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Facebooks WhatsApp-Deal: Warum die 19 Milliarden eine Risikoinvestition sind

Auf den ersten Blick ist der WhatsApp-Deal von Facebook ein sehr profitables Geschäft. 450 Millionen User, die schon jetzt bereit sind, 99 Cent im Jahr zu zahlen, ergeben ein Milliardenpotenzial. Ein Blick auf die Kernkompetenzen von WhatsApp offenbart aber erhebliche Risiken.

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Von Dr. Oliver Roll – eine Replik zum Kommentar von Ekkehard Stadie

Die Potenziale von WhatsApp sind ohne Zweifel gigantisch. Der Dienst gilt als die am schnellsten wachsende Kommunikationsplattform aller Zeiten. 450 Millionen aktive User hat der Dienst aktuell, eine Milliarde wird angepeilt.

Das Potenzial

WhatsApp wird aktuell von 50 Mitarbeitern geführt. Rechnet man Lohnkosten und Technik zusammen, dürften die jährlichen Kosten 15 Millionen Dollar nicht übersteigen. Auf der Umsatzseite stehen dem 450 Millionen User gegenüber, die circa einen Dollar im Jahr zahlen. Die Marge ist also überwältigend.

Die Risiken

Wer in der Übernahme allerdings den Deal des Jahres sieht, übersieht die Risiken. Hier sind mindestens vier Punkte zu nennen:

Image: Einer der Gründe, warum sich WhatsApp gegenüber der Konkurrenz durchgesetzt hat, war der nicht-kommerzielle Charakter der App. Man wollte auf Werbung verzichten und die Preise langfristig unten halten. Facebook wird Probleme haben, dieses Image aufrecht zu erhalten.

User: Seit der Übernahme von Facebook ist die Bewertung der App im Google Play Store von durchschnittlich 4,5 auf 1,5 Sterne gefallen. Die Negativkommentare überschlagen sich („Mit dem Thema WhatsApp bin ich durch“, „Wird gelöscht“, „Werden wir jetzt überall und jederzeit abgehört?“).

Wettbewerb: WhatsApp war bezüglich der Funktionen nie führend. Es gibt eine große Anzahl an Wettbewerbern, die mindestens das gleiche können. Allein mit WeChat kommunizieren 800 Millionen chinesische Nutzer. Die Anwendung kann zudem auch mit Spielen und Finanzverwaltung kombiniert werden. Auch Viber und Line verfügen über deutlich mehr innovative Funktionen als WhatsApp.

Umstieg: Im leichten Umstieg lauert das Hauptrisiko für WhatsApp. Facebook selbst ist eine Many-to-many-Kommunikation. Hier kann niemand aussteigen, ohne sein Netzwerk zu verlieren. WhatsApp ist überwiegend eine One-to-one-Kommunikation. Jeder User kann einen anderen Messaging-Dienst parallel installieren und der Ausstieg aus WhatsApp kann ganz allmählich erfolgen. Dieser schleichende Umstieg auf parallele Clients ist das Damokles-Schwert für WhatsApp.

Vielleicht gelingt es Facebook über seinen umfassenden Kundenkontakt, WhatsApp weiter wachsen zu lassen. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass wir hier ein zweites StudiVZ vor uns haben. Viel wird jetzt davon abhängen, dass WhatsApp authentisch bleibt und den Umstieg auf den kommerziellen Weg sehr behutsam vornimmt.

Über den Autor: Prof. Dr. Oliver Roll ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Marketing und Preismanagement an der Hochschule Osnabrück. Parallel ist er akademischer Beirat der Unternehmensberatung Prof. Roll & Pastuch – Management Consultants.

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