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„Den amerikanischen Tech-Giganten nicht die Login-Hoheit überlassen“: Ottos Digitalchefin zur Zusammenarbeit mit der NetID

Ottos Digitalchefin Sabrina Zeplin

Der Markt der Login-Allianzen ist weiter in Bewegung: Immer mehr Unternehmen schließen sich der Login-Allianz NetID und dem zu Axel Springer zählenden Bündnis Verimi an. Sabrina Zeplin, Konzern-Direktorin Business Intelligence,erklärt im Gespräch, warum sich der Handelsgigant Otto der NetID angeschlossen hat und warum beide Allianzen zusammenarbeiten sollten.

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Das Gespräch führte Gregory Lipinski

Frau Zeplin, ursprünglich hatte die Otto Group mit der Log-In-Allianz um Axel Springer, Deutsche Bank & Co. geliebäugelt. Jetzt hat sich der Versandhändler bei der NetID um die Fernsehsender RTL und ProSiebenSat.1 angedockt. Gaben die Querelen um den Abgang von Donata Hopfen als Verimi-Chefin den Ausschlag oder warum der Sinneswandel?

SABRINA ZEPLIN: Nein, ich schätze Donata Hopfen sehr. Dennoch war das Ausscheiden von ihr bei Verimi für uns kein Grund. Und auch von einem Sinneswandel würde ich nicht sprechen. Wir haben uns von Beginn an beide Login-Allianzen genau angeschaut und intensive Gespräche geführt. Am Ende sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die NetID für die Otto Group der bessere Partner ist. Im Zuge der E-Privacy-Verordnung verfügt die NetID über die richtigen Anwendungen, um im Online-Marketing Daten am besten zu nutzen.

Also ist Verimi für die Otto Group passé?

Nein. Ich will nicht ausschließen, dass die Otto Group auf Sicht auch mit Verimi kooperiert. Das wird aber nicht kurzfristig der Fall sein. Meine große Hoffnung ist, dass beide Systeme durchlässig werden. Das heißt, dass es zu einer großen Allianz kommt oder beide zumindest im kleineren Rahmen zusammenarbeiten.

Von RTL, Pro Sieben Sat 1, Spiegel, Gruner + Jahr, Süddeutsche Zeitung – die NetID ist vor allem eine Allianz mediennaher Unternehmen. Fühlen Sie sich hier besser aufgehoben?

Ich würde die NetID nicht als reine mediennahe Allianz bezeichnen. Erst jüngst wurde bekannt, dass andere Online-Händler wie Zalando, Douglas und Conrad und auch Finanzdienstleister an Bord gegangen sind. Ich glaube, dass die Gesellschaft für die E-Commerce-Branche und insbesondere fürs Online-Marketing eine ideale Plattform ist.

Warum?

Im Moment poppen überall Cookie-Banner hoch. Sie sind extrem nervig und führen dazu, dass die Webseiten von Publishern sowie E-Commerce-Anbietern zum Surfen für Nutzer kein wahrer Genuss sind. Mit der NetID wird dies einfacher. Die Nutzer können bei einem Center ihre Zustimmungen beziehungsweise Genehmigungen zentral hinterlegen. Dadurch brauchen sie sich nur einmal anzumelden, um auf Webportalen – darunter dann zum Beispiel auch Otto und MyToys – problemlos einzukaufen.

Ist das der einzige Vorteil, warum sie sich der NetID angeschlossen haben?

Nein, es gibt noch eine weitergehende Logik. Die Otto Group platziert viel Werbung bei den verschiedenen Medienhäusern. Wir haben deshalb großes Interesse daran, dass dort Zustimmungen vorliegen. Dies erleichtert uns, zielgruppenspezifische Werbung bei den Publishern auszuspielen. Zudem können wir die Kunden schneller auffinden, wenn sie ihre Zustimmung erteilt haben.

Nun ist die NetID-Allianz eher auf den heimischen Markt ausgerichtet. Die Otto Group ist hingegen ein weltweiter Onlinehändler. Stehen Sie auch in Verhandlungen mit ausländischen Log-in-Allianzen?

Die NetID hat durchaus eine europäische Perspektive. Sie will nicht nur auf Deutschland beschränkt bleiben. Aber natürlich ist Deutschland der Kernmarkt der Gesellschaft. Die Otto Group ist zwar global aktiv, dennoch ist Deutschland für uns einer der wichtigsten Märkte. In anderen Ländern gibt es derzeit keine großen Login-Initiativen, die sich auftun.

Ob Verimi oder NetID – die Login-Allianzen buhlen um neue Nutzer. Was muss die Allianz um RTL und ProSiebenSat.1 tun, um hohe Nutzerzahlen zu erreichen?

Es ist wichtig, dass die Login-Allianz vom Kunden akzeptiert wird. Uns bringt es herzlich wenig, wenn sie kein Kunde nutzt. Die NetID hat aber durch ihr föderales Prinzip gute Karten. Hier müssen sich die Nutzer nicht komplett neu anmelden. Sie können über bereits bestehende Accounts – beispielsweise über eine GMX- oder Web.de-Adresse von United Internet – ihren Account bei NetID freischalten. Ich bin überzeugt, dass die netID hierdurch einen sehr schnellen Kundenhochlauf erhält. Dennoch benötigt die NetID weitere Kooperationen und Services, um für Nutzer interessant zu sein. Dann besteht die Chance, möglichst viele Bundesdeutsche ins Boot zu holen.

Dazu gehört sicherlich Mobile Payment. Nun ist NetID jüngst eine Zusammenarbeit mit dem Finanzdienstleister Yes eingegangen. Hilft dies?

Definitiv. Die Kooperation mit Yes bringt für NetID erhebliche Vorteile. Sie wird die Reichweite und Akzeptanz für diese Login-Allianz verbessern.

Obwohl im Bereich Mobile-Payment eine Vielzahl von Anbietern den Markt erobert haben?

Das ist korrekt. Allerdings halten nicht immer alle, was sie sie versprechen. Mit den Sparkassen hat Yes im vergangenen Jahr einen großen Kooperationspartner gefunden, der rund 51 Millionen Kunden bedient. Eine Zusammenarbeit dieser Größenordnung entsteht nur, wenn die Lösung auf allen Ebenen überzeugt.

Nun haben sich die Nutzer längst bei Facebook & Co. angemeldet. Kann sich die NetID gegen diese Übermacht der US-Tech-Giganten überhaupt noch wehren?

NetID ist das direkte Pendant zum Facebook-Login, das sich großer Beliebtheit erfreut. Hier kann man sich durch einen Klick überall anmelden. Dies ist Sinn und Zweck. Dennoch wollen wir den amerikanischen Tech-Giganten nicht die Login-Hoheit überlassen. Wir wollen ihnen eine deutsche beziehungsweise europäische Alternative bieten.

Dennoch: die Menschen sind träge. Wollen sie überhaupt wechseln?

Der Facebook-Login ist noch längst nicht überall implementiert. Auch die Kunden der Otto Group sind nicht allesamt Facebook-Nutzer. Ich sehe deshalb eine große Chance, dass NetID über E-Mail-Adressen von United Internet einen großen Teil der deutschen Bevölkerung abdecken wird. Hilfreich ist hier die Unterstützung durch Medienpartner wie RTL oder ProSiebenSat1. Sie können die Initiative schnell bekannt machen, ebenso United Internet mit seiner hohen E-Mail-Newsletter-Reichweite.

Verimi finanziert den Dienst unter anderem über Zusatznutzen. Zahlt die Otto Group für ihre Partnerschaft bei der Net-ID?

Die NetID ist keine kommerzielle Organisation. Die Login-Allianz ist eine Stiftung. Sie muss die Kosten für die Verwaltung sowie für die technische Infrastruktur tragen. Dabei ist die Stiftung nicht auf Gewinnerzielung ausgelegt. Die Otto Group sitzt im Fachbeirat der Stiftung und unterstützt sie auch finanziell. Unterm Strich hält sich der Beitrag in einem überschaubaren Rahmen.

Kommen wir zu den Rahmenbedingungen im Netz: EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici will, dass Konzerne, die weitgehend oder vollständig ihr Geschäft im Internet betreiben, drei Prozent „Ausgleichssteuer“ in Europa abführen. Gelten soll die Steuer für Unternehmen, die im Jahr mindestens 750 Millionen Euro umsetzen, von denen 50 Millionen Euro in der EU anfallen. Wären die Otto Group auch betroffen?

Wir gehen davon aus, dass auch die Otto Group betroffen wäre. Allerdings ist noch überhaupt nicht abzusehen, ob, wann und in welcher Form das Gesetz verabschiedet und anschließend in nationales Recht umgesetzt wird.

Ist das der richtige Weg für eine Besteuerung im Netz?

Dazu kann ich im Moment nichts sagen, weil das Gesetz noch nicht vorliegt.

Würden darunter nicht auch die Endkonsumenten leiden?

Das ist im Moment nicht abzusehen.

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