Fachkräftemangel: Viele Talente springen während der Bewerbung ab

Der Fachkräftemangel beschäftigt auch die HR-ler: Fast alle haben in den letzten 12 Monaten die Erfahrung gemacht, dass Bewerbende ihrem Unternehmen abgesagt haben. Unternehmen selbst könnten viel mehr beitragen, Talente anzusprechen.
Bewerbungsgespräch
Dass viele Menschen während der Bewerbung abspringen, verschärft den Fachkräftemangel. ©Unsplash/Dylan Gillis

Der Fachkräftemangel ist real. Schlimmer noch: Zwei von drei Personalentscheidern gehen davon aus, dass sich die Situation im nächsten Jahr noch verschärfen wird. Zu diesem Ergebnis kommt das Meinungsforschungsinstitut Forsa, das im Auftrag von Xings Recruiting-Plattform Onlyfy deutschlandweit 500 Personalleiter*innen in Unternehmen ab 50 Mitarbeiter*innen befragt hatte. Eine der Folgen: Viele Talente springen während des Berwerbungsprozesses ab.

So gaben fast alle Personalleiter*innen (90 Prozent) an, dass ihnen Bewerbende während des laufenden Bewerbungsprozesses abgesagt hätten. Jede*r dritte*r HR-Verantwortliche*r (37 Prozent) sagte dazu, dass in den letzten zwölf Monaten gelegentlich Kandidat*innenn abgesagt hätten; 24 Prozent der Befragten gaben jedoch an, dass dies sogar häufig bis sehr häufig vorgekommen seien. 

„Unternehmen haben nicht mehr die Trümpfe in der Hand. Heute bewerben sich Unternehmen bei Talenten, nicht Talente um Jobs“, wird Frank Hassler, Vorstandsmitglied der New Work SE in einer entsprechenden Meldung zitiert. „Unternehmen haben hier wenig Spielraum für Fehler und müssen sehr genau schauen, wie sie ihr Recruiting zeitgemäß und strategisch aufstellen“, so Hassler.  

Fachkräftemangel: Unternehmenskultur ist für Bewerbende sehr wichtig

Die Gründe für die Absagen sind vielfältig. Sie reichten von einem besseren Angebot der Konkurrenz, über fehlende Flexibilität der Arbeitgeber bis zu prozessualen Gründen, wie einem als zu aufwändig empfundenen Bewerbungsprozess. Um mehr Talente anzusprechen (und zu halten), müsse vor allem die Unternehmenskultur anziehend wirken. So seien es sogenannte weiche Faktoren, die Beschäftigte zum Bleiben animieren würden: Neben Arbeitsatmosphäre und Unternehmenskultur werden hier vor allem Job-Zufriedenheit (80 Prozent) und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (71 Prozent) als ausschlaggebend gesehen. Die Höhe des Gehalts sehen nur 54 Prozent als einen der Haupt-Bleibegründe an.

Doch auch das aktive Ansprechen würde im nächsten Jahr an Bedeutung gewinnen: So sind zwei Drittel der HR-Verantwortlichen der Meinung, dass Active Sourcing wichtiger wird (64 Prozent). Das gilt insbesondere für Personalverantwortliche in Unternehmen ab 250 Beschäftigten (74 Prozent). Zudem sehen sie eine Recruiting-Chance im so genannten Talent Pooling, also dem frühzeitigen Identifizieren potenzieller Kandidaten, um sie später bei Bedarf anzusprechen (60 Prozent). Aber auch klassische HR-Maßnahmen wie Coaching und Weiterbildung von Mitarbeiter*innen (63 Prozent) sowie Führungskräften (54 Prozent) werden im kommenden Jahr wichtiger, ebenso wie Employer-Branding-Maßnahmen (49 Prozent). 

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