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Das Start-up Baqend will das langsame Internet loswerden: „Nicht nur im E-Commerce ist Ladezeit reines Geld“

Felix Gessert von Baqend im asw-Interview

Es gibt viele Ursachen für langsame Webseiten. Eines ist die Auslieferung über das Netzwerk, bei der jede einzelne Teilanfrage vom Webseitenbesucher durch das Internet bis zum Server und zurück wandern muss. Wie löst das Start-up Baqend solche Probleme? Im Interview mit absatzwirtschaft redet einer der Gründer, Felix Gessert, über Schwachstellen der allgemeinen Webseiten, Marken und die Zukunft des Unternehmens.

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Haben Sie sich selbst immer über langsames Internet geärgert?

FELIX GESSERT: In der Tat. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich unterbewusst immer die schnellsten Seiten besuche. Weil das mobile Web weiter auf dem Vormarsch war, habe ich mir die Frage gestellt, wie es trotz aller technischen Fortschritte sein kann, dass Webseiten nicht schneller, sondern immer langsamer werden. Ein durchschnittlicher Webshop beispielsweise benötigt 9,3 Sekunden, um zu laden – nach drei Sekunden springt aber ein Großteil der Nutzer schon ab. Das habe ich auch an mir selbst beobachtet.

Wie kamen Sie auf die Idee? 

Die Idee entstand an der Uni, als ich mit meinem Mitgründer Florian überlegt habe, warum man Webseiten nicht grundsätzlich anders baut.  In unserer Bachelorarbeit haben wir untersucht, ob man die riesige Infrastruktur des Webs aus Zwischenspeichern – sogenannten Caches – nicht dafür nutzen kann, moderne Webseiten zu beschleunigen. Das hat so gut funktioniert, dass wir uns anschließend mit fast nichts anderem mehr beschäftigt haben. Die Algorithmen, die wir entwickelt haben, bilden die Basis von Baqend. Diese ermöglichen, dynamische Inhalte – von einem Bild bis zu einer Empfehlung in einem Shop – mit geringster Verzögerung aus verteilten Caches auszuliefern und gleichzeitig ständige Aktualität sicherzustellen. Nach unserem Master haben wir nach einem Weg gesucht, aus unserer Beschleunigungstechnologie ein Produkt zu schmieden, mit dem wir unsere Vision eines Internets ohne Ladezeiten umsetzen können.

An Ladezeiten hängen enorme Umsätze. Amazon hat zum Beispiel gemessen, dass eine um 100 Millisekunden gesteigerte Wartezeit den Umsatz um ein Prozent zurückgehen lässt. Nicht nur im E-Commerce ist Ladezeit reines Geld. Die Zufriedenheit von Nutzern hängt sehr stark von der gebotenen Geschwindigkeit ab. Deshalb ist es heute für Webshops, Online-Plattformen, Marketingkampagnen, mobile Apps und alle digitalen Unternehmen von entscheidender Wichtigkeit, immer verfügbar zu sein und schnell zu laden. Aus dem Grund haben wir aus der Technologie ein Start-up gemacht, um das Problem langsamer Webseiten zu lösen.

Wie groß ist das Team mittlerweile? 

Wir sind derzeit neun Teammitglieder. Daneben unterstützen uns auch zwei Forscher von der Uni Hamburg. Dieses Jahr möchten wir noch auf 15 Mitarbeiter wachsen. Wir sind auf der Suche nach Entwicklern, Designern und Marketingexperten, die uns auf dem Wachstumskurs vervollständigen.

Wo gibt es die größten Schwachstellen der allgemeinen Webseiten?

Bei typischen Webseiten gibt es zwei Ursachen für langsame Ladezeiten. Die erste Ursache ist, dass hohe Verarbeitungszeiten im Server entstehen, wenn Webseiten aus Datenbanken generiert werden. Der zweite Flaschenhals ist die Auslieferung über das Netzwerk, bei der jede einzelne Teilanfrage – das sind pro Seitenaufruf über 100 Stück – vom Webseitenbesucher durch das Internet bis zum Server und zurück wandern muss. Die Kombination aus diesen beiden Faktoren lässt die Ladezeit in einen Bereich von typischerweise 5 – 15 Sekunden ansteigen. Nutzer erwarten jedoch 1 – 2 Sekunden. Ein zweites Problem ist, dass viele Seiten bei hoher Last zusammenbrechen, weil das Backend (z.B. bei WordPress oder Magento) nicht skaliert.

 Für wen ist die Technik von Baqend gemacht?

Unser Produkt adressiert Kunden, die schnelle und skalierbare Webseiten entwickeln und sowohl in Programmierung als auch im Betrieb Aufwand sparen wollen. Das sind beispielsweise Web-Agenturen, E-Commerce-Anbieter, Publisher, Softwarehäuser, Indie-Entwickler und digitale Unternehmen. Für diese Kunden ist der konkrete Vorteil, dass sie durch unsere Caching-Technik schneller werden als die Konkurrenz und wichtige Metriken wie Umsatz und Nutzerzufriedenheit nachhaltig steigern können.

Welche Marken/Unternehmen waren Ihre ersten Kunden?

Mit einem auf Baqend gehosteten Shop trat beispielsweise das junge E-Commerce-Unternehmen Thinks in der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“ an. Das Format ist berüchtigt dafür, dass ein Großteil der Webseiten während der Ausstrahlung unter der Last zusammenbricht. Durch unsere Caching-Technologie konnte die Seite den mehreren Hunderttausend Besuchern standhalten und dabei durchgehend Ladezeiten von unter einer Sekunde erzielen. Dieser Vorteil schlug sich in Konversionsraten von über 7 Prozent nieder – das ist ein Vielfaches des Industriedurchschnitts.

Baqend wird von verschiedensten Kunden aus den Bereichen Web und Mobile genutzt. Diverse Web-Agenturen entwickeln auf uns Projekte des Tagesgeschäfts, beispielsweise Landingpages und Kampagnenseiten. Außerdem setzen viele Unternehmen uns für ihre eigenen Online-Plattformen ein. Darunter ist die Spendenplattform Dryw, das Social Network Acto und mehrere Anwendungen im Health-Tech-Bereich. Große Publisher werden die Technik ebenfalls in Kürze einsetzen, um die Performance-Problematik, die durch programmatische Werbung entsteht, abzuschwächen und die Gesamtladezeit zu reduzieren. Insgesamt laufen bereits über 500 Applikationen auf der Baqend Cloud.

Wie finanzieren Sie Ihr Unternehmen? 

Baqend hat einen langen Vorlauf als Forschungsprojekt. Insgesamt stecken über 20 Jahre Forschung und Entwicklung in der Technologie. Den Schritt vom Forschungsprojekt zum Start-up hat uns das Wirtschaftsministerium mit seinem Exist-Programm ermöglicht. Im Anschluss konnten wir uns ein ähnliches Programm für innovative Gründungen sicheren, das von der Stadt Hamburg vergeben wird. Im Dezember 2016 haben wir eine Investitionsrunde von einer knappen Million Euro durchgeführt, bei der wir zwei hochkarätige und aktiv mitwirkende Investoren gewinnen konnten. Martin Dräger (Gründer von Shareifyoulike, heute Unruly) und Jens Schumann (Gründer von Tipp24) helfen uns dabei, mit Baqend international durchzustarten und den Web Performance-Markt zu revolutionieren.

Die Konkurrenz ist groß in diesem Segment. Wie heben Sie sich ab und was machen Sie anders/besser?

Diese Frage ist für uns besonders leicht zu beantworten: Wir sind im Schnitt 15 Mal schneller. Auf unserer Webseite gibt es einen Performance-Vergleich, den jeder in seinem Browser ausführen kann, um die Ladezeiten verschiedener Backend-as-a-Service-Anbieter zu vergleichen. Wir erzielen dort global Ladezeiten von 200 – 300 Millisekunden, sind also in dem Bereich, der sich für den Nutzer „instantan“ anfühlt. Der Backend-as-a-Service-Markt bietet bisher ausreichend Raum für zahlreiche Anbieter, denn das Marktvolumen verdoppelt sich jedes Jahr. Durch unsere Vorteile in Sachen Web Performance wollen wir uns in diesem Cloud-Segment als High-Performance-Anbieter etablieren.

Wie sieht die Zukunft von Baqend aus? 

Wir fokussieren unsere Bemühungen darauf, Baqend zur führenden Plattform für skalierbare und schnelle Web-Anwendungen zu entwickeln. Deshalb sind wir dabei, das Unternehmen zu internationalisieren und es auf technischer Ebene so einfach und mächtig zu machen, dass Entwickler es für jede Art komplexer Web- und App-Projekte einsetzen können. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Bereichen Publishing und Content sowie E-Commerce. Wir bauen derzeit ebenfalls ein Netzwerk von Technologie- und Entwicklungspartnern auf, um maßgeschneiderte Baqend-basierte Softwarelösungen anzubieten. Unser Ziel ist dann erreicht, wenn Ladezeiten im Internet der Vergangenheit angehören.

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