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Ehrlichkeit statt Selbstdarstellung: Lebenslauf mal anders

Die Bewerbungswelt ist eine Welt voller Lügen und Beschönigungen. Jede Schwäche muss als Stärke, jede Niederlage als Horizonterweiterung dargestellt werden, um wahrgenommen zu werden. Oder? Werbetexter Jeff Scardino hat es zur Abwechslung mal mit Ehrlichkeit versucht.

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Selbstdarstellung im Bewerbungsprozess ist eine Gratwanderung. Am liebsten möchte man ja glänzen, mit allerlei tollen Referenzen und einem lückenlosen Erfahrungsschatz. Kein Mensch aber ist perfekt, das wissen auch Personaler. Deswegen stellen sie oft diese eine knifflige Frage: die nach den Schwächen. An dieser Stelle ist besonderes Geschick von Nöten. Niederlagen, Stürze und Verirrungen auf dem Weg zum besten Ich wollen in positive Formen gegossen, in Horizonterweiterungen gekleidet werden. Schwächen sollen hier zu Tugenden geformt werden, getreu dem Motto: „Ich bin einfach zu gut für diese chaotische, böse, inkompetente und narzisstische Welt – und deswegen genau der/die Richtige für Sie.“

Denn, wer will schon jemanden einstellen, der zugibt, in mancherlei Hinsicht schwierig zu sein? Ja, wer?

Ich bin unpünktlich und kann mir keine Namen merken

Jeff Scardino hat versucht, diese Frage zu beantworten. Der freischaffende Werbetexter bewirbt sich für zehn freie Stellen und setzt dabei schlicht und einfach auf Ehrlichkeit: Er schreibt, dass er unpünktlich ist, sich keine Namen merken kann, dass er sich selten Notizen macht. Dann fügt er eine Liste „schlechter Referenzen“ hinzu, denn im Laufe seiner Karriere hat er wohl so manchen Creative Director zur Weißglut getrieben.

Seine Strategie zumindest scheint aufzugehen: Acht von zehn Unternehmen haben Scardino zufolge auf seine ehrliche Bewerbung geantwortet, bei fünfen kam es zu einem persönlichen Gespräch. Auf die parallel abgesendete „traditionelle“ Bewerbung hingegen bekam er nur eine einzige Rückmeldung.

Wer sich schon immer damit schwer getan hat, dem Papier-Ich den richtigen Anstrich zu geben und es in Zukunft Scardino gleich tun möchte, kann sich eine Vorlage für den „ehrlichen Lebenslauf“ auf dessen Website herunterladen.

 

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Kommentare

  1. Ich bin dem Kandidaten schon lange voraus gewesen und habe auch einen ehrlichen Lebenslauf dargestellt mit meinen Schwächen. Das Ergebniss: nur absagen.hingegen mit dem strahlenden Lebenslauf Einladungen erhalten. Fakt: Deutsche Personal Politik ist nicht reif für Authentizität und Ehrlichkeit. Armselig und blamabel wie Personalerdie Welt sehen wollen.

  2. Diesen Eindruck kann ich nicht bestätigen. Ehrlichkeit in Bewerbungsgesprächen, Absagen etc. ist sehr selten. Ich hatte aktuell lediglich 1 Gespräch in dem erkennbar war dass die Bewerbung/Zeugnisse gelesen und Verstanden wurden. Es herscht das ‚abhaken von Scheinen‘ und ‚der plug and play‘ Anspruch zu geringen Kosten vor. Es ist schnell zu merken wenn BWL Schlipse in technischen Bereichen das sagen haben – da ist Ehrlichkeit in der Anstellung auch nicht erwünscht.

  3. Als Personaler komme ich mir echt „veräppelt“ vor, wenn mir ein Bewerber schon in den Unterlagen schreibt, dass er unpünktlich ist und sich keine Namen merken kann. Entweder wollten in den beschriebenen Fällen Personaler einfach ihre Neugier befriedigen und haben deshalb zum Gespräch eingeladen. Wer mit normalem Menschenverstand macht denn einen Arbeitsvertrag mit einem Bewerber, der solche Schwächen offen zugibt? Ich kenne da noch keinen!

  4. Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Berücksichtigung der Branche in diesem Fall. Von einem Werbetexter wird Kreativität erwartet. Es gehört zu seinen zukünftigen Aufgaben mit seinen Texten stets hohe Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die eigenen Bewerbungsunterlagen einmal anders zu gestalten, kann in diesem Zusammenhang als kleine „Arbeitsprobe“ angesehen werden. Das Ziel „Interesse zu wecken“ und ein persönliches Gespräch zu führen, wurde hier zu 50% erreicht. Diese Quote ist nicht auf andere Berufe und Branchen übertragbar. Generell sollten Bewerbungsunterlagen bei der Wahrheit bleiben und dabei die Erfolge und Leistungen des Bewerbers in den Vordergrund stellen. Diese interessieren den potentiellen Arbeitgeber nun mal am allermeisten.

  5. Ich bezweifle nicht das Resultat dieser „Studie“ als interessante Variante, hier psychologisch einmal andere Knöpfe in Köpfen von Bewerbungsempfängern erfolgreich gedrückt zu haben. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass Bewerbung nach wie vor und auch auf Sicht den bekannten und eher recht konservativen Regeln folgen wird. „Haben wollen Reflexe“ werden i.d.R durch Hochglanzprospekte inklusive einer möglichst langen Sonderausstattungsliste ausgelöst. Bewerben Sie doch einmal ihren lilafarbenen Gebrauchtwagen mit lückenhaftem Inspektionsbuch, frisiertem KM-Stand und ehrlicher technischer Mängelliste. Der sich ggf. meldende Betreiber des örtlichen Autofriedhofs wird Sie freundlich über seinen Preis einer fachgerechten Entsorgung informieren.

  6. Der Kommentar des „Personalers“ G.C. spricht irgendwie für sich… Er bestätigt das technokratische Selbstverständnis der meisten Betriebswirte und HR-Manager und zeigt zugleich deren Systemhörigkeit und Linientreue. Ich sag nur eins: Im Gleichschritt – MARSCH!

    Allerdings pflichte ich denen bei, die darauf hinweisen, dass die im Artikel beschriebene Vorgehensweise tatsächlich nur branchenspezifisch eine solche Erfolgquote haben dürfte, da die meisten Personaler eben auf eine volle Breitseite an Blenderei und Selbsdarstellung – ich nenn’s Lug und Trug – im jeweils angesagten Format/Design bestehen. Es geht Ihnen nicht um das Wesen, sondern um den Anschein. Leider sheen sie selbst das nicht, niemals, denn sie können oft nicht auf Menschenkenntnis und Empathie zurückgreifen (sie würden sonst wohl keine Personaler werden) und könnten sich selbstverständlich auch nicht nach oben absichern, wenn sie vom Mainstream abweichende Bewertungen von Bewerbern bzw. Einstellungen argumentativ untermauern müssten. Das geht nur im vorgegebenen Korsett… – Nun gut! Ich gehe mit Aspiranten lieber einen Kaffee oder Bier trinken und das auch nur mit solchen, die nachweislich schon mal auf die – mit Verlaub – Fresse geflogen sind und sich eher ehrlich beworben haben. Der Erfolg gibt mir Recht. (BTW: Ich arbeite in einer ziemlich konservativen Branche…)

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