Empfehlungen von Virginie Briand (Deloitte Digital)

Hier stellen Marketing- und Agenturentscheider*innen Fundstücke aus der Welt der Medien vor, die sie inspirieren. Heute: Virginie Briand, Director Creative Consulting bei Deloitte Digital
Virginie Briand ist Director Creative Consulting bei Deloitte Digital ©Deloitte (Montage: Olaf Heß)

Von Virginie Briand, Director Creative Consulting bei Deloitte Digital

Searching for Sugar Man

Der oscarprämierte Dokumentarfilm „Searching for Sugar Man“ erzählt die unglaubliche Geschichte eines mexikanisch-amerikanischen Songwriters, dessen zwei Alben in den frühen Siebzigern in Amerika floppten, der aber in Südafrika während der Apartheid ein großes Publikum fand. Sixto Rodriguez hatte lange Zeit keinen blassen Schimmer, dass er dort längst eine Legende war. Bis eine Gruppe von Fans ihn im Internet fand und ihn für eine Reihe von Konzerten nach Südafrika einlud. Ich habe den Film mit Freunden in London gesehen und immer, wenn ich die wunderbare Musik von Rodriguez höre, denke ich an dieses Märchen. Eines, dessen Ursprung wohl nur in einer analogen Zeit ohne das World Wide Web möglich war. Und dessen Happy End wiederum nur im digitalen Zeitalter.

Reality-Based Leadership

„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“ Mit diesem Zitat des persischen Dichters Rumi eröffnete Cy Wakeman – selbsternannte Dramaforscherin – ihre Keynote bei der SXSW 2018. Ihr Konzept des „dramafreien“ Arbeitsumfelds war mein persönliches Highlight in Austin. Studien zufolge, die Cy veröffentlicht hat, verbringt ein durchschnittlicher Mitarbeitender bis zu 2,5 Stunden täglich mit „Office-Dramen“, also unproduktiven Arbeitsunterbrechungen, die darauf zurückzuführen sind, dass uns unser Ego im Weg steht. Unter dem Motto „Your ego is not your amigo“ drehen sich Wakemans Bücher darum, wie Führungskräfte ihre Teams und sich selbst empowern.

Be more pirate

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Buch ist, dass Rebellion nicht bestraft, sondern gefeiert werden sollte. Wir müssen die Art und Weise, wie Dinge gemacht werden, kollektiv infrage stellen, aber nicht nur die Regeln brechen, sondern sie vor allem neu schreiben! Die Piraten des Goldenen Zeitalters lehnten die Gesellschaft nicht nur ab, sie erfanden sie mit Kreativität, Zielstrebigkeit und Mut neu. Das ist die Grundidee vom 2018 erschienenen Bestseller „Be More Pirate“ des britischen Autors Sam Conniff.

The Checklist Manifesto

In einem Laden in Peking bin ich auf dieses Buch gestoßen. Es ist eine Hommage an die Checkliste. Der Autor, Atul Atmaram Gawande, ist praktizierender Chirurg und der Startpunkt seiner klugen Gedanken ist die Einhaltung von Checklisten in Krankenhäusern wie beispielsweise bei Operationen. Checklisten, die bekanntermaßen lebensnotwendig sein können. Das Konzept überträgt Gawande aufs moderne Management. Er unterscheidet dabei zwischen „Unwissenheitsfehlern“ (Fehler, die wir machen, weil wir nicht genug wissen) und „Ungeschicklichkeitsfehlern“ (Fehler, die wir machen, weil wir das, was wir wissen, nicht richtig nutzen). Also: Ran an die Checkliste!

Corporate Political Responsibility: Wie Unternehmen die Demokratie und damit sich selbst stärken

Für mich eines der wichtigsten und in Anbetracht der Zeit, in der wir leben, relevantesten Sachbücher rundum Markenpositionierung und -führung. Spätestens seit Ex-Siemens-Chef Joe Kaesers berühmt-berüchtigtem Tweet „lieber Kopftuch-Mädel als Bund-Deutscher-Mädel“ und seinem anschließenden Appell an seine CEO-Kollegen, politisch mehr Stellung zu beziehen, wabert das Thema der politischen Haltung von Unternehmen im Unklaren. Aber: Es gibt nichts Unpolitisches im Wirtschaftlichen mehr. Und vor den uns aktuell umtreibenden geopolitischen Herausforderungen, dem Aufhalten des Klimawandels und der Frage der sozialen Gerechtigkeit sowie der gesellschaftlichen Teilhabe braucht es klare Haltungen von Marken und Unternehmen. Autor Johannes Bohnen beschreibt das so: „Die Stabilität von Demokratien besteht genau in dieser Dynamik, darin, dass sie durch die offerierten Freiheitsgrade eine Pluralität von Standpunkten sichtbar machen und Veränderungen ermöglichen. Nur eine lebendige demokratische Debattenkultur hält unsere Gesellschaft langfristig stabil und innovativ. Davon profitieren Unternehmen. Deswegen sollten sie ihre politische Diskursfähigkeit verbessern.“ Oder wie „Harvard Business Review“ zurecht betitele: „Business can’t take Democracy for granted“.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der April-Printausgabe der absatzwirtschaft.