als Baby  

Eine weitere Herausforderung in der Werbebranche: Die Trennung von privater und beruflicher Leidenschaft ist nicht immer gegeben. „Wer für Ideen brennt, kann sie nach Feierabend nicht einfach so abstellen“, so Knüwer. Der Werber vergleicht Ideen mit einem Baby, das man nach der Geburt stolz präsentiert.

Sind Kunden oder andere Beteiligte davon nicht so begeistert wie man selbst, steckt man das nicht immer leicht weg. Wichtig ist dann, darüber zu sprechen. Oder, wie es Knüwer sagt: „Diejenigen, die eine Schwäche eingestehen, sind die Starken. Denn sie sind dazu befähigt, etwas zu ändern.“ 


Lesen Sie hier Folge 1 unserer Serie Mental Health-Serie: Wie die Agentur Shitshow Organisationen dabei unterstützt, psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern.

(jag, Jahrgang 1980) ist freie Autorin und in der Marketingwelt zuhause. Seit ihrem Studium begeistert sie das Thema, denn es steht einfach nie still! Was heute ein Trend ist, kann übermorgen Standard sein – oder wieder weg vom Fenster. Als waschechte Münchnerin ist sie ihrer Heimat natürlich (mit Ausnahmen in Frankreich und Regensburg) treu geblieben: #schönstestadtderwelt!