Diversity, Equity und Inclusion (kurz DEI) sind aktuell heiß diskutiert. Die Trump-Administration verfolgt in den USA eine Anti-DEI-Agenda, viele Unternehmen haben sich dem bereits gebeugt. Auch in Deutschland haben bereits einige Firmen ihre Maßnahmen zurückgefahren. Spiegelt sich diese Entwicklung auch in den Agenturen wider?
Das hat der GWA in einer Neuauflage seiner Diversity-Studie von 2023 untersucht. Statt wie letztes Mal nur 19, nahmen in diesem Jahr über 90 Mitgliedsagenturen an der Studie teil. Diesmal stammen die Daten nicht aus Personaldaten der Agenturen, sondern aus einer schriftlichen Befragung von 1.027 Angestellten.

Laura Schlotthauer, Leiterin des GWA-Forums Diversity, Equity, Inclusion & Belonging, sieht in den Teilnehmerzahlen ein anhaltend hohes Interesse an dem Thema. Beim GWA-Frühjahrsmonitor im März 2025 gaben 84 Prozent der Agenturen an, an ihren DEI-Bemühungen festzuhalten. Die allgemeine Wahrnehmung unter den Angestellten ist positiv, doch es gibt auch Verbesserungsbedarf.
Gefühlte Inklusion ist hoch, faktische Diversität ausbaufähig
Die Branche werde mehrheitlich als inklusiv empfunden. 75 Prozent der Befragten fühlen sich von ihrer Agentur wertgeschätzt. Im direkten Team sind es sogar über 95 Prozent. Die Mitarbeitenden fühlen sich gehört und wahrgenommen. Weit über 80 Prozent der Befragten sehen sich ihrer Agentur zugehörig. Abweichungen gibt es bei der Wahrnehmung von Karrierechancen, die von über zehn Prozent nicht als fair und gleichberechtigt wahrgenommen werden.
Außerdem berichteten 22 Prozent der Befragten von Diskriminierungserfahrungen. Das betrifft Frauen (28 Prozent) häufiger als Männer (13 Prozent). Der Hauptgrund für Diskriminierung bilde demnach das Geschlecht. Männer fühlten sich vor allem von Altersdiskriminierung betroffen.
Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft scheint in der Agenturbranche eine Randerscheinung zu sein. In der Aufschlüsselung der Diversitätsmerkmale zeigt sich allerdings: sehr divers ist die Branche nicht. Potenzielle Diskriminierung benachteiligter Gruppen, zum Beispiel im Recruiting-Prozess, kann durch die Umfrage daher nicht abgebildet werden.
Geringer Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund
Im Schnitt ist die Branche jung und weiblich. 68 Prozent der Befragten gab an, zwischen 25 und 44 Jahren alt zu sein. Lücken gibt es an den Rändern. Die Prozentzahl der unter 24-Jährigen und der über 55-Jährigen ist einstellig. Knapp zwei Drittel der Angestellten sind Frauen, ein Drittel sind Männer. Vier Prozent würden sich als non-binär oder trans bezeichnen. Bei der Sexualität liege man im deutschen Schnitt, so Schlotthauer. Über 80 Prozent der Befragten gaben an, heterosexuell zu sein, 6,6 Prozent sind bisexuell und weitere 5,4 Prozent lesbisch oder schwul.
Knapp drei Viertel der Angestellten sind deutsch, mit deutscher Abstammung. Schlotthauer erklärt, damit sei die Branche im Vergleich zu 2023 trotzdem etwas internationaler geworden. 13 Prozent haben mindestens ein zugewandertes Elternteil, fast 10 Prozent der Angestellten sind selbst nach Deutschland migriert. Bei der ethnischen Zugehörigkeit zeigt sich allerdings wenig Diversität. Über 90 Prozent der Agentur-Mitarbeitenden sind weiß.
Auch beim Karriereweg zeigt sich ein recht eintöniges Bild. 70 Prozent der Angestellten haben studiert. Ein Drittel ist in Elternschaft und fünf Prozent haben Pflegeverantwortungen für eine erwachsene Person. Letzterer Wert sei allerdings im Auge zu behalten, sagt Schlotthauer, da sich der Pflegenotstand in den nächsten Jahren voraussichtlich verschärft.
Ambitionen leiden unter Wirtschaftslage
Schlotthauers Fazit: Trotz der kontrovers geführten gesellschaftlichen Debatte sei die Akzeptanz für Diversität in den Agenturen gestiegen. Der hohe Rücklauf der Umfrage spreche dafür, dass das Thema nach wie vor viele Menschen bewegt und vorerst nicht von der Bildfläche verschwinden werde.
Die gelebte Arbeitspraxis der Agenturen wird von den meisten Angestellten als inklusiv wahrgenommen. Die Agenturbranche zeige sich als stabile Kraft bei DEI. Dennoch gäbe es einige Repräsentationslücken und demnach auch Aufholpotenziale, DEI strategisch noch tiefer zu verankern. So sollten Agenturen künftig auch abseits der traditionellen Karrierewege nach Talenten suchen und vor allem in den Führungsebenen das Thema verstärkt anbringen.
Der GWA und auch seine Mitglieder sehen in DEI weiterhin eine Grundlage für Kreativität, Relevanz und auch Arbeitgeberattraktivität. Im Frühjahrsmonitor waren die DEI-Ambitionen der Agenturen ungebrochen hoch. Doch aktuell kämpfe die Branche mit anderen Zukunftsfragen, etwa der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells Agentur und der voranschreitenden KI-Entwicklung. Das Thema werde daher voraussichtlich etwas in den Hintergrund rücken, so das Fazit des GWA.
