Audio wirkt – warum Marken den Kanal unterschätzen

Aufmerksamkeit ist die knappste Ressource im Marketing. Werbungtreibende in Deutschland investieren jährlich rund 27,5 Milliarden Euro in Mediawerbung. Doch wo diese Budgets die höchste Wirkung entfalten, wird selten evidenzbasiert beantwortet. Ein Kanal, der in der Wirkungsforschung konstant überdurchschnittlich abschneidet, spielt in vielen Mediaplänen eine Nebenrolle: Audio.
Streaming und Podcast im exklusiven Hörmoment.
Streaming und Podcast im exklusiven Hörmoment. (© RMS)

Drei Säulen, eine Stärke

Audio ist kein Nischenmedium. Laut aktueller MA Audio erreicht der Kanal täglich 53 Millionen Menschen in Deutschland – fast 75 Prozent der Bevölkerung. Diese Reichweite verteilt sich auf drei Säulen mit je eigenen Stärken:

Radio als täglicher Reichweiten-Anker
Radio als täglicher Reichweiten-Anker (© RMS)

Radio bleibt der Reichweiten-Anker: konstante Tagesbegleitung im Auto, in der Küche, am Arbeitsplatz. Radio gilt als eines der glaubwürdigsten Medien überhaupt und bietet damit einen Vertrauensbonus, von dem auch Werbungtreibende profitieren.

Streaming wächst rasant und erreicht jüngere Zielgruppen dort, wo klassisches Radio an Grenzen stößt. Musik-Streaming-Dienste bieten präzises Targeting und digitale Messbarkeit.

Podcasts ergänzen die Reichweite mit Tiefe und Nähe. Laut der RMS PodcastStudie 2026 hören 34 Prozent der Deutschen regelmäßig Podcasts, 23 Prozent sogar täglich. Die Host-Bindung sorgt für hohe Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit.

Was alle drei Formate verbindet: Sie begleiten Menschen in Situationen, in denen andere Medien keinen Zugang haben: unterwegs, beim Sport, beim Kochen, Pendeln. Werbebotschaften landen hier nicht im visuellen Grundrauschen, sie haben den Moment für sich.

Die Wirkungslücke: Was deutsche Studien zeigen

Die Studienlage zur Werbewirkung von Audio ist bemerkenswert dicht. Die RMS-Studie „Audio on – Search up!“ hat anhand von 21 Marken über drei Jahre nachgewiesen, dass Audiowerbung das Google-Suchvolumen signifikant steigert, und zwar überproportional zu den Spendings. Die Kombination von TV und Audio sorgt für den höchsten Anstieg des Suchvolumens insgesamt.

Die Branchenstudie „Brandbuilding mit Audio“ von Audioeffekt, einer gemeinsamen Initiative von ARD MEDIA und RMS, belegt für 60 Marken: Der Mental Market Share korreliert stark mit dem tatsächlichen Marktanteil. Wer im Ohr ist, ist auch im Kopf. Und am Ende im Einkaufswagen.

Was passiert, wenn Marken auf Audio verzichten? Die Studie „When Brands Go Silent“ zeigt: Bereits im ersten Jahr treten signifikante negative Effekte auf Umsätze und Marktanteile ein.

Messbarkeit und Performance von Audio
Messbarkeit und Performance von Audio (© RMS)

Brand Safety statt Blackbox

Während die Wirkungsdaten für Audio sprechen, fließen Budgets zunehmend in digitale Plattformen wie Google, Meta oder TikTok. Doch diese Umfelder bieten keine journalistisch kuratierten Inhalte – und operieren als Walled Gardens mit eigenen, oft intransparenten Regeln für Targeting, Messung und Werbeauslieferung.

Radio, Streaming und Podcast funktionieren anders: Sie bieten ad-fraud-freie Umfelder mit redaktioneller Verantwortung. Marken wissen, wo ihre Botschaft läuft. Sie profitieren von Brand Safety, transparenten Standards und einem Publikum, das aktiv zuhört, nicht scrollt. In einer Zeit, in der Regulierer und Werbungtreibende zunehmend ein Level Playing Field fordern, ist das ein Argument mit Gewicht.

Warum die Budgets nicht folgen

Die Ausgaben für Audiowerbung liegen bei rund 880 Millionen Euro – im Kontext eines 27,5-Milliarden-Marktes ein Anteil, der mit den Wirkungswerten schwer vereinbar ist. Die Gründe liegen weniger in der Forschung als in Planungsroutinen und einem visuellen Bias: Was man nicht sehen kann, wird unterschätzt.

Mehr als Reichweite: Audio als Performance-Treiber

Die Vorstellung, Audio sei primär ein Branding-Medium oder reiner Abverkaufs-Booster, greift zu kurz. Die „Audio on – Search up!“-Studie belegt, dass Audiowerbung messbar auf Performance-KPIs einzahlt. Digitale Audio-Formate bieten programmatisches Targeting und granulare Messbarkeit. Programmatic Radio macht diese Aussteuerung jetzt auch für das klassische Radio anwendbar.

Die Datenlage ist eindeutig. Die Frage ist nicht mehr, ob Audio wirkt – sondern warum so viele Mediapläne diese Wirkung noch nicht abbilden.