GWA-Umfrage: Agenturvermarktung professionalisiert sich

Trotz Zeit- und Budgetmangels wird die Eigenvermarktung von Kommunikationsagenturen zunehmend wichtiger und professioneller. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern des Forums Agenturvermarktung im GWA.
Der GWA veranstaltet jährlich den Früjahrsmonitor als Umfrage unter seinen Mitgliedern zur aktuellen Stimmung in der Branche.
Der GWA ist die Branchenstimme für mehr als 160 Mitglieder, darunter die führenden Kommunikationsagenturen in Deutschland. (© GWA)

Die Agenturvermarktung wird zur Chefsache: In den meisten Kommunikationsagenturen ist die Eigenvermarktung strategisch direkt unter dem C-Level aufgehängt. Wie eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern des Forums Agenturvermarktung (vormals „Netzwerk Eigenkommunikation“) im GWA zeigt, planen 15,1 Prozent der befragten Agenturen, 2026 mehr Mitarbeitende im Bereich Kommunikation und Marketing einzusetzen, weitere 77,4 Prozent wollen die Zahl der Mitarbeitenden konstant halten.

Zentrale Ziele der Agenturvermarktung sind demnach Leadgenerierung und Neukundengewinnung. Der Arbeitsalltag ist stark geprägt von Kundenkontakt, Direktansprache und der Konvertierung von Kontakten in konkrete Geschäftsanfragen.

Die Online-Befragung wurde im Oktober 2025 durchgeführt und von 54 Verantwortlichen aus GWA-Agenturen beantwortet.

LinkedIn bleibt wichtigster Kanal

Als wichtigste Kanäle für die Eigenvermarktung nennen die Befragten LinkedIn, gefolgt von Events und Fachpublikationen.

Gleichzeitig sehen die Agenturvermarkter deutliche Hürden: Zeit- und Budgetmangel werden am häufigsten genannt, ebenso sinkende Öffnungs- und Antwortraten sowie steigende Anforderungen an datenbasierte Ansprache.

„Agenturvermarktung professionalisiert sich deutlich. Mit wachsendem wirtschaftlichen Druck und steigender Komplexität im Agenturbusiness legen immer mehr Agenturen einen klaren Fokus auf ihre Vermarktung und Eigenkommunikation“, sagt Benjamin Werner, Head of Group Marketing FischerAppelt und Sprecher des Forums Agenturvermarktung im GWA.

KI verändert Eigenvermarktung grundlegend

Als mit Abstand wichtigsten Trend bis 2027 nennen die Befragten Künstliche Intelligenz. Insbesondere in der Content-Erstellung, -Distribution und -Automatisierung erwarten Agenturen tiefgreifende Veränderungen. Schon 2026 wird sich die Content-Produktion laut Umfrage durch KI am stärksten verändern.

Gleichzeitig gewinnt Content-Marketing weiter an Bedeutung: Eine Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass Content-Marketing 2026 eine größere Rolle spielen wird als im Vorjahr. Erfolge werden dabei vor allem an konkreten Geschäftsanfragen gemessen – klassische Reichweitenkennzahlen treten in den Hintergrund.

Strategisch nah am C-Level

Die Umfrage zeigt zudem, dass Eigenkommunikation und Agenturvermarktung in den meisten Agenturen strategisch direkt unter dem C-Level aufgehängt sind. Häufigste Jobbezeichnungen sind New Business und Business Development, wobei viele Eigenvermarkterinnen und -vermarkter parallel auch für externe Agenturkunden arbeiten. Die Teamgrößen liegen überwiegend bei zwei bis vier Mitarbeitenden.

„Unsere Umfrage zeigt: Der Bereich Eigenkommunikation beziehungsweise Agenturvermarktung ist in den Agenturen meist direkt unter dem C-Level aufgehängt“, so Werner. „Das unterstreicht die strategische Relevanz dieses Bereichs – gerade in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt.“

(tht, Jahrgang 1980) ist seit 2019 Redakteur bei der absatzwirtschaft. Davor war er zehn Jahre lang Politik- bzw. Wirtschaftsredakteur bei der Stuttgarter Zeitung. Der Familienvater hat eine Leidenschaft für Krimis aller Art, vom Tatort über den True-Crime-Podcast bis zum Pokalfinale.