Im Spiegel der digitalen Realität 

Das Cover der Juli/August-Ausgabe, dieses Mal gestaltet von der Berliner Agentur TLGG, ist nur auf den ersten Blick bunt und fröhlich. Wer genauer hinsieht, erkennt seine Ambivalenz. Über die Idee hinter der Gestaltung spricht Designerin Colette Conrad.
Das Thema der Juli/August-Ausgabe der absatzwirtschaft: Medien & Marketing. ©Cover-Gestaltung: Colette Conrad/TLGG

Seit Beginn ihrer Messung ist die Mediennutzung pro Kopf nahezu jedes Jahr gestiegen. Mit welchem Gerät wir unsere Zeit verbringen hat sich im Laufe der Jahrzehnte zwar verändert, dass Medien wie Radio, TV oder Social Media unser Bild von „der Gesellschaft“ und unserer Rolle darin geprägt haben, ist dabei aber unumstritten. Naja, sagen wir, die meisten würden dem zustimmen. 

Diese Idee eines Spiegels war für Colette Conrad, seit Januar 2022 im Design-Team von TLGG, die Basis für die Gestaltung des aktuellen Covers der absatzwirtschaft. Das Thema „Medien und Marketing“ habe sie sofort angesprochen, weil es offen und breit gefächert sei. Woran man merkt, dass sie, Jahrgang 1995, Teil der Gen Z ist? Ganz einfach: „Meine ersten Ideen gingen in Richtung Digitalität und Social Media, weniger zu den klassischen Medien.“ 

Vernetzung, Kommunikation, (Selbst-)Darstellung 

Wir sind umgeben von Bildschirmen: drinnen wie draußen. Und nicht zuletzt aufgrund des Siegeszugs des Handys, ohne das viele Menschen gar nicht mehr ihre Wohnung verlassen. Schließlich ist es längst mehr als ein Telefon. Es ist Navi, Wetterfrosch und Einkaufskorb. Es ist der Schlüssel zu einer vernetzten Welt, die Eintrittskarte in den digitalen Raum. Kurz: Es ist nicht mehr wegzudenken. 

Conrad hat das Handy in den Mittelpunkt des Covers gestellt. Das Abbild der Außenwelt werde in der digitalen Übersetzung immer verfremdet. Es könne sich nie um das Original handeln. Aber: Es sollte digital wirken. Die Kreative sagt: „Also habe ich den Netzwerkgedanken in Störeffekte und Verzerrungen übersetzt. Die Gesichter auf dem Cover werden in das Handy reingezogen. Der Bildschirm als Spiegel wird so zur Metapher für diese unvermeidbare Verfremdung.“ Denn das, was wir sehen, ist entscheidend davon geprägt, wer wir sind, in welcher Situation und zu welchem Zeitpunkt wir einen bestimmten Inhalt rezipieren. Die Kernaussage: Wahrnehmung ist so subjektiv wie jede*r von uns. 

Die Linien auf dem Cover stellen die Schichten des digitalen Raums dar, der „Look“ der Digitalität wird so nach außen gekehrt. Was Conrad damit deutlich machen möchte: Es fällt uns leicht zu vergessen, wie übermäßig ausgesetzt wir digitalen Inhalten sind. So hat sie es für den Schulterblick aufgeschrieben. 

Abbilder statt Wirklichkeit 

Ihre Sicht auf digitale Medien ist gespalten. Manchmal, sagt Conrad, wünsche sie sich eine Welt ohne Social Media. Dieses Empfinden wollte sie mit der Gestaltung des Titels transportieren: „Das Cover ist sehr ambivalent. Auf den ersten Blick macht es Spaß, es anzusehen. Es ist bunt, dynamisch und zieht einen rein.“ Es zeigt aber auch die Vielschichtigkeit des Themas. Denn: „Es ist komplex, den digitalen Raum auf eine Art zu navigieren, die authentisch, positiv und gesund ist. Das gilt für alle Entitäten, die sich im digitalen Raum befinden, egal, ob es sich um Marken, Agenturen, Influencer*innen oder ganz normale Personen handelt.“ 

Das Cover ist also auch als Erinnerung daran zu verstehen, sich mit dem Thema immer wieder kritisch auseinanderzusetzen. Und das haben wir mit dieser Doppelausgabe versucht. Mehr zum Thema Medien finden Sie hier.

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