Friedrich Merz wäre als CEO von Deutschland schon gekündigt worden

Friedrich Merz als CEO von Deutschland? Er wäre längst gefeuert worden. Eine Abrechnung mit einem Kanzler, der keine Vision hat und Verantwortung lieber verwaltet als gestaltet.
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Für seinen gesellschaftlichen Einsatz wurde Michael Fritz als „Markenpersönlichkeit 2024“ mit dem Marken-Award ausgezeichnet. (© Viva con Agua, Montage: Lars Deutsch)

Ich habe neulich aus Neugier bei Chat GPT eingegeben, was die Hauptaufgaben eines CEOs sind. Einfach, um zu schauen, ob ich etwas übersehen habe. Zum Glück bin ich bei Viva con Agua ein freies Radikal und kein CEO. Also weniger Tabellen und mehr Zauber. Aber die Funktionen eines CEOs sind trotzdem ganz hilfreich für die Beurteilung von Leadership auf gesellschaftlicher Ebene. Und wenn man diese Aufgaben an den CEO unseres Landes anlegt, wird es schnell unangenehm.

Denn mal ehrlich. Wäre Friedrich Merz CEO von Deutschland, wäre er schon mehrfach gekündigt worden. Oder mindestens in einem richtig harten Performance Review gelandet.

Erstens: Richtung geben. Ein CEO schafft Orientierung. Warum machen wir das alles und wohin geht die Reise. Bei Merz sehe ich keine Vision. Keine Orientierung. Kein Gefühl von gemeinsamer Zukunft. Es wirkt wie Politik ohne Kompass. Machtverwaltung statt Zukunftsgestaltung.

Zweitens: Menschen befähigen. Ein CEO ermöglicht anderen zu wachsen. Verantwortung teilen, Talente fördern, Räume öffnen. Ganz ehrlich. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Merz irgendwen strahlen lassen will außer sich selbst. Leadership ist kein Scheinwerfer auf die eigene Person, sondern ein Licht, das andere leuchten lässt.

Drittens: Kultur vorleben. Werte leben. Vertrauen schaffen. Klar sein. Menschlich sein.
Was wir gerade erleben, fühlt sich wie das Gegenteil an. Ein kommunikativer Wackelkontakt. Heute Provokation, morgen Erklärung, übermorgen Relativierung. Und die Stadtbild-Aussagen waren kein Ausrutscher, sondern ein tiefes kulturelles Problem. So verliert man Vertrauen in Politik. Nicht, weil man Fehler macht, sondern weil man Verantwortung vermeidet.

Viertens: Entscheidungen treffen. Zuhören, abwägen, Verantwortung übernehmen.
Die Reaktion auf die Stadtbild-Debatte war ein Meisterkurs im Nicht-Verantwortung-Übernehmen. Keine klare Differenzierung, kein echtes Bedauern, kein Bewusstsein für Wirkung und Verantwortung.

Fünftens: Ressourcen sichern Strategisch denken, nachhaltig handeln, Stabilität schaffen.
Ich sehe keine Strategie, die das Land zusammenhält. Kein nachhaltiges Bild einer starken, offenen, innovativen Zukunft. Eher eine defensive Haltung gegen Veränderung statt für Wandel.

Sechstens: Außenwirkung gestalten. Ein CEO ist Botschafter. Baut Brücken. Holt Menschen rein, statt sie rauszudrücken. Die Außenwirkung für Deutschland ist gerade kein Standortmagnet. Talente weltweit schauen eher skeptisch als begeistert. Und wir brauchen doch gerade jetzt ein Land, das einlädt, statt abschreckt.

Siebtens: Zukunft bauen. Innovation fördern, Mut machen, Chancen erkennen.
Im Moment fühlt es sich an als würden wir politisch nicht in die Zukunft investieren, sondern in die Vergangenheit flüchten. Und Zukunft braucht nicht Nostalgie, sondern Mut.

Kurz gesagt: Ein CEO sollte Kompass sein. Brückenbauer, Kulturträger und Möglichmacher.

Und all das sehe ich bei Friedrich Merz nicht. Die Frage ist also nicht, ob ich recht habe.
Sondern ob wir uns ein Land leisten wollen, das wie ein Unternehmen ohne Vision geführt wird.

Würden wir ihm als CEO vertrauen? Oder wäre es Zeit für ein neues Management? 

Michael Fritz ist Mitgründer von Viva con Agua und Social Entrepreneur. Seit über 17 Jahren engagiert er sich mit kreativen Projekten wie der Millerntor Gallery, Goldeimer oder Villa Viva für den weltweiten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Darüber hinaus nutzt er seine Stimme, um auf gesellschaftliche Missstände wie Rassismus, Diskriminierung oder die Klimakrise aufmerksam zu machen und entwickelt soziale Kooperationen, Projekte und Unternehmen.