Brief an mein jüngeres Ich: Kerstin Köder 

Im Brief an sich selbst blicken bekannte Köpfe aus dem Marketing zurück. Heute: Kerstin Köder, CMO für Mittel- und Osteuropa bei SAP. Sie erinnert sich an die Frau, die ihren Mut prägte: ihre Großmutter.
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Das junge Mädchen wird die erste in ihrer Familie sein, die ein Studium aufnimmt. Später schlägt sie eine eindrucksvolle Karriere ein. (© privat, Montage: absatzwirtschaft)

Liebe Kerstin,  

kannst du dich an den Tag erinnern, als du mit etwa zehn Jahren in der Küche deiner Oma im tiefsten Bayern standest? Der Duft frisch gedämpfter Dampfnudeln lag in der Luft. Du hast stets versucht, dir ihre großartigen Rezepte einzuprägen. Aufgeschrieben hat sie nichts. „Des host im Gfui“, pflegte sie zu sagen.  
 
Eine besonders einprägsame Unterhaltung hast du auch Jahre später noch in deinem Gedächtnis. Oma fragte dich eindringlich, warum du denn unbedingt aufs Gymnasium und studieren wolltest. Denn eine junge Frau, so war ihre klare Meinung, die kümmere sich schließlich um das Wohl der Familie. Ein Universitätsabschluss war in ihren Augen eine Zeitverschwendung. 

Mut gegen Konventionen 

Warum sollte es deine Oma auch anders sehen? Niemand in der Familie hatte zu diesem Zeitpunkt studiert. Bei dir schrillten damals alle Alarmglocken, denn: genau das wolltest du ändern. Jetzt erst recht!  

Was du damals keinem gesagt hast: Du hattest riesigen Respekt vor deiner eigenen Courage. Ob du das auch wirklich schaffen würdest? 

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Kerstin Köder ist seit acht Jahren bei SAP und verantwortet das Marketing für Mittel- und Osteuropa. Zuvor war sie bereits 18 Jahre bei Freenet, zuletzt als Director Marketing. (© Sylviane Brauer)

Du hattest hier einen besonderen Punkt in deinem noch jungen Leben erreicht, denn du wusstest: Wenn ich diesen Weg gehe, dann bin ich erst einmal auf mich gestellt. Keiner in der Familie wird mir helfen können, wenn’s knifflig wird. Im Hinterkopf blieb aber die immer wiederkehrende Frage: Kriege ich das wirklich hin? 

Eine Frage, die dir auch Jahre später wieder begegnete – etwa, als du vom Vorstand der Freenet AG zur Marketingleitung derselben berufen wurdest. Du? Ja, genau Du! 

Fünf Ratschläge für das jüngere Ich 

Nach vielen prägenden Erlebnissen sind hier meine fünf wichtigsten Ratschläge für dich: 

Hab Vertrauen in dich selbst! 

 Alles, was du dir vorstellen kannst, kannst du auch erreichen. Und meist noch viel mehr als das. Denn wenn andere der Meinung sind, du bist der oder die Richtige für etwas, was soll denn dann noch schiefgehen? 

Lerne zu wachsen!  

 Trau’ dich, nimm es leicht und lass’ dich bloß nicht durch permanentes Vergleichen und Perfektionismus ausbremsen. Daher mein Motto: „Wenn man stolpert: Aufstehen, Krönchen richten und weitergeht’s!” 

Nimm nicht alle(s) zu ernst in deinem Alltag!  

 Am Ende ist es nur ein Job, und das Leben hat noch so viele Facetten mehr. Dein Wert als Mensch wird nicht an deiner Leistung im Job festgemacht. Familie, Freundschaften, Sport und Gesundheit sind mindestens genauso wichtig.  

Baue dir deinen Nordstern!  

Einen, der dich leitet, bei allen kleinen und vor allem bei den großen Entscheidungen des Lebens. Aber: Das Leben braucht keinen fixen Plan. Es braucht Leidenschaft in allem, was du anpackst, und die Offenheit, die Chancen entlang des Weges zu erkennen und zu nutzen. Wer die kleinen Blumen am Wegesrand wahrnimmt, dem fehlt es an nichts.  

Es geht ums Wir, nicht ums Ich!  

Last but not least, nimm dir dieses chinesische Sprichwort zu Herzen: „Willst du eine Stunde lang glücklich sein, mach ein Nickerchen. Willst du einen Tag lang glücklich sein, geh angeln. Willst du ein Leben lang glücklich sein, hilf anderen.“  

Und vor allem: Bleib dir selbst treu! 

Deine Kerstin