Brief an mein verstorbenes Ich, Folge 9: Philip Pelgen

Im Brief an sich selbst blicken bekannte Köpfe aus dem Marketing zurück – nur dieses Mal ist es anders. Philip Pelgen, Gründer von Deutschlands erster Social-Media-Agentur für die Bestattungsbranche, wendet sich an sein verstorbenes Ich.
Philip Pelgen
Philip Pelgen hat Unvergessen gegründet. Die Social-Media-Agentur hat sich auf die Bestattungsbranche spezialisiert. (© Unvergessen.de/AdobeStock)

Hey Philip,

ach Mann – jetzt bist du tot. Ich hoffe, du warst im Alter noch halbwegs fit und konntest dein Leben bis zum Schluss genießen. Wenn du aber deine komplette Zeit und deine Gesundheit für die Arbeit geopfert hast, dann mag ich dich jetzt nicht mehr.

Du weißt, wie engagiert ich beruflich bin – es wäre schade, wenn ich dadurch vieles im Leben verpasst hätte. Habe ich die ganze Welt bereist? Habe ich meine Freundschaften gepflegt? Habe ich meine Traumfrau geheiratet und Kinder bekommen? Bitte sag Ja!

Leider hast du auch den einen oder anderen schweren Verlust verkraften müssen. Doch ich bin verdammt stolz darauf, wie du das gemeistert hast.

Du hast aus dem Erlebten ein Unternehmen geschaffen, welches die Art und Weise, wie die Welt mit Trauer und Tod umgeht, komplett verändert hat. Und du konntest mit einem wundervollen Team vielen Trauernden in der schwersten Zeit des Lebens helfen. Zumindest hoffe ich, dass du diesen Plan aus deinen 20ern konsequent weiterverfolgt hast.

Wenn ich mir an dieser Stelle eine Sache wünschen darf, dann ist es Folgendes: Ich hoffe,

du hast an deinem Sterbebett keine deiner Entscheidungen bereut. Es gibt so vieles im Leben, wovon wir uns abhalten lassen, weil uns andere einreden, es sei nicht das Richtige. Es gibt so viele Dinge, die wir uns nicht trauen, obwohl sie gar nicht schlimm sind. Ich hoffe, du hast diese Bedenken immer ignoriert und einfach dein Ding gemacht.

Was mich jetzt zum Abschluss echt noch interessiert: Wie war es eigentlich zu sterben? Wie fühlt sich das an? Das ist ja nun wirklich die einzige Frage des Lebens, auf die wir nie eine Antwort bekommen werden.

Ich stelle es mir irgendwie total friedlich und sanft vor. Als würde mich etwas ganz weich umhüllen und wegschweben lassen. Fast so wie einschlafen im Lieblingsbett mit Lieblingsdecke. Oder war es eher etwas plötzlich und radikal wegen einer Unacht­samkeit beim Snowboarden? Ach nee, du warst bestimmt immer vorsichtig und vernünftig genug … Liebes verstorbenes Ich, es ist wirklich traurig, dass es jetzt vorbei ist. Aber ich bin mir sicher, dass es das wert war!

Dein lebendiges Ich.


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